Diagnose per Handy?

Was kann die Gesundheits-App "Ada"? - Das sagen die Ärzte

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Die App stellt viele Fragen, um die mögliche Diagnose besser eingrenzen zu können.

Plettenberg – „Hallo, ich bin hier, um zu helfen. Um wen geht es? Um dich oder jemand anderen?“ steht auf dem Display kurz nach der Konfiguration der Ada-App, die via Smartphone Symptome erkennen und Patienten direkt im eigenen Heim beraten will – wie bei einem Arztbesuch. Kann eine App einen Arztbesuch ersetzen? Wir haben uns bei Medizinern umgehört.

Warum wurde Ada entwickelt?

Der Ärztemangel in Deutschland ist schon lange ein großes Problem. Ein Berliner Unternehmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, die App „Ada health“ zu entwickeln, einen sogenannten Symptom-Finder, der die heimischen Mediziner entlasten soll. Die App soll dabei helfen, dass nur in akuten Fällen ein Arzt aufgesucht wird, damit werben die Entwickler.

Wie funktioniert die Ada-App? 

In der App-Beschreibung wird Ada als Gesundheitshelferin bezeichnet, die gemeinsam mit Ärzten und künstlicher Intelligenz entwickelt wurde. Der Patient gibt eigene Daten zu sich selbst an und beschreibt seine Symptome. Die App stellt viele Fragen, um schließlich mögliche Diagnosen einzugrenzen. Anschließend bietet sie umfangreiche Beratungen zu den Diagnosen, die in Frage kommen an, rät aber meistens am Ende trotzdem zu einem Arztbesuch.

Was sagt Dr. Kallweit zu Ada? 

Wir haben uns bei zwei heimischen Medizinern umgehört, ob solch eine App wirklich dabei helfen kann, die Arztpraxen zu leeren und die Ärzte dadurch etwas zu entlasten. Dr. Harald Kallweit kennt die App nicht: „Ich gehöre ja nun schon zur älteren Generation aber ich kann aus meiner Erfahrung sagen, dass ich damals am Anfang meiner Tätigkeit sehr lange dafür gebraucht habe, Menschen von Gesicht zu Gesicht zu untersuchen und dann eine Diagnose zu erstellen. So etwas braucht einfach seine Zeit und gewisse Erfahrung und deshalb finde ich es sehr fraglich, ob eine App Körper, Geist und Seele digital beurteilen kann“, so Dr. Kallweit.

Die Meinung von Dr. König zur App 

Ähnlich sieht es Allgemeinmediziner Dr. Olaf König, der den Grund für die Entwicklung der App sehr gut nachvollziehen kann. „Wir haben nun mal immer weniger Ärzte und dass man sich jetzt Alternativen überlegt, ist ja grundsätzlich gut“, erklärt der Mediziner. 

Er selbst kenne die „Ada“-App noch nicht, sie aber als Hilfsmittel zu nutzen, finde er nicht grundsätzlich falsch. „Sicherlich kann die App dabei helfen, gesundheitlich etwas aufzuklären. Meiner Meinung nach sollte dieses aber in Deutschland doch in erster Linie Aufgabe der Schulen und der Eltern sein. Uns fehlt es nämlich in der Gesellschaft an gesundheitlicher Aufklärung – das ist ganz klar“, weiß Dr. König. Die App möchte er allgemein nicht bewerten, weil er sich – wie sein Kollege Dr. Kallweit – noch nicht damit beschäftigt habe, aber generell offen für die digitalen Medien sei. 

Dennoch warnt er vor Fehldiagnosen, die häufig gestellt würden, wenn Personen bestimmte Symptome im Netz recherchieren würden, wovon er generell abraten würde. „Da hat man Schmerzen und ruck-zuck erzählt das Netz etwas von Krebs“, weiß der Arzt, dass man aufgrund von akuten Beschwerden besser einen Arzt aufsuchen sollte. Generell weiß er auch, dass es nicht einfach sei, Ferndiagnosen zu stellen, ohne den Patienten zu sehen. „Wenn ich schon mal Patienten am Telefon habe, packe ich meistens am Ende des Tages meinen Koffer und fahre zum Hausbesuch – weil ich einfach sichergehen möchte und es vor Ort besser beurteilen kann“, so der Arzt.

Kann die App den Arztbesuch ersetzen? 

Die Mediziner sind sich einig, dass eine App sicherlich nicht den Arztbesuch ersetzen sollte – und könnte. Dennoch ist sie ein Hilfsmittel, um sich über bestimmte Krankheiten zu informieren.

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