Apotheker in Plettenberg hat Bedenken

Apotheker skeptisch gegenüber Selbsttests: „Was machen die Leute, wenn der Test positiv ist?“ 

Noch werden die Corona-Schnelltests nur von Fachkräften durchgeführt.
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Noch werden die Corona-Schnelltests nur von Fachkräften durchgeführt, aber wenn es nach den Plänen des Gesundheitsministers geht, soll sich schon bald flächendeckend jeder selber testen

Mehr Sicherheit und mehr Freiheit sollen sie bringen – die Corona-Schnelltests, die auch Laien daheim machen können. Selbst im Discounter soll man sie kaufen können. Apotheker Jörg Düerkop steht dem skeptisch gegenüber.

Plettenberg – Noch gibt es die Schnelltests für zu Hause nicht zu kaufen. Das gilt nicht nur für Discounter-Märkte, sondern auch für Apotheken. Sie seien weder erhältlich, noch würden sie von den Kunden schon vermehrt nachgefragt, sagt Jörg Düerkop, Inhaber der Wieden-Apotheke. „Die Zulassung ist ja gerade erst erfolgt und sie müssen erst einmal ausgeliefert werden.“

Die Organisation der Auslieferung unter anderem an Apotheken erinnert Düerkop in negativer Weise an die Ausgabe der Gratis-FFP2-Masken im Dezember, als jede Apotheke für sich auf dem Markt tätig werden musste, um ausreichend Masken zu ordern.

„Die Organisation bei den Schnelltests hat Spahn [der Gesundheitsminister] wieder den Apothekern überlassen, sprich er hat gar nichts gemacht“, sagt Düerkop. Auch wie die Vergütung geregelt wird, ob die Abgabe kostenlos erfolge oder nicht, sei noch unklar. „Das steht alles noch in den Sternen.“

Von der Verfügbarkeit derTests und der Organisation abgesehen, hat der Apotheker auch allgemeine Bedenken bei der Thematik. „Ich sehe diese ganze Geschichte skeptisch. Das Problem ist folgendes: Wenn der Test negativ ist, kann man sich treffen, aber was machen die Leute, wenn er positiv ist?“ Es werde von niemandem kontrolliert, dass nach einem positiven Schnelltest auch ein PCR-Test gemacht wird. Die Verantwortung liege also bei Selbsttestern. Und Düerkop hat gewisse Zweifel, ob sich auch alle beim Gesundheitsamt melden würden, wenn ihr Schnelltest positiv ausfällt.

Dass die Corona-Schnelltests selbst in Discountern verkauft werden sollen, wie von Spahn angekündigt, sieht Düerkop ebenfalls skeptisch. Ein bisschen Druck werde möglicherweise von den Apotheken genommen, wenn die Tests auch in Discountern und Supermärkten angeboten werden, aber er sieht klare Nachteile.

„Hier in der Apotheke können wir darauf hinweisen, was die Leute zu tun haben,wenn der Test positiv ausfällt“, sagt er. „Im Discounter wird nicht darüber gesprochen. Die Kunden schnappen es sich, packen es in den Einkaufswagen und zahlen.“

Hinzu komme das Problem der Handhabung. Und um was für Tests es sich bei den zugelassenen Schnelltests handelt – ob ein Spucktest oder ein Abstrich von Nase, Rachen oder Wange gemacht wird – wisse auch er noch nicht. „Um zu wissen, wie sie funktionieren, müsste man erstmal einen in der Hand haben.“ 

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