Junge Mitglieder fehlen: Sterbekassen droht der langsame Tod

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Der Vorstand der Holthauser Nachbarhilfe wurde wiedergewählt – Alternativen dazu gab es allerdings auch kaum, fanden doch nur sechs weitere Mitglieder den Weg zur Generalversammlung.

Helmut Vogel, Vorsitzender des Deutschen Sterbekassenverbandes, mutmaßte jüngst, dass von den zurzeit 750 Sterbekassen in 10 Jahren nur noch zwanzig bis dreißig übrig geblieben sein werden. Nach seiner Ansicht werden Kassen mit weniger als 10 000 Mitgliedern nicht überlebensfähig sein.

Unter dem Eindruck dieser schlechten Neuigkeiten versammelten sich jetzt die Oestertaler Begräbniskasse und die Nachbarhilfe Holthausen. Denn die Probleme, die fast jede Sterbekasse in Deutschland betreffen, beschäftigen auch die Plettenberger Vereine. Denn finanzielle Probleme entstehen, wenn keine neuen Mitglieder hinzukommen, aber dennoch im Sterbefall der Auszahlungsbetrag fällig wird und die verfügbaren und angelegten Beträge durch die Null-Zins-Politik keinen Ausgleich bringen.

Hinzu kommen personelle Probleme – und die haben eigentlich alle Vereine, der eine mehr, der andere weniger. Durch fehlendes Interesse passiert es immer häufiger, dass die „alte Besetzung“ sich von Wahl zu Wahl den Ruf „Wiederwahl“ anhören muss.

Also altert der Vorstand im Laufe der Jahre zwangsläufig, weil er den Verein nicht „vor die Wand“ fahren will. Unterstützung von Jüngeren sucht man vergebens. Diese beiden Faktoren lassen die Begräbniskassen immer weiter schrumpfen.

Deutlich wurde dies unter anderem bei der Versammlung der Oestertaler Begräbniskasse: Dieter Kober, 1. Vorsitzender, bedauerte, dass außer dem Vorstand nur zwei Mitglieder zur Versammlung erschienen waren. Dennoch mussten Entscheidungen getroffen werden: Im Rahmen des Treffens im Haus Heidrich wurde beschlossen, dass auf Grund des derzeitig noch positiven Kassenbestandes zunächst alles beim Alten belassen werden soll.

Vor allem die Ereignisse rund um die Freie Hilfskasse Gemeinnutz Werdohl beschäftigten die Holthauser Nachbarhilfe (siehe Info-Kasten). Gemeinsam entschieden die Holthauser, dass zunächst das alle 5 Jahre erforderliche Gutachten eines unabhängigen Unternehmens abgewartet werden soll. In diesem Gutachten wird das Kapital des Vereins zu den eingetragenen Mitgliedern ins Verhältnis gesetzt und daraus die Beiträge und der im Sterbefall auszuzahlende Betrag errechnet.

Das Eintrittsdatum und die eingezahlten Beiträge werden beim Auszahlungsbetrag mit einbezogen. Die Bezirksregierung in Arnsberg prüft anschließend das Gutachten und muss diesem zustimmen.

Die Holthauser wollen das nächste Gutachten abwarten und im kommenden Jahr mit ihren Mitgliedern eine Entscheidung treffen. Die könnte dann lauten, dass der Verein weiter wie bisher arbeiten, oder dass die Mitglieder und das Kapital einem größeren Verein zugeführt werden. Möglich wäre dann auch eine Auflösung des Vereins.

Doch selbst wenn es bei der Holthauser Nachbarhilfe weitergehen sollte – das personelle Problem ist damit noch nicht gelöst.

Der Holthauser Vorstand hat jedoch im Rahmen der 89. Generalversammlung der Wiederwahl für die kommenden 2 Jahre zugestimmt: 1. Vorsitzender Peter Schweighöfer, 2. Vorsitzende Bärbel Miß, Kassiererin und Schriftführerin Elke Figge. Kassenprüfer sind Karl-Heinz Wiesenhütter, Lisa Schweighöfer-Rohlender und Volker Crummenerl. Beisitzer sind Michael Runig und Hans-Jörg Litschel.

In Holthausen kamen außer dem Vorstand immerhin noch 6 Mitglieder zur Versammlung in das SGV-Heim an der Elsewiese. Der Vorsitzende Peter Schweighöfer hofft, bei der Generalversammlung im nächsten Jahr auf eine größere Beteiligung – denn den Sterbekassen droht andernfalls der langsame Tod.

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