Umsatzrückgang trotz niedriger Spritpreise

Tankstellen haben so günstige Preise wie nie - aber keiner tankt

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Den Kunden freut der Blick auf die Preistafel für Benzin und Diesel, so wie hier gestern in Ohle.

Plettenberg/Herscheid – Der Dieselpreis steht unter einem Euro pro Liter, die Preise für die verschiedenen Super-Benzine zwischen 1,10 und 1,20 Euro. Ralf Ibele, Betreiber der bft-Tankstelle in Plettenberg-Ohle, muss lange überlegen, ob er sich an derart niedrige Spritpreise erinnern kann.

„Nein, so niedrig waren sie noch nicht“, sagt er schließlich. Niedrige Spritpreise wären sonst ein Kundenmagnet, nicht aber in Corona-Zeiten. An einigen Tankstellen ist der Umsatz zuletzt massiv eingebrochen. Bis zu 50 Prozent Absatzeinbußen verzeichnete eine Tankstelle in Neuenrade, 40 Prozent eine andere in Werdohl.

 Auch in Plettenberg ist das Ausbleiben der Kunden spürbar. „Die Leuten fahren ja weniger, weil sie nirgends mehr hinkönnen“, sagt Ibele. Fahrten zur Arbeit und auch in der Freizeit blieben aus, und damit auch die Tankstellenkundschaft.

„Trotz niedriger Preise wird weniger getankt.“ Dadurch nimmt Ibele weniger ein, aber wie groß die finanziellen Einbußen sind, ob die Corona-Krise für ihn existenzbedrohend sei, das könne man jetzt noch nicht sagen. „Am Jahresende wird immer abgerechnet“, sagt Ibele. „Ich könnte jetzt jammern oder einfach weitermachen. Und ich entscheide mich fürs Weitermachen.“

Coronavirus: Umsatzeinbußen an den Tankstellen

In Herscheid ist die Lage bemerkenswerterweise relativ entspannt. Zwar verzeichnet auch die Shell-Station von Michael Turk „einen leichten Rückgang“, wie der Inhaber sagt, allerdings sei dieser mit rund fünf Prozent im absolut überschaubaren Bereich. „Ich war selbst überrascht und bin natürlich sehr froh darüber“, sagt Turk. Er habe eigentlich einen deutlich stärkeren Rückgang erwartet. Die Shell-Station liegt direkt an der L 561, der Hauptverbindungsstraße von Plettenberg und Herscheid zur Autobahn 45. Dort gibt es tendenziell viel industriellen Güter- sowie Pendelverkehr.

„Merklich zurückgegangen ist der Verkauf von Kaffee und Backwaren“, beschreibt Turk. Etwa zehn Prozent minus mache er in diesem Bereich zurzeit. Wegen der geringeren Nachfrage und bedingt durch Kurzarbeit seien die Öffnungszeiten des Shops daher angepasst worden. Turk hofft, dass die Industrie in Plettenberg und Herscheid in den nächsten Wochen wieder anzieht und der Verkehr weiter zunimmt. Dann könnten sich die Verkaufszahlen normalisieren.

Allerdings gibt es nicht nur Rückgänge, sondern auch Zuwächse bei den Verkäufen. Tabakwaren nämlich, werden mehr gekauft als vorher. „Die Menschen verbringen mehr Zeit zu Hause und rauchen dort mehr“, vermutet Turk einen Zusammenhang mit Homeoffice, Zwangsurlaub und Kurzarbeit.

Für seine Mitarbeiter hat er Spuckschutze an den Arbeitsplätzen angebracht. Ihr Gesundheitszustand wir außerdem regelmäßig abgefragt. Die Kunden sind seit letzter Woche verpflichtet, in der Tankstelle Masken zu tragen.

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