Plettenberger wegen Nötigung zu 18 Monaten auf Bewährung und Sexualtherapie verurteilt

Gericht: „Ein aus dem Ruder gelaufenes Teenager-Ding“

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Plettenberg - Wegen sexueller Nötigung und Diebstahls verurteilte die zweite große Jugendkammer des Landgerichts Hagen einen 21-jährigen Plettenberger zu einer Jugendstrafe von 18 Monaten auf Bewährung

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der junge Mann am 1. März 2015 noch als 18-Jähriger eine damals 14-jährige Zeugin auf dem Rücksitz eines Autos sexuell bedrängt, dann aber freiwillig von seinem Tun abgelassen hatte (wir berichteten). Die Kammer könne und müsse die Strafe zur Bewährung aussetzen, erklärte der Vorsitzende Richter Marcus Teich in seiner Urteilsbegründung: „Es macht aus unserer Sicht keinen Sinn, jemanden wegzusperren und ihm damit die Möglichkeit einer Therapie zu nehmen.“ Weil die Richter beim Angeklagten einen erheblichen „Erziehungsbedarf auf der Persönlichkeitsebene“ sahen, verordneten sie ihm eine Sexualtherapie als Bewährungsauflage. Dem Angeklagte fehle es an Einfühlungsvermögen und Akzeptanz gegenüber dem bestehenden Wertesystem. 

Die Kammer stellte Mängel in der Entwicklung und Persönlichkeit des Angeklagten fest, „die unbehandelt weitere Straftaten erwarten lassen“. Verurteilt wurde der 21-Jährige wegen dieser Reifeverzögerungen nach Jugendstrafrecht, weil die Kammer keinerlei Zweifel daran hatte, dass „beide Taten etwas Jugendtypisches“ hatten. Das Ganze wirke „wie ein aus dem Ruder gelaufenes Teenager-Ding“, sagte der Vorsitzende. „Da wird einfach ausprobiert, was geht.“

 Offenbar hatte die junge Zeugin an jenem 1. März 2015 andere Wünsche: Ihr bester Freund war kurz zuvor verstorben, und offenbar hatte sie sich mit dem ihr gut bekannten Angeklagten getroffen, um zu kuscheln und zu reden. Der lieh sich das Auto seiner Mutter aus, packte Decke und Kissen ein, holte das Mädchen in Lüdenscheid ab und landete mit ihr schließlich in einem Parkhaus in Plettenberg. 

„Und dann nahm das Unheil seinen Lauf“, fasste Richter Marcus Teich die völlig verunglückten sexuellen Annäherungen des Angeklagten zusammen, der schließlich freiwillig von seinem Treiben abgelassen hatte. Das Mädchen blieb verstört zurück, sah aber zunächst keinen Anlass für eine Strafanzeige. 

 Weil der Angeklagte sein Geständnis vor Gericht nur portionsweise erweiterte, musste die junge Zeugin im Landgericht selber aussagen. Sowohl die psychologische Gutachterin als auch das Gericht attestierten ihr eine detailreiche, realistische und authentische Schilderung des Geschehens - insgesamt also eine hohe Glaubwürdigkeit. Ein jugendspezifisches Austesten von Grenzen sahen die Richter auch bei dem Diebstahl eines Rasierapparates in Lüdenscheid gegeben. Der Angeklagte scheiterte am 18. Januar 2017 bei dem Versuch, einen unbezahlten Rasierapparat mit Umverpackung im Wert von 399 Euro aus einem Saturnmarkt zu bringen. „Nach dem Piepen der Diebstahlssicherung würden 90 Prozent das Ding zurücklegen und schwitzend den Laden verlassen“, vermutete der Vorsitzende. Der Angeklagte hingegen habe den Apparat aus dem Umkarton genommen und erneut versucht, damit den Laden zu verlassen.

 Mit dem Urteil bewegte sich die zweite Jugendkammer zwischen den Strafanträgen von Rechtsanwalt Ralf Mitschke und der Anklagevertreterin.

 Der Verteidiger sprach sich für einen Schuldspruch ohne konkretes Strafmaß aus. Die Staatsanwältin beantragte eine Jugendstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten, die nicht mehr zur Bewährung hätte ausgesetzt werden können.

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