Plettenberger mögen pflegeleichte Vorgärten

Trend Steingärten: Ist Grau jetzt das neue Grün?

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Auch auf den Friedhöfen im Stadtgebiet ist der Trend zum Steingarten deutlich bemerkbar.

Plettenberg – Der Trend geht weg von der schönen grünen Wiese im eigenen Garten. Immer mehr Eigentümer bevorzugen pflegeleichte Steinflächen anstelle vom herkömmlichen Beet mit Büschen oder Blumen.

Für Insekten bieten diese sogenannten Steingärten jedoch wenig Lebensraum. Und wo keine Pflanzen wachsen, wird auch kein Sauerstoff produziert – so kritisiert der Naturschutzbund (NABU) den Trend. In manchen Städten wurden Steingärten aus Klimaschutzgründen schon verboten. In Plettenberg ist das bislang nicht der Fall (wir berichteten). 

Für Garten- und Landschaftsbauer Arkadius Cepak würde ein Steingarten-Verbot sicherlich einige Aufträge weniger bedeuten, denn der Trend geht eher zu weniger Pflanzen, wie Cepak erzählt: „Ich bin seit 1996 im Gartenbau tätig und es werden definitiv immer mehr. Die Leute wollen sich ausruhen nach der Arbeit und im eigenen Garten entspannen – sie haben keine Lust darauf, nach Feierabend noch zu pflanzen und Unkraut zu zupfen“, weiß Cepak aus dem Kreise seiner Kundschaft. Die meisten Hauseigentümer würden aus Zeitgründen eher auf Rindenmulch oder Steingärten setzen. Dennoch müsse man auch die Steine sauber halten: „Steingärten sind pflegeleicht aber nicht pflegefrei!“, sagt Arkadius Cepak. 

 Im Gespräch mit Steingärten-Besitzern aus Plettenberg wurde deutlich, dass es hauptsächlich um die Arbeitserleichterung geht, denn das lästige Unkrautzupfen fällt weg – und das Bepflanzen. Generell haben aber alle derjenigen Plettenberger dafür gesorgt, dennoch ein wenig Grünzeug mit einfließen zu lassen, um den Insekten trotzdem ihren Lebensraum zu lassen. 

Den meisten Stein-Liebhabern geht es nur darum, bestimmte Randflächen wie Vorgärten gepflegt aussehen zu lassen, wie beispielsweise Dirk Mielke, der trotz seines steinigen Vorgartens hinter seinem Haus einen großen Garten pflegt und generell sehr insektenfreundlich ist. Er begrüßt es, ihnen einen Lebensraum bieten zu können. 

Annerose Krabiell, Inhaberin des Geschäftes „Blumen und mehr“ an der Herscheider Straße, kann bestätigen, dass auch bei der Grabpflege mehr auf Steine als auf Beete gesetzt wird. „Ich persönlich finde das nicht so schön, wie natürlich Pflanzen oder Blumen. Man muss das aber auch einmal aus einer anderen Perspektive betrachten, Es gibt viele Angehörige, die nicht mehr in Plettenberg leben und daher die eigenen Gräber kaum selber pflegen können. Für diejenigen ist ein Steingarten eine gute Alternative, damit das Grab trotzdem gepflegt aussieht“, weiß die Floristin. 

Bei Hausbesitzern, die ein entsprechendes Alter erreicht hätten, sei dies sicherlich ähnlich. Generell sind sich die meisten Plettenberger zum Thema Steingärten einig: Jeder muss selbst wissen, was er gerne vor seine Haustür oder das Grab seiner Angehörigen pflanzen soll, schließlich sind Geschmäcker verschieden. Allerdings könnte jeder darauf achten, ein Blümchen oder Pflänzchen zu integrieren – das ist wenig Arbeit und bewirkt dennoch eine Menge für Insekten, die wir Menschen zum Leben dringend brauchen.


Das sagt der Naturschutzbund: 

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU), sieht das Thema Steingärten sehr kritisch. Auf der Internetseite heißt es dazu: . Modern, unkrautfrei und pflegeleicht. Das sind die Schlagworte, mit denen für einen Steingarten im Vorgarten geworben wird. Anstatt artenreicher Pflanzungen entstehen dabei oft Steinwüsten. Nicht nur bei Gartenbesitzern, auch bei Stadtverwaltungen ist dieser Trend verstärkt zu beobachten. Das Problem von vielen aktuellen Steingärten ist – vom Design abgesehen: Sie enthalten wenig oder gar keine Pflanzen. Gerade Vorgärten und kleine Grünflächen haben eine besondere Bedeutung für die Artenvielfalt und das Klima in der Stadt. Sie bilden ökologische Trittsteine für Pflanzenarten, Insekten und Vögel, die auf der Suche nach Nahrung und Nistplätzen von Trittstein zu Trittstein wandern. Grünflächen liefern saubere, frische Luft. Kies- und Steinflächen heizen sich dagegen stärker auf und strahlen sie wieder ab. Für das Stadtklima wird die Zunahme an Kies- und Steingärten zum Problem, vor allem, wenn zusätzlich notwendige Kaltluftschneisen durch neue Bebauungen wegfallen.

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