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„Gesundes Misstrauen wichtig“: Polizei zu Betrugsfällen bei Ebay-Kleinanzeigen

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Von: Georg Dickopf

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Auf einem Smartphone die App von Ebay Kleinanzeigen.
Das Internet-Verkaufsportal Ebay-Kleinanzeigen erfreut sich wachsender Beliebtheit. Doch Polizeisprecher Christof Hüls warnt: Hier tummeln sich leider auch schwarze Schafe, die nur den Betrug im Sinn hätten. © Felix Schlikis/imago

In der jüngeren Vergangenheit werden der Polizei im Märkischen Kreis immer häufiger Betrugsfälle im Internet-Verkaufsportal Ebay-Kleinanzeigen gemeldet. Die Polizei rät zur Wachsamkeit. Doch wie können sich Käufer und Verkäufer schützen? Worauf sollte man achten, um unseriöse Angebote direkt zu entdecken? Georg Dickopf sprach dazu mit Christof Hüls, Pressesprecher der Polizei im MK.

Herr Hüls, früher hat man seine alte Stereoanlage im Kleinanzeigenteil der Zeitung verkauft. Heute läuft viel über Portale wie Ebay-Kleinanzeigen. Würden Sie dort selbst etwas kaufen oder verkaufen?
Ja, aber ich bin misstrauischer geworden. Das gilt für Verkäufe genauso wie für Käufe. Da lauern einige Fallen. Das sollte man dran denken.

Was gibt es denn zu beachten?
Betrüger nutzen alle Kanäle und möglichen „Tatorte“. Das Internet macht es ihnen leicht, im Massengeschäft mitzuwirken. Sie „handeln“ online. Da können sie in kürzester Zeit viel schneller abkassieren, als wenn sie an zig Haustüren klingeln müssten. Deshalb gilt als erste Regel: Misstrauisch bleiben! Nicht über Ungereimtheiten hinweg sehen, keine Sicherheitsmechanismen der Plattform-Betreiber aushebeln. Keine unnötigen Daten herausgeben. Artikel-Beschreibungen genau lesen. Als Verkäufer: Zustand Ihres Artikels durch Fotos dokumentieren, Belege verwahren, Empfang quittieren lassen. Ware als versichertes Paket verschicken. Schauen Sie sich an, wie lange Verkäufer oder Käufer bereits aktiv sind und welche Beurteilungen es gibt. Mitglieder, die seit zehn Jahren dabei sind, werden eher selten betrügen. Ungewöhnlich niedrige Preise beim Kauf sollten misstrauisch machen. Im umgekehrten Fall sollten Sie vorsichtig sein, wenn Käufer hochwertige Dinge ungesehen kaufen und sich zuschicken lassen wollen. Ein ausführlicher Mail-Verkehr allein ist noch kein Beleg für wirkliches Interesse eines Käufers. Es könnten auch Schein-Verhandlungen mit betrügerischer Absicht sein. Führen Sie die Kommunikation möglichst durchgehend über die von der Plattform angebotenen Wege. Keine Zusatzleistungen geben!

Gibt es auch Probleme, wenn ich die Ware direkt abhole oder abgebe an den Käufer?
Wir hatten bereits den Fall eines Jugendlichen, der eine Spielekonsole persönlich an der Haustür abgegeben und dafür Falschgeld bekommen hat. Also selbst dann muss man genau hinschauen – oder sich an der nächsten Bank treffen und das Geld direkt einzahlen. Die Bank wird Falschgeld erkennen. Ob man Käufer nach Hause bestellt, muss jeder selbst wissen. Bei anderen Treffpunkten sollte man belebte Plätze vorziehen vor dunklen Ecken und am besten nicht allein gehen, sondern Zeugen mitnehmen. Die persönliche Übergabe ermöglicht eine Prüfung der Ware. Das sollte man dann aber auch tatsächlich nutzen.

Hilft es bei Unsicherheit, sich ein Bild vom Personalausweis schicken zu lassen?
Nein. Sie sollten auch nicht Ihre Ausweis-Kopien verschicken. Sonst wird Ihr Ausweis vielleicht beim nächsten Betrug als Beleg verwendet.

Wie hoch ist die Aufklärungsquote bei den Betrugsfällen?
Ich kann keine Zahlen explizit für Betrügereien im Zusammenhang mit Online-Verkaufsplattformen nennen. Jedenfalls werden bei über 60 Prozent der Betrugsfälle im MK Tatverdächtige ermittelt. Das bedeutet aber nicht, dass die Opfer ihr Geld zurückbekommen.

Ist Ebay-Kleinanzeigen an einer Zusammenarbeit mit der Polizei interessiert?
Wir machen keine Angaben zur Bereitschaft einzelner Unternehmen, mit uns zusammenzuarbeiten.

Wie viele Mitarbeiter in Ihrer Behörde beschäftigen sich damit und sind es mehr Fälle geworden?
Zur Zahl der Mitarbeiter in unseren Kommissariaten machen wir keine Angaben. Die Zahl der Betrugsfälle insgesamt ist im Vergleich zwischen den Jahren 2019 und 2020 um 11 Prozent gestiegen. Sicher hat Corona dazu geführt, dass mehr online gekauft wurde. Dadurch konnten sich Fake-Shops platzieren. Und auch Straftäter sind ins Homeoffice gegangen.

Können Sie den Unterschied der Bezahlvarianten erklären (Paypal-Freunde)?
Es gibt zu viele Varianten und verschiedene Bezahldienste. Egal, welcher Bezahldienst genutzt wird: Umgehen Sie keine Sicherheitsmechanismen der Online-Kaufhäuser! Das heißt: Akzeptieren Sie keine E-Mails oder Faxkopien als angeblichen Zahlungsbeleg. Die Betrüger fälschen Mails der Online-Kaufhäuser oder Bezahldienste. Kontrollieren Sie die Bezahlung stattdessen in Ihrem Konto. Bezahlen Sie mit der „Freunde- und Familie-Funktionen“ nur dann, wenn Sie tatsächlich mit „Freunden“ oder der „Familie“ handeln. Bei der Nutzung dieser Funktion entfallen oder verringern sich zwar Gebühren, aber auch die Schutzmöglichkeiten.

Ich habe gehört, dass man selbst als Verkäufer betrogen wird mit einer Art Abholservice, bei dem man seine Kreditkartendaten bekannt geben soll.
Es gibt zig Varianten. Ein Trick funktioniert, weil die Bezahlung zum Beispiel über Paypal erfolgt und die Ware trotzdem persönlich durch einen „Bekannten“ abgeholt wird. Der Käufer wendet sich nachher an Paypal und behauptet, die Ware nicht erhalten zu haben. Er bekommt das Geld zurück. Paypal belastet das Verkäufer-Konto. Auch wenn der „Abholdienst“ schneller vor der Tür steht, als das Geld auf eigenen Konto liegt, sollte man hellhörig werden. Oft übt der „Paketdienst“ dann Druck aus und der Verkäufer gibt nach. Tatsächlich haben wir in den vergangenen Tagen mehrfach Anzeigen aufgenommen von Verkäufern, die Käufern ihre Kreditkarten-Daten überlassen haben. Angeblich, so die Kaufinteressenten, handele es sich um eine neue „Bezahlmethode“. Aber der Verkäufer bekommt kein Geld, sondern sein Konto wird belastet.

Was raten Sie abschließend den Nutzern dieser Plattformen?
Wie gesagt: Eine gesunde Portion Misstrauen zu bewahren. 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht. Anfänger sollten sich die Mechanismen von Freunden erklären lassen. Passwörter sind ein ganz wichtiges Thema. Leider verwenden viele immer noch „1234“ oder „ABC“ als Kennung. Tipps, es besser zu machen, gibt es unter www.mach-dein-passwort-stark.de. Immer wieder werden Nutzer solcher Verkaufsplattformen davon überrascht, dass sie angeblich plötzlich Waschmaschinen oder sonst was verkaufen. Ihre Passwörter wurden geknackt, ihr Konto gekapert und dann Betrugsversuche begangen. Das kommt auch hier im MK häufiger vor. Nutzer sehen sich Forderungen anderer Menschen ausgesetzt oder bekommen Strafanzeigen wegen Betrugs. Dem E-Mail-Fach kommt dabei eine besondere Schlüsselrolle zu, weil dort Infos über Passwort-Änderungen landen. Wer Ihr Mail-Passwort kennt, der kann sich Zugang zu weiteren Online-Diensten verschaffen. Bei Betrugsverdacht schnell reagieren und sich an die Plattform-Anbieter oder Zahlungsdienstleister wenden sowie Anzeige bei der Polizei erstatten. Viele Betrugsmaschen funktionieren seit Jahren. Aber Betrüger entwickeln sich weiter und immer neue Methoden. Wem das alles zu gefährlich erscheint, der sollte vielleicht doch auf den nächsten Flohmarkt gehen. Aber Vorsicht bitte vor Taschendieben! Falls sich jetzt jemand animiert fühlen sollte, es selbst mit Betrug zu versuchen: Man hinterlässt ganz schön viele Datenspuren! Nicht, dass statt des Postboten ein Kripo-Beamter an seiner Tür klingelt.

Beispiele für Betrugsmaschen bei Ebay-Kleinanzeigen

„Es gibt eine Speditionsmasche“, erklärt Christof Hüls. „Wir hören von Betrugsopfern immer wieder diese Geschichte: Die Kaufinteressenten erklärten, sie seien im Ausland“. Der Verkäufer soll eine bestimmte Spedition beauftragen und dafür in Vorkasse treten. Der Betrüger verschickt einen gefälschten Zahlungsbeleg. Der Verkäufer denkt, dass alles in Ordnung ist und zahlt den angeblichen Transport – meist mehrere hundert Euro. Doch die Spedition kommt nicht. Der Verkäufer bleibt auf seiner Ware sitzen.

Manche Betrüger bestellen gerne zusätzliche Guthabenkarten und lassen sich den Code schon einmal vorab übermitteln. „Auch in diesem Fall bleibt der Verkäufer garantiert auf seinen Kosten sitzen. Deshalb: Keine Guthaben-Karten kaufen und kein Geld an angebliche Speditionen transferieren“, sagt Hüls.

Ein anderer Trick wird als Dreiecksbetrug bezeichnet. Dabei täuscht der Betrüger gleichzeitig Verkäufer und Käufer. Er agiert mit beiden Seiten. Der Käufer zahlt, bekommt aber keine Ware und erstattet Anzeige gegen den Verkäufer wegen Betrugs. Der kann aber gar nichts dafür, sondern ist ebenfalls Opfer: Er hat Ware verschickt, aber kein Geld bekommen. Deshalb sollten Adressen und Namen verglichen werden. Sind Empfänger und Käufer identisch? „Wenn Hugo in Dortmund das Geld bekommt und Egon in München die Ware: Dann spricht viel dafür, dass etwas faul ist. Am besten ist tatsächlich die persönliche Übergabe, Geld gegen Ware“, erklärt Hüls.

Andere Betrüger verwenden eine Art PIN-Betrug. Sie lassen dem Verkäufer einen Code per SMS, Mail oder Whatsapp zukommen. Der Verkäufer soll diesen Code an den Interessenten weitergeben. Das soll angeblich der Sicherheit vor Betrügern dienen. Tatsächlich handelt es sich um einen Bezahl-Code über den Mobilfunkanbieter. Der Verkäufer bezahlt für den eigenen Artikel. Hüls rät: „Kommunizieren Sie am besten ausschließlich über die Nachrichten-Funktionen des Online-Kaufhauses. Leiten Sie keine Codes weiter! Der Käufer braucht auch nicht Ihre Handy-Nummer“. Noch ein Hinweis für Käufer: Auch Versandbescheinigungen lassen sich laut Hüls fälschen.

Der „Doppelte-Lottchen-Trick“ funktioniert nur mit Standard-Ware, zum Beispiel Elektrogeräten. Der Käufer tauscht dabei das funktionsfähige Gerät, das er vom Verkäufer erhalten hat, gegen ein baugleiches kaputtes. Dann bemängelt er die Ware. Der Verkäufer erhält das kaputte Gerät zurück. Der Käufer behält das gute Gerät und sein Geld. Um das zu vermeiden, sollten Seriennummern fotografiert werden. Auch hier macht die Vor-Ort-Übergabe Sinn: Dann können Verkäufer und Käufer gemeinsam das Gerät testen.

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