Sinnbild für die Veränderung einer ganzen Branche

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Der Teich der Firma Rasche existierte noch bis in die 1960er Jahre. Er musste einem Parkplatz weichen.

Wie wandlungsfähig sich erfolgreiche Plettenberger Industrieunternehmen in den vergangenen Jahrzehnten zeigen mussten, um am Markt bestehen zu können, wurde den Mitgliedern des Heimatkreises jetzt bei einem Besuch der Firma Rasche verdeutlicht: Umfortechnik statt Gesenkschmiede lautet der Slogan des heimischen Unternehmens.

Dieses hatte einst ganz bescheiden begonnen: 1925 übernahmen Adolf Hollweg und Friedrich Wilhelm Berges die Grundstücke und Gebäude der Firma Gustav Rasche aus Evingsen und legten damit den Grundstein für eine rasante Entwicklung in den kommenden Jahren. Unter anderem mit der Geschäftsführerin Dipl.-Ing. Gisela Quintenz hatten die Mitglieder des Heimatkreises eine kompetente Ansprechpartnerin vor Ort, die nicht nur die „höchst interessante Betriebsführung“, wie die Heimatfreunde erklärten, durchgeführt hatte.

Der große Erfolg des Unternehmens in den Jahren nach der Gründung war dabei alles andere als selbstverständlich. „Ersparnisse und Geldreserven waren wie Schnee in der Sonne dahingeschmolzen, die Tendenz in der Wirtschaft bewegte sich in schaurige Abgründe. Unter solch unglücklichen Umständen wurde das Wagnis zu unserer Gründung unternommen“, hatte Hollweg anlässlich der 25-Jahr-Feier erklärt. Das Risiko hatte sich jedoch gelohnt: Bereits in den 1930er Jahren waren die Kapazitäten des Landemerter Stammwerks ausgeschöpft.

So wurden das ehemalige Hammerwerk Haarmann und die benachbarte Firma Carl Reinländer erworben. Bis in die 1960er Jahre wuchsen die beiden an der Grünestraße beziehungsweise Unterm Grünen Berg gelegenen Produktionsstätten zum heute noch vorhandenen großen Komplex zusammen. Der Teich, der jahrelang auch zur Stromgewinnung genutzt wurde, musste in diesem Jahrzehnt auch einem neuen Parkplatz weichen. 1984 musste auch der Grünebach überbaut werden.

Seit den 1990er Jahren war das Unternehmen aufgrund technischer Innovationen in der Lage, statt reiner Schmiedeprodukte einbaufertige Komponenten zu liefern. Die Hämmer seien bei der Firma Rasche Umformtechnik schon längst verstummt. Ihre Arbeit haben vier Hochleistungspressen übernommen.

Heute arbeiten rund 250 Mitarbeiter im Drei-Schicht-Betrieb. Die Arbeit ist in drei Bereiche unterteilt: Entwicklungsabteilung, Warumformung und Veredelung zur Herstellung einbaufertiger Komponenten.

Diese Luftaufnahme, wohl in den 1970er Jahren entstanden, zeigt die Firma an der Grünestraße beziehungsweise Unterm Grünen Berg.


Geliefert wird in das In- und Ausland. Zu den Kunden zählen unter anderem die Automobilbranche sowie der Motoren-, Maschinen- und Flugzeugbau. Alleine im vergangenen Jahr habe man rund 15 000 Tonnen Stahl verbraucht – Tendenz steigend.

Die Mitglieder des Heimatkreises waren nicht nur von diesen Zahlen beeindruckt. Auch der Wandel, den das Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten vollzogen hat, ließ viele Teilnehmer der Führung staunen. Denn nicht wenige der Mitglieder des Plettenberger Heimatkreises können sich noch gut an die einst zahlreich in der Vier-Täler-Stadt vorhandenen Gesenkschmieden und Hammerwerke erinnern.

Zum Abschluss dieses interessanten Tages wurden die Gäste vom Unternehmen noch zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Hier konnten die Heimatinteressierten die vielfältigen Eindrücke noch einmal sacken lassen – und in Erinnerungen an die Plettenberger Industrie schwelgen, die sich in den vergangenen Jahrzehnten doch stark gewandelt hat.

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