Plettenberger Automobil-Zulieferer

Dura: Müssen noch 200 gehen? Weitere Entlassungen angekündigt

Plettenberg - Nächster Schock für die Belegschaft des Plettenberger Automobil-Zulieferers Dura: Zusätzlich zu den bereits 227 Gekündigten sollen 200 weitere Mitarbeiter entlassen werden.

Torsten Kasubke von der Gewerkschaft IG Metall sagte am Freitagnachmittag, dass der Dura-Betriebsrat der Konzernspitze bis Ende Februar eine Liste mit 200 Mitarbeitern vorlegen soll, die zusätzlich zu den bereits 227 Gekündigten entlassen werden sollen. 

Viele von denen gehen derzeit gerichtlich gegen die Kündigung vor. Am Donnerstag war die Frist für den Spruch der Einigungsstelle im Streit zwischen der Dura-Konzernführung und der Arbeitnehmerseite bzw. Betriebsrat und IG Metall abgelaufen.

Dura lehnt Spruch der Einigungsstelle ab 

Wie ein Sprecher des Unternehmens am Donnerstag bekannt gegeben hatte, fechtet die Geschäftsführung von Dura Automotive Plettenberg Leisten & Blenden GmbH den Spruch der Einigungsstelle vom 20. Dezember vor dem Arbeitsgericht Iserlohn an. Sie hatte vorgeschlagen, dass die 227 Entlassenen als Abfindung 0,3 Monatsgehälter pro Beschäftigungsjahr erhalten. 

Das Unternehmen lehnt den Spruch ab, „weil er unstrittige finanzielle und wirtschaftliche Fakten nicht berücksichtigt sowie Verfahrens- und Rechtsmängel aufweist“. Wie die Dura-Geschäftsführung weiter argumentiert, biete der Spruch der Einigungsstelle weder eine tragfähige Lösung für die laufenden Kündigungsschutzklagen der in 2017 gekündigten Mitarbeiter, noch Klarheit über die Zukunft des Plettenberger Werks.

Standort in Gefahr?

Die Geschäftsführung von Dura betont, „dass eine nachhaltige Zukunft für den Standort Sicherheit über die Beendigung der Arbeitsverhältnisse voraussetzt, sowie wirtschaftlich vertretbare Abfindungsregelungen für die Betroffenen. Hierfür ist die US-amerikanische Muttergesellschaft der Dura Leisten & Blenden bereit, freiwillig finanzielle Mittel für eine umfassende Lösung bereitzustellen.

Dazu gehört auch die fortgesetzte Finanzierung von Vergleichen, die bisher mit über 70 Mitarbeitern von Dura Leisten & Blenden erzielt wurden.“ Dura könne „aus eigener Kraft keine Abfindungen für die Mitarbeiter finanzieren.“ Dennoch legte man am Donnerstag ein Gegenangebot vor. Dieses „neue schriftliche Angebot“ der US-Konzernführung dürfte jedoch wenig geeignet sein, den Betriebsfrieden bei Dura wiederherzustellen. 

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Denn erstens enthält es die Forderung an den Betriebsrat, bis Ende Februar eine Liste mit 200 weiteren Mitarbeitern zu erstellen, die noch gekündigt werden sollen. Zweitens sieht es zwar die Abfindung vor, die die Einigungsstelle vorgeschlagen hatte, allerdings verbunden mit der Forderung, auf sämtliche Mitarbeiter mit laufenden Kündigungsschutzklagen einzuwirken, damit diese eingestellt werden.

Bereits neun erfolgreiche Klagen 

„Wir können, wollen und dürfen das nicht“, stellte der Betriebsratsvorsitzende Faruk Iknici am Freitag unmissverständlich klar. Aktuell laufen laut Kasubke noch rund weitere 150 Kündigungsschutzklagen, von denen die ersten neun bereits erfolgreich gewesen seien. Und das, obwohl es Mitarbeiter mit der geringsten Schutzwürdigkeit gewesen seien (ledig und kinderlos). 

Dura-Betriebsratvorsitzender Faruk Ikinci, der stellvertretende Betriebstratsvoritzende Mehmet Yaman und Torsten Kasubke, 2. Bevollmächtigter IG Metall (von links).

Entsprechend vielversprechend seien deshalb die Aussichten für die übrigen Kläger. Noch dazu sei der finanzielle Erlös zumeist deutlich höher als bei den Abfindungen mit 0,3 Monatsgehältern. „Die Mitarbeiter haben damit Anspruch auf den vollen Lohn seit der Kündigung und haben das Recht auf Wiedereinstellung – also genau das, was sich alle wünschen“, sagte Mehmet Yaman, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender. 

„Für das Unternehmen ist das eigentlich der Supergau“, bilanzierte Torsten Kasubke, der der Konzernführung zu Beginn der fast zweijährigen Verhandlungen die Gründung einer Transfergesellschaft vorgeschlagen hatte.

„Das wäre eine Win-Win-Situation für beide Seiten gewesen“, befand Kasubke, der die aktuelle Entwicklung bedauert. „Man kann es nur so deuten, dass die Konzernführung die Angelegenheit wie in den USA regeln will. Aber wir haben hier nun mal ein anderes Rechtssystem“, so Kasubke. 

Stimmung bei Dura im Keller

Während die Stimmung im Plettenberger Unternehmen nach dem Großbrand der Eloxalanlage Mitte September noch recht hoffnungsvoll gewesen sei, da von Lynn Tilton ein Wiederaufbau versprochen wurde, dürfte sie sich nach den neuesten Hiobsbotschaften im Keller befinden. 

"Bis heute“, so Faruk Ikinci, „haben wir keine feste Zusage über den Bau einer neuen Eloxalanalage in Plettenberg bekommen.“ Auch habe man keine Garantie für die 300 Arbeitsplätze, die nach der nächsten Kündigungswelle von 200 Mitarbeitern noch im Bereich Leisten & Blenden verbleiben sollen. Insofern ist der von der Konzernleitung gewünschte „Betriebsfrieden“ derzeit in weite Ferne gerückt.

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