Polizei vermittelt zwischen Mast-Aufsteller und Straßen.NRW

Tödlicher Crash: Telekom will Kabel über Gedenkstätte entfernen, Polizei stoppt Arbeiten

+
Beim tödlichen Verkehrsunfall am 17. März auf der K8 wurde ein Telegraphenmast umgefahren, dessen Kabel heute über die Gedenkstelle führt. Einen neuen Mast dort aufzustellen, entwickelte sich zu einer komplizierten Angelegenheit, die bis heute nicht abschließend geklärt ist.

Plettenberg – Bei der folgenden Geschichte, die typisch ist für manche Dinge in Deutschland, haben es alle irgendwie gut gemeint, doch ein gutes Ende gibt es deswegen trotzdem (noch) nicht.

Es geht um einen Telegraphenmasten, den ein 23-jähriger Plettenberger am 17. März auf der K8 bei einem Unfall unweit des Steinbruchs Kleinhammer umfuhr, danach gegen einen Baum krachte und dabei sein Leben verlor. 

Der Mast lag bei der Unfallaufnahme auf der Straße und liegt nun seit über sechs Monaten in der Böschung. Das Kabel mit der Telefonleitung baumelt seitdem ein paar Handbreit über der Gedenkstätte, die von den Angehörigen des Unfallopfers regelmäßig aufgesucht wird. 

Die am 23. September von der Redaktion über den zerstörten Masten informierte Telekom-Pressestelle zeigte sich dankbar über den Hinweis. Da das Kabel noch funktioniere, habe man keine Störungsmeldung bekommen, man werde sich aber kurzfristig kümmern. An dieser Stelle hätte die Geschichte enden können. Doch zwei Wochen danach lag der Mast mitsamt Kabel immer noch in der Wiese. Und dort liegt es knapp drei Wochen später immer noch. 

Bei der erneuten Nachfrage bei der Telekom hieß es dort: „Leider war es entgegen unserer Absicht bislang nicht möglich den Mast zu reparieren, da unser Auftragnehmer noch keine Genehmigung vom örtlichen Bauamt erhalten hat.“ Und weiter ergänzte die um die Klärung bemühte Telekom-Sprecherin Katja Werz: „Am ursprünglich für die Reparatur vorgesehen Tag – laut Polizei war dies am 24. September um 8.26 Uhr – wurde unserem Auftragnehmer durch ein Polizeiaufgebot im Auftrag des Straßenverkehrsamtes die Ausführung der Reparaturarbeiten untersagt.“ 

Am 24. September lag schon ein neuer Mast bereit, aber die Straßenabsicherung war mangelhaft, die Polizei rückte an und das ganze Vorhaben wurde gestoppt.

Dies bestätigte Straßen.NRW-Sprecher Andreas Berg. Die Kreisstraße (K8) diene aktuell als Umleitungsstrecke für die B 236 aufgrund einer Baumaßnahme, was zu einem sehr hohen Verkehrsaufkommen führe. Die folgende Stellungnahme der Straßenmeisterei Herscheid leitete Kreissprecher Hendrik Klein dankenswerterweise an die Heimatzeitung weiter: „Am Morgen des 24. September rückte ein von der Telekom beauftragter Bautrupp mit zwei Lastkraftwagen und einem verladenen Bagger an und begann ohne jegliche Absicherung eine Baustelle zur Instandsetzung des Telefonmastes einzurichten.

Diese Aktion bemerkte ein Streckenwart der Straßenmeisterei Herscheid. Da der Bautrupp dort im Berufsverkehr der Umleitungsstrecke eine akute Verkehrsgefährdung darstellte und trotz Aufforderung nicht abrücken wollte, alarmierte der Streckenwart die Polizei. Die Polizei verwies den Bautrupp des Ortes, da auch keine behördliche Genehmigung für die Baumaßnahme vorlag.“ Der Vorgang werde aktuell zur Weiterleitung an den Märkischen Kreis zur Einleitung eines Bußgeldverfahrens bearbeitet. 

Ping-Pong-Spiel der Behörden

Laut Telekom-Sprecherin habe besagtes Unternehmen mittlerweile die erforderlichen Absperrungen besorgt und sei damit auch bei Straßen.NRW vorstellig geworden, doch eine Genehmigung sei bislang noch nicht erteilt worden. Möglicherweise hat sich das Unternehmen damit auch an die falsche Behörde gewandt, denn die Unfallstelle liegt noch auf dem Plettenberger Stadtgebiet. Und die verkehrsrechtliche Anordnung muss deshalb bei der Straßenverkehrsabteilung der Stadt Plettenberg beantragt werden. Die Anträge können auch auf der Homepage heruntergeladen werden.

Auf Nachfrage bei Mitarbeiterin Stefanie Schade zum Bearbeitungsstand des Antrages, teilte sie mit: „Mir liegt bis heute keine verkehrsrechtliche Anordnung für eine Baustelle auf der K8 vor.“ Wenn ein solcher Antrag eingereicht werde, prüfe man die Angaben und stimme sich mit Straßen.NRW ab. Die Genehmigung der Stadt erfolge in der Regel nach einer Bearbeitungsdauer von ein bis drei Tagen. 

Abschließend meldet sich auch Telekom-Sprecherin Katja Werz noch einmal zu Wort. Sie werde das Bauunternehmen, mit dem man seit vielen Jahren zusammenarbeite, darüber informieren, wo der Antrag gestellt werden müsse. „Es ist sicher in unser aller Interesse, dass der Mast endlich aufgestellt wird und das Ping-Pong-Spiel beendet wird. Wir würden die Sache lieber heute als morgen vom Tisch haben“, so Werz, die auf ein gutes Ende der Geschichte in der nächsten Woche hofft.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare