Was die Plettenberger vor der Bundestagswahl wissen sollten

+
Unter anderem Lena Streppel und Jürgen Gaidies kümmern sich im Rathaus zurzeit um die Wahlvorbereitungen, für die das Sitzungszimmer zum Lagerraum umfunktioniert wurde.

Plettenberg - Ein Kreuzchen links, ein Kreuzchen rechts. Zusammenfalten, in die Wahlurne stecken, fertig. So einfach kann sich am kommenden Sonntag jeder Plettenberger ab 18 Jahren an der Demokratie in Deutschland beteiligen. Die Bundestagswahl steht bevor. Was muss man dabei beachten? Und wie viel Aufwand steckt eigentlich hinter der Wahl?

Jürgen Gaidies ist der Mann im Rathaus, bei dem in Sachen Bundestagswahl alle Fäden zusammen laufen. In seinem Büro fallen die fünf grauen Eimer sofort ins Auge. In ihnen stapeln sich bereits rund 4600 ausgefüllte Stimmzettel, die der Stadt per Post zugegangen sind. „Die Briefwähler waren wieder fleißig“, sagt Gaidies mit Blick auf die fünf Wahlurnen, die noch bis zum kommenden Sonntagabend verschlossen bleiben.

Sonntag, 18 Uhr – das ist der Termin, an dem sich entscheiden wird, welche Partei in Deutschland die meisten Stimmen bekommen hat. Dann wird sich auch zeigen, für wen die Plettenberger ihr Kreuzchen gemacht haben.

Sechs Wahlkreisabgeordnete stehen für die Plettenberger auf dem Wahlzettel zur Auswahl. Sie buhlen um ein Direktmandat, hoffen also, dank der Erststimmen der Wähler in den Bundestag einziehen zu können. Die Zweitstimme geht an eine Partei. Diese Liste ist deutlich länger, reicht von Angela Merkels CDU und Martin Schulz’ SPD über die Piraten, die Tierschutzpartei oder zum Beispiel die V-Partei, die sich selbst als „Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer“ bezeichnet. „Die stärkste Partei wird mit der Bildung der Regierung beauftragt“, erklärt Gaidies, der der Zweitstimme deshalb mehr Gewicht zuordnet als der Erststimme.

Sinnvoll ist es, mit Erst- und Zweitstimme die gleiche Partei zu wählen, aber Ausnahmen sind völlig legitim und kommen auch in Plettenberg öfters vor. „Es gibt da die seltsamsten Zusammenstellungen“, berichtet Jürgen Gaidies. „Erststimme FDP, Zweitstimme AfD – das passt zwar überhaupt nicht zusammen, wurde aber in Plettenberg schon so gewählt.“

Die 23 Parteien, die für Plettenberg auf der Liste stehen, sind aber längst nicht alle, die in Deutschland um Stimmen buhlen. Je nach Bundesland gibt es Unterschiede. Das bekannteste Beispiel dafür ist die CSU, die nur in Bayern gewählt werden kann und dort die Schwesternpartei CDU ersetzt.

Doch zurück nach Plettenberg. Hier sind am Sonntag rund 230 Wahlhelfer im Einsatz, die die Bürger in den Wahllokalen empfangen werden. Jeder von ihnen bekommt für seinen Einsatz ein sogenanntes „Erfrischungsgeld“ in Höhe von 40 Euro plus möglicherweise die ein oder andere Spende, die im Wahllokal hinterlassen wird. „Wir sind ständig auf der Suche nach Wahlhelfern“, sagt Gaidies und wirbt schon jetzt dafür, dass sich gerade auch Jugendliche für die nächste Wahl – die Europawahl im Juni 2019 – melden können.

Wenn die Wahlhelfer am kommenden Sonntag ab 8 Uhr ihren Dienst verrichten, dann ist alles schon bestens vorbereitet. Dafür sorgen Jürgen Gaidies und seine Mitstreiter aus dem Rathaus. im Sitzungszimmer 002, normalerweise ein Ort für Tagungen, stehen zahlreiche Kisten in Reih’ und Glied. Darin: Alles, was die Wahlhelfer benötigen – von den Stimmzetteln, über Rechtsgrundlagen und dem Wählerverzeichnis bis hin zu Heftzwecken und Kugelschreibern. Ebenso wie diese Kisten müssen auch die Wahlurnen und die Wahlkabinen noch zu den Wahllokalen gebracht werden – der Bauhof übernimmt diese Arbeit. Im Rathaus kümmern sich Gaidies und Co. derweil um das Organisatorische. Die Fahrten müssen geplant, die Erfrischungsgelder zugeordnet und abgezählt werden und Urkunden von der Bundesregierung, die erstmals verteilt werden, müssen beschriftet werden. Viel Arbeit, für die auch die Auszubildenden und Hilfskräfte eingespannt werden. Und trotzdem leisten die Hauptamtler im Schnitt rund 60 Überstunden pro Wahl.

Ausgezählt werden die Stimmen am Sonntag ab 18 Uhr. Wer die Ergebnisse von Zuhause aus live verfolgen möchte, klickt sich am besten online auf unsere Internetseite www.come-on.de, wo das Geschehen per Liveticker und mit anschaulichen Grafiken präsentiert wird. Jürgen Gaidies kann sich dann noch lange nicht zurücklehnen. Er und seine Kollegen müssen dann die Briefwahlstimmen auszählen und am Montag und Dienstag muss wieder aufgeräumt werden. Erst danach dürfte es für den Wahlorganisator wieder ein bisschen ruhiger werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare