1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Plettenberg

Auf dem Weg zum Krankenhaus: Rettungswagen wird im MK zum Kreißsaal

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Christos Christogeros

Kommentare

Tina und Tana, deren Nachnamen nicht genannt werden sollen, haben als Notfall-Sanitäterinnen schon viel erlebt. Dennoch: Die Geburt im RTW war auch für sie etwas Besonderes.
Tina und Tana, deren Nachnamen nicht genannt werden sollen, haben als Notfall-Sanitäterinnen schon viel erlebt. Dennoch: Die Geburt im RTW war auch für sie etwas Außergewöhnliches. © Feuerwehr Plettenberg

 „So eine Geburt ist auch für uns etwas Besonderes“, sagt Matthias Greth von der Plettenberger Feuerwehr. Denn eine kleine Neu-Plettenbergerin konnte offensichtlich nicht bis zur Ankunft in der Geburtsstation der Attendorner Helios-Klinik warten – und so mussten die Notfall-Sanitäterinnen Tina und Tana (Nachnamen sollen nicht genannt werden) spontan zu Geburtshelferinnen werden.

Plettenberg - Die beiden freuen sich am frühen Morgen bereits auf das nahe Dienstende, müssen dann aber zu einem letzten Einsatz ausrücken. Rettungswagen (RTW) und Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) werden zum Ortsteil Ohle alarmiert. Eine 25-Jährige stehe kurz vor der Geburt.

Vor Ort angekommen, erkennen die Notfall-Sanitäterinnen sofort, dass schnelles Handeln gefordert ist. Die werdende Mutter wird umgehend in den RTW gebracht. Transportziel: Der Kreißsaal der Helios-Klinik in Attendorn.

Doch das dauert dem Mädchen offensichtlich zu lange – immerhin muss der RTW auf dem Weg von Ohle nach Attendorn gefühlt einmal durch ganz Plettenberg fahren. Tina und Tana erkennen, dass die Geburt schon so weit fortgeschritten ist, dass der Rettungswagen der Feuerwehr kurzerhand zum Kreißsaal umfunktioniert werden muss.

Geburt noch auf Plettenberger Stadtgebiet

Neben der Ausstattung des RTW spielt natürlich auch das Personal eine große Rolle, denn die beiden Notfall-Sanitäterinnen übernehmen kurzerhand die Aufgabe als Hilfshebammen. Noch auf Plettenberger Stadtgebiet erblickt kurze Zeit später ein Mädchen das Licht der Welt.

Im Anschluss an die Geburt setzen die Fahrzeuge die Fahrt nach Attendorn fort und können Mutter und Kind sicher ins Krankenhaus bringen.

Ein sicher nicht alltäglicher Einsatz für die Rettungskräfte, die laut Matthias Greth auch nicht explizit für die Begleitung einer Geburt ausgebildet werden. „Man liest sich aber vielmals etwas an und informiert sich, um gewappnet zu sein“, sagt Greth. Bei Tina und Tana handele es sich um „Kolleginnen mit langjähriger Erfahrung“, sagt Greth. Beide haben als Notfall-Sanitäterinnen die höchste Ausbildungsstufe unter dem Notarzt erreicht.

Geburt im Rettungswagen: „Schon außergewöhnlich“

Dennoch: „Auch für erfahrene Kollegen ist so eine Geburt schon außergewöhnlich“, erklärt Greth. Allerdings wüssten die Rettungskräfte professionell mit so einer Situation umzugehen. „Wenn es eine normale Geburt ohne Komplikationen ist, dann braucht man selbst nicht viel machen. Wenn das Kind dann auf der Welt ist, können wir uns natürlich dann auch richtig darum kümmern“, erklärt Greth.

Dieser Einsatz zeige eindrucksvoll das Spektrum der Arbeit der Feuerwehr. „In vielen Fällen kommen wir zur Hilfe, wenn sich Menschen in akuten Notlagen befinden. Umso schöner ist es, dass wir als Feuerwehr Teil sein durften, einer neuen Erdenbürgerin bei ihrem Weg auf die Welt behilflich zu sein“, sagt Greth.

Gerne hätten die Rettungskräfte Kontakt zur 25-Jährigen im Nachgang aufgenommen. Dies sei aus Datenschutz-Gründen aber nicht möglich gewesen.

Ob solche Einsatzfahrten, die bisher eher Seltenheit waren, in Zukunft öfter vorkommen könnten, wenn die Geburtsstation der Helios-Klinik in Attendorn geschlossen wird und der Verkehr nach Lüdenscheid beispielsweise stockt? „Das könnte schon sein“, sagt Greth.

Im September hatte die Helios-Klinik angekündigt, die Geburtsstation wohl noch in diesem Jahr schließen* zu wollen. Dagegen regt sich in der Hansestadt Protest - auch vom Bürgermeister. *sauerlandkurier.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare