90 Jahre nach Gründung vor schwieriger Zukunft / Übernahme gescheitert

Unternehmen aus MK droht Insolvenz - 70 Mitarbeiter bangen um Arbeitsplätze

Die Verzinkerei Rentrop in Plettenberg-Oesterau stellte am 7. Oktober einen Antrag zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

Plettenberg – Die Feuerverzinkerei Rentrop an der Ebbetalstraße im Oestertal steht 90 Jahre nach der Gründung durch Otto Rentrop vor einer schwierigen Zukunft. Das rund 70 Mitarbeiter zählende Unternehmen hat einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Hagen gestellt.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Verzinkerei Rentrop GmbH wurde Andreas Grund bestellt. Dies bestätigte Thomas Feldmann, Pressesprecher der Düsseldorfer Kanzlei AndresPartner auf Anfrage unserer Zeitung. 

Bei der Verzinkerei Rentrop selbst ließ der bisherige Geschäftsführer Dietrich Etzler auf den Insolvenzverwalter verweisen – eine Kontaktaufnahme zum Betriebsratsvorsitzenden war ebenfalls nicht möglich.

Bereits im Juli hatte die Firmenleitung folgende interne Mitteilung veröffentlicht: „Wir müssen heute feststellen, dass die Entscheidung in 2015 in eine neue Phosphatierungsanlage zu investieren – die leider immer noch nicht läuft – uns in eine schwere Krise geführt hat, aus der wir – wie wir glauben – mit eigener Kraft nicht mehr herausfinden werden.“ 

Damit umschrieb die Firmenleitung um Geschäftsführer Dietrich Etzler ziemlich exakt, was zur Schieflage geführt hat. So kam erschwerend hinzu, dass der Hersteller der Anlage noch vor der Installation insolvent wurde und die Millioneninvestitionen somit nichts ans Laufen kann. Statt die Produktivität zu erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, bewirkte die Investition das Gegenteil.

Einstieg neuer Gesellschafter sollte vorbereitet werden

Um eine Insolvenz zu vermeiden, sprach die Unternehmensleitung die Prange-Gruppe an, die in Plettenberg bereits in weiteren Industrieunternehmen engagiert ist, um Lösungen für die bedrohliche Situation zu finden. 

In diesem Zuge wurde vereinbart, einen vertiefenden Einblick in das Unternehmen zu gewähren, um einen Einstieg der neuen Gesellschafter vorzubereiten. Unterstützt wurde die Prange-Gruppe dabei von Gert Alfred und Gert Friedrich Middendorf, Geschäftsführer der Neuenrade Firma Muschert + Gierse. Die Familie Middendorf verfügt laut Otto Prange über ein besonderes Wissen im Bereich der Oberflächentechnik und kennt die entsprechenden Märkte. 

Weitere Expansionsmaßnahmen waren nicht ausgeschlossen

Die Angebotspalette der Verzinkerei Rentrop umfasst neben Feuerverzinken auch die galvanische Verzinkung, Phosphatierung sowie zahlreiche zusätzliche Vor-, Nach- und Zusatzbehandlungen. 

Mit dem ursprünglich angedachten Einstieg der neuen Mehrheitsgesellschafter sollte auch die Phosphatierungsanlage in den Serienbetrieb genommen werden. Zudem waren mittelfristig auch weitere Expansionsmaßnahmen auf dem Gelände der ehemaligen Firma Vollmerhaus nicht ausgeschlossen. Das Gelände wird derzeit im Auftrag der Stadt Plettenberg von Altlasten befreit. 

Das sagt Otto Prange zu seinem Ausstieg

Doch eine weitaus größere „Altlast“ waren offenbar die Phosphatierungsanlage und die in Zukunft zu erwartenden Umweltauflagen für Galvanikanlagen. „Wir sind aus den Übernahmeverhandlungen ausgestiegen“, erklärte Otto Prange dazu auf Anfrage unserer Zeitung. „Wir haben uns das lange angeschaut, sind aber abschließend zu der Meinung gekommen, dass es dauerhaft schwierig sein wird, die Investitionen in dem Betrieb wieder zu erwirtschaften“, so Prange abschließend.

Die Absage der Firmenübernahme durch die Prange-Gruppe hat Konsequenzen für die Verzinkerei Rentrop, die nun als Folge der gescheiterten Übernahme  einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt hat.

Wie es nun mit der Verzinkerei in Plettenberg weitergeht, ist noch offen. Die Zahlung der Gehälter der rund 70 Mitarbeiter ist aber nun erst einmal für drei Monate gesichert. Der vorläufige Insolvenzverwalter Andreas Grund wird sich nun erst einmal einen Überblick von der Situation verschaffen.

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