Ehrenamt in der Pandemie

Zwangspause für einen Tausendsassa: Uwe Meister muss wegen Corona viele seiner Hobbies ruhen lassen

 Engagiert zeigt sich Meister auch als Natur- und Tierfreund
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Engagiert zeigt sich Meister auch als Natur- und Tierfreund.

Uwe Meister ist ein Mann voller Tatendrang. Normalerweise ist er fast jeden Abend nach der Arbeit unterwegs – mal als Politiker, mal als Fußballfunktionär, mal als Schütze, mal als Tierschützer oder auch als Kunstförderer. Längst sind die Tage aber auch für Uwe Meister ruhiger geworden.

Plettenberg – Die Corona-Pandemie hat das Vereinsleben ausgebremst und damit auch einem Tausendsassa wie Uwe Meister einen neuen Alltag beschert. Sebastian Schulz sprach mit ihm im Interview über diese Veränderungen.

Herr Meister, wie fühlt es sich für Sie an, so viel Freizeit zu haben?

Es ist mir anfangs schon schwer gefallen, vor allem war es komisch. Irgendwo musste ich nach der Arbeit oder an den Wochenenden eigentlich immer hin – sei es montags zu Fraktionssitzungen, dienstags zu Besuchen des Werkstatt-Stipendiaten, donnerstags ins SCP-Vereinsheim, samstags auf Feiern mit den Sundheller Thronmitgliedern, sonntags erst zum Schießen auf der Sundhelle und nachmittags auf den Fußballplatz. Ich habe mich zu Beginn der Corona--Pandemie oft dabei erwischt, wie ich auf die Uhr geschaut habe und gedacht habe: Eigentlich müsstest du jetzt gerade hier oder dort sein. Das war ein komisches Gefühl.

Haben Sie sich inzwischen an dieses Gefühl gewöhnt?

Es ist jetzt nicht so, dass ich in Depressionen verfallen wäre. Ich bin auch gerne zu Hause. Ich habe die Zeit anders genutzt – vor allem mit meiner Frau und meinen beiden Söhnen.

Wie zum Beispiel?

Unsere Söhne konnten ja durch Corona auch nicht weg, dann haben wir eben samstags Risiko [ein Gesellschaftsspiel] gespielt oder gekniffelt. Oder am geplanten Termin für den Sundheller Weihnachtsmarkt haben meine Frau und ich uns mit Kerzen und Glühwein auf den Balkon gesetzt und gesagt: „Das ist unser kleiner Weihnachtsmarkt.“ Und wir sind in letzter Zeit sehr viel spazieren gegangen.

Sind Sie ein Spaziergänger-Typ?

Eigentlich nicht. Wir haben uns den Rucksack gepackt, diverse Getränke mitgenommen und es war wirklich toll. Ich habe die nähere Umgebung noch besser kennengelernt und muss sagen: Da merkt man erst mal, wie schön wir hier in Plettenberg eigentlich wohnen.

Als Mitglied der Sundheller Schützen freute sich Uwe Meister 2016 über den Königsschuss.

Wie hat sich die Corona-Pandemie bisher auf die Vereine ausgewirkt, in denen Sie aktiv sind?

Man hat schon Bedenken, ob alles wie vor der Pandemie aufrechterhalten werden kann. Beispiel SC Plettenberg: Die Bewirtung und Vermietung im Vereinsheim ist komplett weggebrochen. Man fragt sich: Wie geht es finanziell im Verein weiter oder was ist mit den Spielern? Kommen sie wieder oder haben sie sich vielleicht so sehr an die freien Sonntage gewöhnt, dass sie keine Lust mehr auf Fußball haben? Auch im Stadtsportverband habe ich mitbekommen, dass viele Vereine Abmeldungen bekommen. Es sind eben viele nicht deshalb in einem Verein, weil sie den Verein so toll finden, sondern wegen des Sports, der ja nun nicht mehr stattfinden kann.

Wie stellt sich die Vereinsarbeit derzeit für Sie dar?

Es gibt noch immer viel zu tun. Beim SC Plettenberg planen wir zum Beispiel die weitere Renovierung der Vereinsanlagen und holen Angebote ein. Bei der Werkstatt dagegen arbeiten wir zurzeit an einer neuen Internetseite und planen eine Kunstaktion im öffentlichen Raum. Man muss da immer am Ball bleiben, um gestärkt aus der Krise zu kommen.

Wie stehen Sie mit den Vereins- oder Politikerkollegen derzeit in Kontakt?

Die politischen Sitzungen finden ja in den meisten Fällen weiterhin unter Schutzmaßnahmen statt. Das meiste andere läuft über Anrufe oder Whatsapp. Ich bin jetzt in unendlich vielen WhatsApp-Gruppen (lacht). So ist der Kontakt geblieben.

Fehlen Ihnen die persönlichen Begegnungen?

Ja. Ich sehe meinem Gegenüber im Gespräch gerne in die Augen sieht, ganz nach alter Hacke. Aber es geht im Moment nicht anders, wir haben auch Zuhause so gut wie keine direkten Kontakte mehr, weil ich selber Angst davor habe, mich infizieren zu können – nicht nur wegen meiner 80-jährigen Mutter. Ich habe von Leuten in meinem Bekanntenkreis gehört, die richtig schlecht dran waren und auch noch mit Spätfolgen zu kämpfen haben. Daher sind wir sehr zurückhaltend.

Wenn die Corona-Pandemie überstanden ist, geht es dann für Sie weiter wie zuvor oder haben Sie sich schon an die viele Freizeit gewöhnt?

Wenn ich morgen aufwachen würde und Corona wäre nur ein böser Traum gewesen, dann könnte ich sofort wieder umschalten und wäre wieder auf dem Schießstand oder auf dem Sportplatz. Die Vereinsarbeit würde weitergehen; die Aufgaben sind ja nicht weniger geworden. Und der Spaß daran, mitzuhelfen und Dinge nach vorne zu bringen, ist auch durch Corona nicht verloren gegangen.

Steckbrief

Uwe Meister ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern, 21 und 25 Jahre alt. Er arbeitet als Werkzeugmacher in Vollzeit und engagiert sich abends und in seiner Freizeit in der Politik und für diverse Vereine. Für die CDU ist er Mitglied im Stadtrat, im Planungs- und Umweltausschuss sowie im Sport- und Bildungsausschuss, zudem vertritt er die Partei in den Gesellschafterversammlungen des Aquamagis, der Kultour GmbH und in der Verbandsversammlung des Zweckverbandes für Abfallbeseitigung. Hinzu kommen Vereinsaktivitäten als 2. Vorsitzender beim SC Plettenberg, als Biergerichtsmitglied, Offizier, Sportschütze, Altmajestät und Thronmitglied bei den Sundheller Schützen, als Kassierer der Werkstatt Plettenberg, als Mitglied und einer der Ansprechpartner für den Förderverein des SC Plettenberg und als Mitglied im Vorstand des Stadtsportverbandes. Außerdem ist Uwe Meister Gründer der Initiative „Plettenberg brummt“, die sich gemeinsam mit dem Tierschutzverein für Tierschutz in der Region einsetzt und zum Beispiel eine Liebesbaum-Aktion in Holthausen und am Fahrradweg nahe der Firma Junior initiiert hat.

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