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Für jeden Schüler ein Gerät? Streit um iPad-Ausstattung

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Von: Georg Dickopf

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Solche iPads gibt es dank einer Lions-Club-Spende unter anderem bereits an der Geschwister-Scholl-Realschule.
Solche iPads gibt es dank einer Lions-Club-Spende unter anderem bereits an der Geschwister-Scholl-Realschule. © Dickopf, Georg

Zwei Schüler sollen sich ein iPad teilen - so sieht es der Medienentwicklungsplan vor. Doch daran entzündeten sich zuletzt Kritik und Diskussionen.

Plettenberg – In der letzten Woche berichteten wir von dem 35 Millionen-Euro-Investitionspaket, das die Stadt Plettenberg in die Schullandschaft stecken will. Doch verwendet wird das Geld größtenteils in die äußere Hülle der Schullandschaft sowie die Möblierung. Ob in der neuen Holthauser Grundschule aber zukünftig eine klassische Tafel oder ein Smartboard zu finden sein wird und wie die Schüler technisch ausgestattet sein werden, das ist Bestandteil des Medienentwicklungsplans. Und der sieht in Summe noch einmal Ausgaben in Höhe von fast 4,7 Millionen Euro vor, die ab 2023 fünf Jahre lang aufgeteilt werden.

Weil es sich dabei um eine komplizierte Materie handelt, beauftragte die Stadt die Firma Dr. Garbe, Lexis & von Berlepsch – ein elfköpfiges Fachplaner-Team aus Halle/Westfalen. In der letzten Sitzung des Schul- und Kulturausschusses stellte Fachplaner Wolfgang Wirtz das an sich eher trockene Thema trotz einer Vielzahl an Zahlen und Vorgaben verständlich vor.

Laut Wirtz sei die bei den iPads verwendete Software wesentlicher stabiler als bei Windows-Geräten. Insgesamt sei die Anschaffung von 2 300 Geräten geplant. „Die Schulen hätten gerne einen Vor-Ort-Service. Das ist aber zu teuer“, verdeutlichte Wirtz.

Carsten Hellwig (FDP) kritisierte den CDU-Vorschlag zur Endgeräte-Vollausstattung an den Schulen.
Carsten Hellwig (FDP) kritisierte den CDU-Vorschlag zur Endgeräte-Vollausstattung an den Schulen. © Dickopf

Gleiches gelte für die 1:1-Ausstattung. Dazu verdeutlichte Hauptamtsleiter Matthias Steinhoff, dass bereits die geplante Ausstattung mit einem Gerät für zwei Schüler zusammen mit den Projektionsgeräten die Stadt in das Haushaltssicherungskonzept führe, wenn keine Kompensationsmaßnahmen getroffen würden. „Eine 1:1-Ausstattung ist zum jetzigen Zeitpunkt definitiv nicht möglich“, betonte Steinhoff. Die komplette 2:1-Ausstattung werde bis zum Jahr 2024 angestrebt.

ASG-Lehrer Dr. Peter Schmidtsiefer betonte in dem Zusammenhang, dass auch nicht zwingend alles digitalisiert werden müsse. Eine Dokumentation per Heft sei beispielsweise auch durchaus hilfreich. Auch ASG-Direktorin Elisabeth Minner freute sich über die 1:2-Ausstattung. Es gelte dafür allerdings noch Konzepte zu erarbeiten und es sei noch viel Vorarbeit an den Schulen zu leisten.

Die CDU sah die geplante Ausstattung, die auch Bürgermeister Ulrich Schulte befürwortete, dagegen kritisch. Kirsten Jütte und auch Peter Krieger wünschten sich „eine 1:1-Ausstattung als langfristige Ziel“, wenn es Fördermittel dafür gebe. Bürgermeister Ulrich Schule sah bei einer Vollausstattung die Gefahr, dass sich „die Eltern aus der Verantwortung herausziehen.“

Der Wunsch der Christdemokraten nach besagter Vollausstattung mit iPads brachte FDP-Fraktionschef Carsten Hellwig auf die Palme: „Ich bin überrascht. Wenn die Schulleitung sagt, dass eine 1:2-Ausstattung sinnvoll ist, weiß ich nicht, warum die Politik dagegen sein sollte. Noch dazu, wenn die Verwaltung sagt ‘Wir haben das Geld nicht dafür’“. Brennender interessierte sich Hellwig stattdessen für den zusätzlichen Personalbedarf im IT-Bereich: „Ich muss wissen, was das an Personal bindet und wieviele zusätzliche Stellen geschaffen werden müssen.“

Zusätzliches IT-Personal für rund 200 00 Euro

Wie Matthias Steinhoff betonte, verfüge man derzeit über sechs Vollzeitstellen im IT-Bereich. „Wenn davon 3,8 Stellen für die Schulen beansprucht werden, bleibt für das Rathaus nicht mehr viel übrig“, so Steinhoff. Er gehe daher von zwei zusätzlichen Stellen aus, was Kosten von rund 200 000 Euro jährlich verursache.

Sylvia Eick wollte von Wolfgang Wirtz wissen, ob die Endgeräte versichert seien und ob darauf beispielsweise Spiele-Apps heruntergeladen werden dürften.

Laut Fachplaner Wirtz werde die Stadt Plettenberg die notwendigen Apps installieren. Eine Versicherung der Geräte sei nicht geplant. Man könne aber ein sogenanntes Care-Paket abschließen, bei dem bis zu 10 Prozent der Geräte ausgetauscht werden könnten. Das gelte aber nicht für einen Fallschaden, der im Zweifel vom Verursacher selbst bezahlt werden müsse.

Laut Wirtz existiert bisher keine eindeutige Regelung, die den Schulträger verpflichtet, „Dienstgeräte“ für Lehrende anzuschaffen. Vielmehr stehe die Frage im Raum, wer denn nun verantwortlich sei: Das Land NRW als Dienstherr der Lehrenden oder die Kommune als Ausstatter der Schulen? Hier sei laut Wirtz eine eindeutige Regelung wünschenswert.

Abschließend wurde die Plettenberger Verwaltung beauftragt zu ermitteln, welche Zusatzmittel eingestellt werden müssen für technische Geräte und das erforderliche Personal.

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