Apotheker müssen in Vorleistung gehen

Plettenbergs Apotheker sind sauer: Die kostenlose Ausgabe der FFP2-Masken sei schlecht geplant gewesen

Wegen der Ausgabe von FFP2-Masken erlebten Apotheken einen „Ansturm“.
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Von einem „Ansturm“ berichtete man unter anderem in der Wieden-Apotheke. Bereits am Morgen waren viele Menschen gekommen, um sich die kostenlosen FFP2-Masken an dem eigens dafür geöffneten Ausgabefenster abzuholen.

Plettenberg – Seit Dienstag konnten sich Personen aus Risikogruppen FFP2-Masken in Apotheken abholen. So hatte es Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vergangene Woche angekündigt. Den Apotheken blieb wenig Zeit, sich darauf vorzubereiten und Masken zu besorgen. Der Ärger bei den Plettenberger Apothekern ist groß.

Wieden-Apotheke

„Wir haben Masken bekommen, aber es sind bei weitem noch nicht genug“, sagt Jörg Düerkop, Inhaber der Wieden-Apotheke, auf Nachfrage der Redaktion am Dienstagvormittag. Zu diesem Zeitpunkt waren von den 1 000 Masken, die die Apotheke erhalten hat, schon 300 ausgegeben worden. „Der Ansturm ist da.“ Bisher seien es vor allem die Älteren über 60 Jahre, die zur Risikogruppe gehören und sich in den Apotheken drei kostenlos zur Verfügung gestellte Masken abholten, so Düerkop.

Der beschriebene Ansturm habe ihn und seine Kollegen unvorbereitet getroffen, denn der Plan, FFP2-Masken über die Apotheken zu verteilen, wurde erst sehr kurzfristig mitgeteilt. „Wir haben es am vergangenen Mittwoch aus der Presse erfahren, dass wir die Masken abgeben sollen, mit einem Vorlauf von drei Tagen“, sagt Düerkop. Mehr Zeit blieb nicht, um Masken zu organisieren, denn diese wurden nicht etwa zentral bereitgestellt und an die Apotheken verteilt – ein weiterer Kritikpunkt.

„Wir können uns bei Herrn Spahn dafür bedanken, dass wir erst einmal in Vorkasse gehen müssen“, sagt Apotheker Düerkop sarkastisch. Denn die Masken mussten die Apotheken innerhalb der kurzen Zeit selbst auf dem freien Markt beschaffen. „Irgendwann wird das ganze dann abgerechnet.“ Düerkop rechnet damit, dass aufgrund der gestiegenen Nachfrage die Preise für FFP2-Masken ansteigen werden.

Victoria-Apotheke

Davon geht auch Wernhard Dilthey, Inhaber der Victoria-Apotheke, aus. „Wenn die Masken knapper werden, werden auch die Preise anziehen“, sagt er. „Wir werden nicht beliefert, wir müssen uns die Masken selbst besorgen, zu welchen Preisen auch immer.“

Das hat er auch getan. Die erste Bestellung von 1 000 Masken soll am Mittwoch oder am Donnerstag eintreffen, kommende Woche eine weitere Charge von 5 000 Masken. Bis dahin würden FFP2-Masken ausgegeben, die die Apotheke für den normalen Verkauf noch vorrätig hatte.

Im Moment gebe es aber keine Knappheit an Masken, versichert der Apotheker: „Es gibt keinen Grund zu befürchten, dass man keine kriegt.“

Trotzdem sei der Kundenansturm auch für ihn und sein Team nur schwer zu bewältigen. „Es ist nicht zum Aushalten, es ist das totale Chaos“, klagt Dilthey und macht die schlechte Planung der Politik und den kurzen Vorlauf dafür verantwortlich. „Es wurde völlig unvorbereitet verkündet.“ Beim Grippe-Impfstoff sei es ähnlich gewesen.

Dilthey geht davon aus, dass sich der Maskenbedarf im Dezember – Menschen über 60 und mit Vorerkrankungen sollen drei Masken erhalten – decken lässt. Die Leute, die Masken abholen, müssten glaubhaft versichern, dass sie eine Krankheit haben, die sie zum Erhalt der Masken berechtigt. „Das müssen wir alles erfassen und uns unterschreiben lassen – das ist ein Riesenaufwand“, sagt Dilthey. Und nachprüfen lasse sich diese Selbstauskunft nicht. Wenn Leute keine Maske bekämen, hätten sie dafür aber durchaus Verständnis.

Dennoch befürchtet der Apotheker, dass manche Menschen versuchen könnten, die kostenlose Ausgabe auszunutzen. „Wenn es etwas umsonst gibt, fühlen sich ganz bestimmte Leute berufen, das auszunutzen und von Apotheke zu Apotheke zu laufen und die Masken mitzunehmen“, vermutet der Apotheker. „Das lässt sich nicht verhindern.“

Zumindest jetzt nicht. Im Januar soll dann eine andere Regelung greifen: Patienten erhielten dann von den Krankenkassen einen Bon, mit dem sie sechs Masken erhalten, bei einer Eigenbeteiligung von zwei Euro. „Im Moment ist aber das totale Chaos angesagt“, sagt Dilthey.

Apothekerverband: „Logistische Meisterleistung“

„Wir sind so gut wie möglich vorbereitet und haben heute bereits viele Patienten versorgen können“, sagt Jörg Lehmann, Apotheker in Plettenberg und Herscheid sowie Vorsitzender der Bezirksgruppe Märkischer Kreis Süd im Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL). „Die Aktion ist eine logistische Meisterleistung der Apotheken vor Ort“, fügt er hinzu.

Denn nachdem der Bundesgesundheitsminister in der vergangenen Woche den ersten Verordnungsentwurf vorgelegt hatte, haben die Apotheken innerhalb kürzester Zeit die Masken organisieren müssen. Bundesweit seien es mehr als 80 Millionen Masken. Die Marktsituation für solche Schutzmasken sei aber höchst unübersichtlich und die Einkaufspreise der Apotheken schwankten, auch durch die aktuell erhöhte Nachfrage, sagt Jörg Lehmann.

„Die Apothekenteams stemmen die Maskenausgabe zusätzlich zur täglichen Versorgung der Patienten mit Arzneimitteln. Im Durchschnitt kommen nun 1500 Patienten zusätzlich in eine Apotheke“, sagt Lehmann. „Das ist eine große Herausforderung, aber selbstverständlich leisten wir unseren Bei-trag, um die Pandemie zu bekämpfen.“

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