Verhandlung gegen einen Angeklagten, bei dem "alles schief gelaufen ist"

Kuriose Erklärung vor Gericht: Kokain bevorratet, um die eigene Katze für eine Operation zu betäuben

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Der 35-jährige Angeklagte gab vor Gericht an, dass Kokain nicht etwa für den Eigenkonsum erworben zu haben, sondern für sein Haustier.

Warum hatte ein 35-jähriger Plettenberger Kokain bei sich bevorratet? Um seine Katze für eine Operation zu betäuben. So zumindest lautete die Begründung des Betroffenen, der sich wegen Drogen-Besitzes an zwei Verhandlungstagen vor dem Landgericht Hagen verantworten musste.

Plettenberg – „Das ist so abstrus, dass ich nicht glaube, dass er sich das ausgedacht hat“, meinte Verteidiger Tobias Noll zur Katzengeschichte. Im Leben seines Mandanten sei „alles schlecht gelaufen, was schlecht laufen kann“ – er habe in seiner Familie von Anfang an Gewalt und mangelnde Zuneigung erlebt. 

Der Verteidiger beantragte eine siebenmonatige Bewährungsstrafe, für die die Kammer trotz der Annahme eines minderschweren Falls aber keinen Anlass sah. Der Angeklagte hatte sich in seinem letzten Wort nicht dafür empfohlen: Formvollendet erhob er sich zwar für seine Rede, aber deren Inhalt war keine entschlossene Willensbekundung, in Zukunft ohne Drogen leben zu wollen: „Sehr geehrte Richter, sehr geehrte Staatsanwaltschaft! Ja, ich würde eine Bewährungsstrafe versuchen, um auszuprobieren, wie das Leben für euch ist.“ 

Angeklagter staunt: "Mit euch Menschen kann man ja doch reden..."

Schon zuvor hatte er sich überrascht gezeigt, dass die Gerichtssituation seine Vorurteile nicht bestätige. Er staunte, „dass man mit euch Menschen doch reden kann“. Und er erklärte, dass er es wichtig finde, im Leben etwas zu erreichen. Er tat sich aber schwer mit einer Absichtserklärung, dafür auch etwas in seinem Leben zu verändern. Das galt auch für einen möglichen Drogenentzug: „Eine Therapie ist eine von anderen Menschen gewollte Zwangsjacke.“ 

Der Einzelgänger benannte eine nicht gegebene und nicht in Sicht befindliche äußere Voraussetzung für ein Ende seines Drogenkonsums: „Eine Familie ist der Anfang aller Motivation, mit den Drogen aufzuhören.“ 

Nach dem zweiten Verhandlungstag fiel das Urteil dann gestern sehr moderat aus: Die 9. große Strafkammer verurteilte ihn wegen Besitzes einer nicht geringen Menge Betäubungsmittel zu einer Haftstrafe von neun Monaten. Aus einem vorangegangenen Urteil des Amtsgerichts Plettenberg kam noch ein zehnter Monat obendrauf – aufgrund der Vorstrafen ohne Bewährung. Eine Therapie lehnten alle Prozessbeteiligten wegen Aussichtslosigkeit ab. 

Wurfsterne verschwinden plötzlich

"Der Angeklagte nimmt ein Konsumrecht für Betäubungsmittel in Anspruch“, erklärte der Vorsitzende Richter Christian Hoppe in seiner Urteilsbegründung. Deshalb sei auch weiterhin mit vergleichbaren Straftaten des 35-Jährigen zu rechnen. 

Die Anklage der Staatsanwaltschaft war noch von einem bewaffneten Handeltreiben mit einer nicht geringen Menge Betäubungsmittel ausgegangen. Doch auf dem Weg zum Urteil verschwanden sowohl drei verbotene Wurfsterne, die der Angeklagte zur Verteidigung der Ware in seiner Wohnung gelagert haben sollte, als auch das Handeltreiben, das ihm nicht nachgewiesen werden konnte. 

Er habe die 56 Gramm Marihuana und 80 Gramm Haschisch, die im März 2018 bei einer Wohnungsdurchsuchung in seinem Schlafzimmer gefunden wurden, für den Eigenkonsum gebunkert, versicherte der Angeklagte – und natürlich für die Operation seiner Katze...

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