Plettenberger Grundschulen leiden doppelt  - Lehrermangel in der Vier-Täler-Stadt

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Auch in Plettenberg herrscht in den Grundschulen Lehrermangel. Hinzu kommt in der Vier-Täler-Stadt, dass die nicht vorhandene Autobahnanbindung die Stadt unattraktiv für Lehramtsanwärter macht.

Plettenberg - Auch Plettenberg ist von dem Thema Lehrermangel an Grundschulen betroffen – sogar noch mehr als andere Städte, erklärt Christa Sacher, Schulamtsdirektorin des Märkischen Kreises und unter anderem zuständig für Plettenberg und Herscheid.

Während vor fünf Jahren für eine Stelle an einer Grundschule noch 30 bis 40 Bewerbungen eingingen, sind es heute nur noch maximal zwei bis drei. „Plettenberg ist als Kleinstadt nicht so bekannt, weit weg von der Autobahn und auch eine Universität ist nicht in der Nähe“, erklärt Christa Sacher. Viele Lehramtsanwärter würden bleiben wollen, wo sie studiert haben oder würden sehen, wie sie möglichst schnell zu ihrem Arbeitsplatz kommen – Plettenberg habe keine Autobahnauffahrt in unmittelbarer Nähe und sei so eben schlechter zu erreichen. „In der Regel ist es so, dass sich nur Lehramtsanwärter die aus der Region kommen, dort bewerben“, sagt Christa Sacher. Dabei sei der Märkische Kreis sehr aktiv in der Unterstützung und Begleitung der Lehrkräfte, da es zum Beispiel Arbeitskreise für neu eingestellte Lehrkräfte und Schulleitungen zum Austausch gebe, um auch außerhalb der Schulaufsicht Fragen stellen zu können.

Der generelle Lehrermangel rührt daher, dass es an den Universitäten immer weniger Absolventen gibt. Durch die Umstellung des Studiums auf das Bachelor- und Mastersystem sind weniger Lehrer auf dem Markt, da sich die Studienzeit von früher sechs Semester auf zehn Semester verlängert hat. Hinzu komme der relativ hohe Numerus clausus (NC) für das Studium. Auch hänge der Unterrichtsausfall an den Grundschulen in Nordrhein-Westfalen mit dem Mutterschutz und Krankheitsfällen zusammen. In den letzten Jahren wurden viele junge Lehrer eingestellt und davon viele Frauen, die mittlerweile schwanger geworden sind. Das Problem ist, dass in diesem Fall keine feste Stelle ausgeschrieben wird, sondern eine Vertretungsstelle, für die es schwieriger ist, jemanden zu finden. Zudem wird die Dauer der Elternzeit – und somit die Dauer der Vertretungsstelle – von den Müttern erst nach den drei Monaten Mutterschutz angegeben.

In anderen Städten käme es häufiger vor, dass Lehramtsstudenten während ihres Studiums eine Vertretungsstelle als Nebenjob annehmen. In Plettenberg sei dies schwierig, da keine Universität in der unmittelbaren Nähe sei. Die nächste Uni um Lehramt zu studieren ist in Siegen und rund 60 Kilometer entfernt. Den Einsatz von Seiteneinsteigern als Grundschullehrer hält Christa Sacher nur bedingt für zweckmäßig, um den Unterrichtsausfall zu kompensieren. Bislang seien vier Seiteneinsteiger im gesamten Märkischen Kreis eingesetzt, allerdings unbefristet. Sie müssen begleitend ein Studienseminar besuchen. Die Seiteneinsteiger können jedoch nur in den Fächern Englisch, Musik, Sport und Kunst unterrichten und müssen dieses Fach studiert haben und können daher auch nicht als Klassenlehrer eingesetzt werden.

Mit 28 Unterrichtsstunden sind diese Lehrkräfte somit an mehreren Schulen im Einsatz. Deutsch und Mathe als Grundfächer sollen nur von ausgebildeten Lehrern unterrichtet werden. Bei akutem Mangel können zudem Studenten, die kurz vor dem Abschluss stehen, befristet zur Vertretung eingesetz werden.

Eine Stelle, die in Plettenberg schon seit längerem unbesetzt ist, ist die des Rektors an der Martin-Luther-Schule mit Teilstandort im Oestertal. „Die Stelle als Schulleiter ist permanent ausgeschrieben“, sagt Christa Sacher. Im letzten Schuljahr musste daher Gertrud van Schwammen, Schulleiterin der Grundschule Holthausen, zusätzlich die kommissarische Leitung der Martin-Luther-Schule übernehmen. „Eine andere Lösung als die Abordnung eines anderen Schulleiters für die Schule gibt es nicht, solange sich niemand für die Stelle bewirbt“, erklärt die Schulamtsdirektorin.

In Plettenberg gibt es derzeit übrigens drei Schulleiter für sechs Grundschulstandorte, die zu vier Schulen zusammengefasst sind. Das sind die Martin-Luther-Schule, Hallenschule, Grundschule Holthausen und Eschen.

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