Mit einem Bild fing alles an

Die Plettenberger Kleinbahn im Oestertal – unser Mitarbeiter begibt sich auf Spurensuche

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Dieses Bild der Plettenberger Kleinbahn weckte das Interesse unseres Mitarbeiters Hartmut Damschen, der sich auf eine umfassende Recherche begab.

 Geschenke bekommt man immer gerne. So konnte ich mich über ein Foto freuen, das mir Rolf Seebo vor einiger Zeit in die Hand drückte. Was ich daraus machen würde, überließ er mir und meiner Fantasie. Auf der Fotografie ist unschwer ein Triebwagen mit angehängten Beiwagen im oberen Oestertal erkennbar.

Eine Fotografie, die meine Neugier weckte. Wann war wohl das Bild (oben abgebildet) entstanden? Also begann ich mit den Recherchen. Auf dem Foto links ist noch der alte Sportplatz gegenüber Gaststätte Haus Micketrine, heute Restaurant und Hotel Heidrich, erkennbar. Daran schließt sich ein großes Stück freies Feld an, auf dem sich heute der Sportplatz, das Familienzentrum Oestertal und die Martin-Luther-Schule, Teilstandort Oestertal, anschließen. 

Bild frühestens 1955 entstanden 

Von der Plettenberger Kleinbahn ist der Triebwagen T 1 mit zwei Personenwagen unterwegs. Der hintere Personenwagen (Personenwagen 5II) besitzt am Ende ein Gepäckabteil. In der Mitte rollt der Personenwagen mit der Nummer 6. Aufgenommen wurde der Zug zwischen den Haltestellen Oesterau (Dankelmert) und Lettmecke. Ab 1955 erhielten Triebwagen und Personenwagen den elfenbein/roten Farbanstrich. Somit ist das Bild frühestens 1955 entstanden. Der Personenverkehr auf Schienen wurde 1958 eingestellt. Also ist die Entstehung des Fotos auf diese Jahre einzugrenzen. Natürlich war nicht nur der Triebwagen auf den Strecken der Plettenberger Kleinbahn unterwegs. Es gab eine Reihe von Dampfloks, den sogenannten Kastenloks, die die hauptsächliche Arbeit, nämlich die Versorgung mit ihren angehängten Güter- und Rollwagen der an der Strecke liegenden Firmen gewährleisteten. Noch heute wird vom „feurigen Elias“ gesprochen, wenn eine solche Dampflock eine an der Trasse liegende Wiese in Brand setzte. Spektakulär für die Kinder und Jugendlichen der damaligen Zeit, die sich noch gerne daran erinnern. Die Streckenführung der Oestertalbahn begann in der Grünestraße. Sie führte über die Haltestellen Düppenhaus/Uhlandstraße, Oesterhammer, Oesterau, Lettmecke bis zum Endpunkt Wiesenthal mit zwei Anschlussgleisen auf dem Gelände der Firma Brockhaus, Werk Wiesenthal. 

Maximal bis zu 25 km/h schnell 

Der Triebwagen T 1 der Firma BBC wurde am 17. Dezember 1941 feierlich in Betrieb genommen. Der BBC-Hauptgenerator mit 100 kW bei 550 Volt wurde von einem MAN-Motor mit 200/220 PS angetrieben. Die beiden Fahrmotoren in ihren Drehgestellen leisteten jeweils 59 kW. Maximal 50 km/h sollte der T 1 fahren können – wenn er durfte. Aber er durfte nicht. Die zugelassene Geschwindigkeit betrug auf eigenem Bahnkörper, der uns heute noch als Rad- und Fußweg bekannten Trasse, 25 km/h und auf Straßen nur 8-12 km/h. Die Ölkühlung des Dieselmotors machte bei den geringen Geschwindigkeiten immer wieder Probleme. Ein Kolbenfresser war auch einmal die Folge. Im Jahr 1954/55 wurde der Motor gegen einen luftgekühlten Deutzmotor mit 150 PS ausgetauscht. Der lief dann auch erfolgreich. Da ab 1958 der Personenverkehr, wie vor schon beschrieben, eingestellt wurde, konnte der T 1 1960 an die Sylter Inselbahn verkauft werden. Richtig zum Einsatz kam er aber auf Grund der komplizierten und empfindlichen Technik nicht mehr. Das Ende des T 1 nahte mit der Verschrottung auf Sylt im Jahr 1968. Viele dieser vorgenannten Details habe ich einem mir von Hans-Joachim Holterhof leihweise überlassenem Buch von Wolf Dietrich Groote über die Plettenberger Kleinbahn entnommen. Groote ist ausgewiesener Kleinbahn-Spezialist und MME-Vereins-Gründungsmitglied. 

Mitglieder restaurieren Triebwagen 

Heute sind die Mitglieder der Märkischen Museumseisenbahn (MME) in Herscheid-Hüinghausen dabei, einen seit 1982 im Besitz der MME befindlichen Triebwagen der Firma Talbot in Aachen im eigenen Lokschuppen komplett zu restaurieren. Das heißt, dass der Wagen so ziemlich in alle Einzelteile zerlegt werden muss, mit Ersatzteilen versehen und generalüberholten Elementen wie den Achsen und Drehgestellen zusammengebaut werden wird. Ein Blick in den Führerstand sagt mehr als tausend Worte. Es wird eine Sisyphusarbeit für alle Beteiligten. Der Triebwagen, Baujahr 1950, wurde in Eckernförde erstmals in Betrieb genommen, ging 1958 auf die Insel Juist und hat bei der Sauerländer Kleinbahn/MME viele Fahrten mit großen und kleinen Fahrgästen absolviert. Wer einmal die Arbeit und auch den Fuhrpark in Hüinghausen kennenlernen will, hat dazu am 26. September ab 15 Uhr bei einer Führung durch Ulrich Kodinger die Gelegenheit. Anmeldungen nimmt Hartmut Damschen unter Ruf (0 23 91) 7 04 03 an.

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