„Schwierige betriebswirtschaftliche Situation“

Praxis-Schließung im MK: Arzt und Bürgermeister äußern sich zu den Hintergründen

Ejkhawi Abdulbaset und Rodica Csapo in der Praxis in Plettenberg-Ohle.
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Rodica Csapo und Ejkhawi Abdulbaset, hier ein Bild von Dezember, haben versucht, die Praxis in Plettenberg-Ohle fortbestehen zu lassen. Nun ist klar, dass das Vorhaben aus wirtschaftlichen Gründen scheitern wird.

Groß war die Hoffnung, als sich völlig überraschend kurz vor dem Jahreswechsel doch noch ein möglicher Nachfolger für die Arztpraxis von Rodica Csapo und Ute Hülsmann in Plettenberg-Ohle fand. Nun gibt es die bittere Erkenntnis: Die Praxis wird Ende März doch geschlossen.

Plettenberg - Abdulbaset Ejkhawi ist der Mann, der die Praxis-Übernahme zumindest versuchen wollte. Er bestätigte am Dienstag gegenüber dem Süderländer Tageblatt die Gerüchte über die Schließung, die seit Anfang der Woche kursieren. „Es rechnet sich betriebswirtschaftlich nicht“, sagt der 39-Jährige, für den es die erste eigene Praxis gewesen wäre.

Schon als er sich kurz vor dem Jahreswechsel auf eine dreimonatige Testphase einließ, habe sich abgezeichnet, dass die Betriebskosten der Gemeinschaftspraxis zu hoch sein könnten, um nur noch von einem Arzt geschultert werden zu können. Dennoch versuchten es die Beteiligten. Ute Hülsmann ging wie geplant zum Jahreswechsel in den Ruhestand, Rodica Csapo hing noch einmal drei Monate dran, um den möglichen Nachfolger mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Auch die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) und die Stadt Plettenberg unternahmen vieles, um Abdulbaset Ejkhawi zu unterstützen. Die Stadt übernahm und übernimmt bis Ende März zum Beispiel die Monatsmiete für die Praxis, doch letztlich half auch das nicht.

Am 3. Februar besprach Abdulbaset Ejkhawi die finanzielle Situation für ihn und die Praxis in einem mehrstündigen betriebswirtschaftlichen Beratungstermin mit Experten der KVWL. Das Ergebnis aus diesem Gespräch sei gewesen, dass die Betriebskosten mit Miete, Ausstattung, EDV und vor allem den Personalkosten um einiges höher seien als in anderen Praxen - zu hohe Kosten also, um statt vorher von zwei nun nur noch von einem Arzt getragen werden zu können.

Einen Tag nach dem Gespräch – am 4. Februar – informierte Ejkhawi das Arzthelfer-Team und seine Steuerberaterin über die Situation. Die Steuerberaterin habe daraufhin auch noch einmal alles durchgerechnet und versucht, Möglichkeiten zu finden, die Betriebskosten zu senken. Aber es habe sich keine Lösung gefunden.

Seit Montag ist die bevorstehende Schließung Ende März nun offiziell. Die vier Arzthelfer werden ihren Job verlieren und auch Abdulbaset Ejkhawi werde sich für den 1. April arbeitslos melden, wie er sagt, denn er habe bisher keine neue Anstellung oder Praxisübernahme in Aussicht.

An diesem Dienstag äußerte sich Bürgermeister Ulrich Schulte auf Anfrage des Süderländer Tageblatt so zu der bevorstehenden Praxis-Schließung: „Es ist äußerst ärgerlich, weil wir versucht haben, eine Zusammenarbeit zu ermöglichen und durch die Mietzahlungen auch Geld verloren geht. Aber ich kann die Beweggründe nachvollziehen.“ Schulte hatte sich mit Kräften dafür eingesetzt, dass die Praxis fortbestehen kann. „Dass es am Ende nicht funktioniert hat, ist traurig vor allem für diejenigen, die noch keinen Ersatzarzt gefunden haben“, sagt der Bürgermeister.

„Ich begrüße diese Entscheidung natürlich nicht, aber ich kann sie verstehen“, sagt auch Ansgar von der Osten von der Kassenärztlichen Vereinigung, die Abdulbaset Ejkhawi in den letzten Wochen eng begleitet und ihm unter anderem ein Praxisdarlehen in Höhe von 60 000 Euro angeboten hat. Aber auch dieses Geld konnte das grundsätzliche Problem der hohen Betriebskosten nicht beseitigen, das von der Osten bestätigt. Diese zu reduzieren, sei in der Tat schwierig gewesen. Die Personalkosten zum Beispiel könnten nicht so einfach gesenkt werden, weil bei einem Betriebsübergang wie diesem ein Kündigungsschutz gelte, der laut Abdulbaset Ejkhawi ein Jahr beträgt.

Hoffnung, dass die Praxis nun doch noch durch ein Wunder weitergeführt werden kann, gibt es so gut wie nicht mehr. „Das war der allerletzte Strohhalm“, sagt Ansgar von der Osten. Beide Seiten – also Rodica Csapo, die bei der Einarbeitung half und der potentielle Nachfolger Abdulbaset Ejkhawi – seien ernsthaft bestrebt gewesen, „aber leider hat es nicht funktioniert.“

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