Polizei mit Tempo-Kontrollen

So kämpfen Anwohner im MK gegen Raser vor ihrer Tür

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Auch wenn der VW-Fahrer in diesem Foto vorschriftsmäßig und leise fuhr, müssen sich Nina Chovolou und andere Anwohner am Osterloh immer öfter die Ohren zuhalten, wenn sie vor ihren Häusern den Lärm der zu schnell fahrenden Autos und der rumpelnden Lastwagen ertragen wollen.

Vielerorts beschweren sich Anwohner über zu schnelle oder laute Auto- und Motorradfahrer - so auch am Osterloh. Hier hatten sich die Betroffenen an das Ordnungsamt gewandt und schnelle Hilfe der Polizei bekommen. Wir haben den Geschwindigkeitsmessung begleitet. 

  • Anwohner in Plettenberg-Osterloh kämpfen gegen Raser.
  • Sie baten das Ordnungsamt um Hilfe.
  • Die Polizei führt Tempokontrollen durch.

Plettenberg - Nina Chovolou hatte es ja vorhergesagt. Ein Lichtblitz dringt aus der Heckscheibe eines Caddys, vorne sitzt der Polizeibeamte und schaut auf seinen Monitor, auf dem jetzt das Bild eines BMW erscheint. 90 km/h. Das sind 20 mehr, als erlaubt. Den BMW-Fahrer erwartet ein teures Blitzer-Foto. Er wird an diesem Abend am Osterloh nicht der Einzige bleiben, der in die Geschwindigkeitsmessung der Polizei rauscht.

Wir befinden uns an der L561, gegenüber des Wohmobilverleihs Wick Hellmobil auf dem Grundstück der Wohnhäuser, die sich in Höhe der Einfahrt zum Köbbinghauser Industriegebiet befinden. Den Anwohnern um Nina Chovolou ist hier schon vor Monaten aufgefallen, dass es mit den Rasern immer schlimmer zu werden scheint. „Das ist wie Rallye Monte Carlo“, erzählt Nina Chovolou den Menschen, wenn sie auf die Situation vor ihrer Haustür angesprochen wird. Es werde trotz Verbots munter überholt, teilweise liefern sich Auto- und/oder Motorradfahrer sogar Rennen. Also haben sie und weitere Anwohner einen Brief an die Stadtverwaltung geschrieben und um Lösungen gebeten.

Auch in Lüdenscheid hält die Polizei den Kontrolldruck auf einer beliebten Abkürzungsstrecke für Pendler aufrecht. Wieder tappten die Autofahrer reihenweise in die Falle. Die Anlieger freut es.

Tempokontrollen in Plettenberg-Osterloh: Anwohner gegen Raser

Am Dienstag vor einer Woche kommt für Anwohner in Plettenberg Hilfe. Ein erfahrener Polizist der Verkehrsdirektion fährt in einem zivilen Caddy vor und richtet die Kameras der Radarmessanlage im Kofferraum aus. Es dauert ein paar Minuten, bis das Messfeld wie ein unsichtbarer Teppich auf der Straße liegt – wer an genau dieser Stelle zu viel Geschwindigkeit auf dem Tacho hat, rauscht nun in die Blitzer-Falle.

Die erste Viertelstunde vergeht, ohne, dass jemand geblitzt wird. Ein Audi rauscht mit 78 km/h durch die Kontrolle. Sein Fahrer ist so gerade noch einer Strafe entronnen. Erlaubt sind an dieser Stelle zwar nur 70 km/h, die Anlage löst aber erst bei 79 aus, weil ein Beschluss des NRW-Innenministeriums den Fahrern sozusagen per se 5 km/h zu viel verzeiht, auf die dann noch einmal die bekannten 3 km/h Toleranz kommen.

Auffällig ist, dass es nicht lange dauert, bis die ersten Autos mit deutlich weniger als 70 km/h durch die Messstelle fahren. Kurzer Blick auf Facebook. Nein, dort wurde noch nicht verkündet, dass am Osterloh ein Blitzer steht. Das Radio hat auch noch nichts berichtet. Aber die „üblichen Verdächtigen“ kennen den zivilen Blitzer-Caddy schon. „Der ist verbrannt“, nennen das die Polizisten. Und womöglich wurden einige Fahrer auch schon per Lichthupe aus dem Gegenverkehr gewarnt.

Tempokontrollen: Fahrer fährt aufreizend langsam

Der Fahrer eines roten VW Polo GTI weiß offenbar Bescheid, als er die Blitzerstelle passiert. Er fährt aufreizend langsam, schaut den Polizisten im Caddy noch an und drückt dann das Gaspedal durch. Reifen quietschen, der Polo rast davon. Der Fahrer hat Glück, dass die Polizei an diesem Tag für genau solche Fälle nicht eine zweite Messstelle ein paar Meter weiter eingerichtet hat.

Solche Provokationen gehören längst zum Alltag der Verkehrsdienst-Polizisten. „Es ist in letzter Zeit unwahrscheinlich aufgefallen, dass in vielen Fällen der Respekt fehlt“, berichtet der Mann, der an diesem Abend die Messung durchführt und uns darum bittet, seinen Namen nicht zu erwähnen, weil er Repressalien gegen sich oder seine Familie befürchtet. Erst neulich in Höhe der Martin-Luther-Schule an der Lehmkuhler Straße habe ein Beifahrer mitten während der Fahrt die Tür aufgerissen, als er die Polizisten erkannte und ihnen zugerufen: „Ihr Hurensöhne!“

Ein anderes Beispiel sind die sozialen Netzwerke im Internet. Was hier auf den einschlägigen Seiten kommentiert wird, liest auch die Polizei. Und die Beamten sind dazu übergangen, jegliche Art von Beleidigungen – egal, ob an einer Einsatzstelle oder im Internet – zur Anzeige zu bringen. Über die Kennzeichen oder über die Betreiber der Webseiten ermitteln die Polizisten die Adressen – und statten dem Pöbler dann auch schon mal mit dem Streifenwagen einen Besuch in dessen Wohnung oder bei dessen Arbeitgeber ab.

Tempokontrollen: Beleidigungen gegen Polizisten

Nicht nur das Problem der Beleidigungen hat zugenommen, sondern auch die Zahl der Geschwindigkeitsverstöße. Denn – das lehrt die Erfahrung der Polizisten – Autofahrer sind vor allem dann zu schnell unterwegs, wenn sie freie Fahrt haben. Und weil seit der Corona-Pandemie auf den Straßen weniger los ist, lassen sich viele dazu verleiten, das Gaspedal etwas tiefer durchzudrücken.

Bürger wie Nina Chovolou und die Anwohner am Osterloh nervt das. Die Motoren- und Auspuffgeräusche machen eigentlich schon genug Lärm, erschwerend hinzu kommt der schlechte Zustand der L561 mit ihren Schlaglöchern, durch die Autos und Lkw rumpeln. Und selbst wenn die Kinder auf dem Bürgersteig stehen, werde eher noch schneller als langsamer gefahren, sagen die Anwohner.

In der Regel läuft das mit den Raserbeschwerden so: Die Stadt Plettenberg stellt an besagter Stelle unscheinbare Messgeräte auf, mit deren Hilfe eine erste Statistik zu Verkehrsaufkommen und Geschwindigkeiten erstellt wird. Anhand dieser Zahlen entscheiden dann der Verkehrsdienst oder der Märkische Kreis, ob es Sinn macht, eine Messstelle einzurichten oder nicht. Denn häufig – das zeigt die Erfahrung – werden Geschwindigkeiten von außen höher wahrgenommen, als sie wirklich sind.

Es gibt aber auch Stellen, an denen die Polizisten sofort reagieren. So wie letzte Woche am Osterloh. Oder wie kürzlich am Brachtweg. Eine Gruppe von Anwohnern hat vor zwei Monaten in einer Email beschrieben, dass in der Tempo-30-Zone vom Krankenhaus hinauf zum Tanneneck viel zu schnell gefahren werde. Der Verkehrsdienst griff den Hinweis auf, blitzte an einem Freitagabend zwischen 20 und 0 Uhr. Die Aussagen der Anwohner bestätigten sich: Jeder zweite Autofahrer war so schnell unterwegs, dass die Messanlage auslöste.

Tempokontrollen in Plettenberg: Jeder Zehnte zu schnell

Nicht annähernd so viele Sünder sind der Polizei letzte Woche am Osterloh ins Netz gegangen. Nach zwei Stunden beendet der Polizist die Messung und wertet aus: 508 Fahrzeuge sind von der Kamera registriert worden. Fünf Fahrer davon wurden geblitzt, zwei von ihnen müssen mit einer Anzeige mit hoher Geldstrafe und Punkten in Flensburg, vielleicht sogar mit einem Fahrverbot, rechnen.

Auch wenn damit nur gut jeder zehnte Autofahrer zu schnell war, kündigt die Polizei an, die neue Messstelle weiter im Auge zu behalten. „Die gesamte L561 von Plettenberg bis nach Lüdenscheid hat sich in den letzten Wochen zu einem Hot-Spot für Raser entwickelt. Deshalb wird die Polizei auch in Zukunft verstärkt Präsenz zeigen und die Geschwindigkeit dort überwachen“, schreiben die Beamten, die mit dieser Aussage auf viel Zuspruch bei den Anwohnern stoßen werden. Erst diese Woche entbrannte nach den vorübergehenden neuen Tempo-Vorgaben zwischen Hüinghausen und Weiße Ahe und einem schweren Verkehrsunfall in diesem Bereich von letzter Woche auf Facebook eine Debatte, in der viele Anwohner die Geschwindigkeits-Reduzierung befürworten. Der Tenor lautet: Auch vor ihrer Haustür werde verstärkt gerast.

Weil der neue, seit 28. April gültige Bußgeldkatalog wegen eines Formfehlers für nichtig erklärt wurde, setzt der Märkische Kreis alle neuen Bußgeldbescheide aus.

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