Musikschule Lennetal wurde von Auswirkungen der Pandemie hart getroffen

Die Musikschule Lennetal hat die Corona-Zeit irgendwie überstanden

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Das Coronavirus und die Auswirkungen auf die Musikschule Lennetal, darüber tauschten sich (von links) Angela Freimuth, Alexander Lilienbeck, Phil Daedelow, Jürgen Neumann und Sebastian Hoffmann von der Musikschule (alle von der Werdohler FDP) aus.

Lennetal – Die Corona-Pandemie hat auch die Musikschule Lennetal hart getroffen. Dennoch können die Lehrer aus der Krise Positives für die Zukunft mitnehmen. Das berichtete Sebastian Hoffmann aus dem Führungsteam der Musikschule am Donnerstag bei einem „Frühstücksgespräch“ mit der heimischen FDP in der Fábrica All Day Coffee Lunch Bar an der Inselstraße.

Die Abmeldungen seien „relativ stark angestiegen“. Dazu gebe es weniger Anmeldungen für das neue Schuljahr. Wegen Corona konnten die Schüler nicht wie vorher über die Schulen erreicht werden, so Hoffmann. Auch für Lehrer, die beispielsweise eine halbe Stelle unterrichten und sonst konzertieren würden, sei die Zeit schwierig gewesen und sei es auch jetzt noch. Sie hätten mit massiven finanziellen Einbußen zu kämpfen. Immerhin: Kurzarbeit gab bei der Musikschule nicht. „Wir haben ja gearbeitet“, so Hoffmann.

Und das auf kreative Weise. Drei verschiedene Varianten des Fern-Unterrichts haben sich in der Zeit des Lockdowns ergeben. Die offensichtlichste aller Möglichkeiten, sprich Unterricht per Videotelefonat, kam dabei allerdings erst als letzte Variante zum Zug. Weil die amerikanischen Video-Chat-Dienste für die Musikschule in Sachen Datenschutz ungeeignet seien, musste erst nach einer passenden Lösung gesucht werden. Die gab es dann nach den Osterferien durch einen Anbieter aus Heinsberg.

Positiv in Erinnerung bleibe der Musikschule auch der Unterricht durch Videos, die etwa per WhatsApp an die Schüler geschickt wurden. „Das geht dank der neuen Technik wunderbar“, so Hoffmann. Schüler könnten sich hier problemlos 100 Mal dieselbe Stelle ansehen, weil sie etwas nicht richtig verstanden haben – und das ohne dabei den Lehrer zur Verzweiflung zu bringen. Hoffmann zeigte sich erstaunt, wie gut dieses Angebot angenommen wurde. Eine Schülerin sei nach dem Lockdown durch ihre gute Bogenhaltung aufgefallen, nannte er ein Beispiel.

Die Lehrer, die technisch nicht so versiert seien, hätten ihren Schülern Noten zukommen lassen und per Telefon unterrichtet. „Der Hörer wurde dann auf Lautsprecher gestellt“, erklärt Hoffmann, sagt zu den digitalen Formaten aber auch: „Sie sind eine Ergänzung, aber kein Ersatz.“ Vor allem bei kleineren Kindern würde das deutlich, wo Unterricht vor dem Bildschirm ohne direkten, persönlichen Kontakt schwieriger sei. „Sie erzählen weniger“, so Hoffmann. Beim Präsenzunterricht würden sie sich mehr öffnen.

Groß war deshalb auch die Erleichterung, als es nach dem Lockdown wieder langsam mit Einzel- und später auch mit Gruppenunterricht weitergehen konnte. Seit Juni konnte dann auch wieder mit kleineren Orchestern geübt werden – in großen Räumlichkeiten und mit entsprechendem Abstand.

Dass es in diesem Jahr noch Konzerte der Musikschule gibt, daran glaubt Hoffmann indes nicht. Zu groß seien die Abstände zwischen den Gästen, zu schlecht die Atmosphäre, wenn so gar keine Nähe zum Publikum aufgebaut werden könne. Er nannte eine große Kirche als Beispiel, in die wegen der Abstände aktuell vielleicht 50 Personen gleichzeitig hinein dürften: „Wenn 30 Musiker das Orchester bilden, können nur 20 Besucher kommen.“ Das sei nicht optimal.

Was aus der Zeit des Lockdowns bleibt? Der Online-Unterricht soll als Ersatz dienen, wenn der Präsenzunterricht beispielsweise wegen starken Schneefalls oder anderen äußeren Einflüssen nicht möglich ist. So steht es jetzt auch in der Satzung der Musikschule. „So muss der Unterricht dann nicht mehr ausfallen.“ Auch könnten über die digitalen Wege vielleicht neue Zielgruppen angesprochen werden, zeigte sich Hoffmann offen. Denn neben Säuglingen, Kindern und Jugendlichen würden an der Musikschule auch Erwachsene unterrichtet. „Wir bieten Zehnerkarten für flexiblen Unterricht an“, so der Musikschullehrer, der auch samstags Stunden gebe.

Anmeldungen weiterhin möglich

Eine Erleichterung sei die Hilfe beim Jekits-Projekt (Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen) durch das Land gewesen, das die Musikschule an ihren fünf Standorten Werdohl, Neuenrade, Plettenberg, Altena und Finnentrop an 20 Grundschulen anbietet. Normal gibt es Maßzahlen, wie viele Schüler im Orchester sein müssen. Diese wurden für dieses Jahr fallen gelassen. Dazu seien Anmeldungen für Jekits II für das Schuljahr 2020/21 noch bis zum 30. September möglich. Jekits wird von der Landesregierung gefördert. Gemeinsam mit den Elternbeiträgen und den Eigenmitteln der Kommune sind damit die Kosten für die Lehrkräfte des außerschulischen Bildungspartners abgedeckt, heißt es auf der Internetseite jekits.de.

Angela Freimuth, FDP-Landtagsabgeordnete und Landtagskandidatin der Liberalen, bezeichnete die Hilfe für Jekits als „wichtige Sofortmaßnahme, um Strukturen zu erhalten“. Diese später wieder aufzubauen, sei mit einem erheblich höheren Aufwand verbunden.

Neuer Musikschul-Leiter: Sommer-Nachfolger wird noch gesucht

Noch keine Entscheidung ist gefallen bezüglich eines neuen Leiters der Musikschule Lennetal, wie Sebastian Hoffmann aus dem Leitungsteam auf Anfrage erklärte. Der bisherige Leiter Armin Sommer hatte die Musikschule nach viereinhalb Jahren Ende Juni verlassen (wir berichteten) und war zurück in seine pfälzische Heimat gegangen. „Der Schritt ist mir nicht leicht gefallen“, erklärte Sommer bei seiner offiziellen Verabschiedung. Persönliche und familiäre Gründe hätten letztlich den Ausschlag gegeben, wieder heimatnäher in Rheinland-Pfalz arbeiten zu wollen. Unterwegs sein wird er dort als Musikpädagoge und Schlagzeuglehrer sowie als Konzertmusiker.Momentan wird die Schule vom dreiköpfigen Führungsteam Sebastian Hoffmann, Martina Gadomski und Andreas Regeling geführt. Zum 1. Januar 2020 soll die Stelle des neuen Leiters ausgeschrieben werden, berichtete Hoffmann.

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