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Zu wenige, dafür aber viele junge Zahnärzte in Plettenberg

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Von: Johannes Opfermann

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Die meisten Plettenberger besuchen Zahnärzte in der Vier-Täler-Stadt. 82 Prozent der Patientenkontakte finden laut KZVWL innerhalb Plettenbergs statt.	Foto: dpa/Benjamin NOLTE
Die meisten Plettenberger besuchen Zahnärzte in der Vier-Täler-Stadt. 82 Prozent der Patientenkontakte finden laut KZVWL innerhalb Plettenbergs statt. (Symbolbild) © dpa

In der zahnärztlichen Versorgung ergibt sich für die Vier-Täler-Stadt ein gemischtes Bild. Zwar ist der Versorgungsgrad leicht unterdurchschnittlich, doch positiv ist der niedrigere Altersschnitt der in Plettenberg tätigen Zahnärzte.

Plettenberg – Dieses Bild zeichnete Tim Haverkock von der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KZVWL) bei einem Vortrag im Sozial- und Gesundheitsausschuss am vergangenen Mittwoch. Er ging zunächst auf Unterschiede zwischen der haus- und fachärztlichen Versorgung auf der einen und der zahnärztlichen auf der anderen Seite ein. Die Beziehung zwischen Arzt und Patient sei von großem Vertrauen geprägt – ähnlich wie bei einem Hausarzt – und bestehe oft über viele Jahre. Allerdings ist die Zahl der Arzt-Patienten-Kontakte wesentlich geringer. Zahnärzte kommen auf 1,7 Patienten-Kontakte im Jahr, Hausärzte auf 15 bis 17.

Die Leistungen und Kontrolltermine seien besser planbar und die Patienten – anders als bei anderen Arztbesuchen aufgrund von Krankheitssymptomen oder Notfällen – meist reisefähig und gesund. Viele Patienten suchten zudem Zahnärzte in anderen Kommunen als dem eigenen Wohnort auf.

All das schlage sich in einer anderen Bedarfsplanung nieder. „Man kann nicht so kleinteilig planen wie im Hausärztebereich“, erläuterte Haverkock, zu dessen Aufgabenbereich die flächendeckende zahnärztliche Versorgung zählt. Den Bedarf erfasse man auf Kreisebene, um so die Bewegungen der Patienten insgesamt zu sehen. Im Zahnärztebereich gebe es zudem eine Niederlassungsfreiheit und keine Sperrung von Regionen für weitere Niederlassungen, anders als bei Haus- und Fachärzten. Die Niederlassungsfreiheit sei ein hohes Gut und habe sich bewährt, so Haverkock auf Nachfrage. Zwar wollten viele Berufseinsteiger zunächst in Studienorten wie Münster bleiben, doch langfristig gesehen verteilten auch sie sich in die Fläche.

Die Versorgung ist in ganz Westfalen-Lippe sehr gut, liegt laut KZVWL bei 100,24 Prozent, für den Märkischen Kreis beträgt sie 97,93 Prozent. Die lokalen Versorgungsgrade – sie sind für die Bedarfsplanung irrelevant – würden dagegen fiktiv hochgerechnet. Hier gibt es im Kreis große Unterschiede. So beträgt sie in Menden 122,07 Prozent, in Nachrodt-Wiblingwerde nur 30,30. Aber auch hier müsse man betrachten, wie die Patientenbewegungen in größere Nachbarstädte wie Hagen und Iserlohn seien. Plettenberg liegt mit 67,31 Prozent im Mittelfeld. „Das ist nicht dramatisch, man sollte das aber im Auge behalten“, so Haverkock.

Durchschnittsalter von 47 Jahren

Erfreulich aus seiner Sicht ist die Altersstruktur. Im MK seien die Zahnärzte mit durchschnittlich 53,76 Jahren älter als in Westfalen-Lippe als Ganzes (51,42 Jahre). In Plettenberg ist das Durchschnittsalter mit 47,62 Jahren deutlich niedriger. „Mit 47 Jahren im Schnitt sind wir ganz gut“, erklärte Haverkock.

In der Vier-Täler-Stadt gibt es sieben Praxen – die Zweigstelle einer Praxis mit Hauptsitz in Attendorn wird hierbei nicht mitgerechnet – und 13 Zahnärztinnen und -ärzte. Davon sind acht Praxisinhaber, fünf sind angestellt. Mit 23 Prozent fällt der Frauenanteil allerdings – entgegen dem Trend einer weiblicher werdenden Zahnärzteschaft – in Plettenberg wesentlich geringer aus als im Kreis (31) oder Westfalen-Lippe insgesamt (39 Prozent).

Haverkock stellte außerdem fest, dass Plettenberg relativ autark versorgt sei, denn 82 Prozent der Patienten-Kontakte – jeder einzelne Arztbesuch wird hier gewertet – finden innerhalb der Vier-Täler-Stadt statt, sprich die Bürger gehen in die Praxen vor Ort. Drei Prozent der Patienten-Kontakte sind mit Ärzten in Werdohl, fünf bei Zahnmedizinern außerhalb des MK. Die übrigen zehn Prozent verteilen sich auf andere MK-Kommunen. Dafür kommen umso mehr Patienten von außerhalb zu den Praxen in Plettenberg. 27 Prozent der Herscheider Patienten-Kontakte entfallen auf Plettenberger Praxen, ebenso fünf Prozent der Neuenrader und drei Prozent der Werdohler Patienten-Kontakte.

Unterstützung von Berufseinstieg bis Praxisübergabe

Um die Möglichkeiten der zahnärztlichen Versorgung zu verbessern, hat die KZVWL ein umfangreiches Maßnahmenpaket, mit dem sie Zahnärzte vom Berufsstart an unterstützt. So würden in Zusammenarbeit mit den Universitäten in Münster und Witten Studierende zu Famulaturen bevorzugt in Praxen im ländlichen Raum vermittelt, darunter auch zwei in Plettenberg, so Haverkock.

Auf Nachfrage erklärte er, dass der Nachwuchs durchaus vorhanden sei, auch wenn viele Berufseinsteiger zunächst halbtags statt vollzeit arbeiten wollten, als angestellte Zahnärzte oder indem eine Zulassung geteilt werde. Dennoch habe man die Hoffnung, die angehenden Zahnärzte langfristig vollzeit in die Versorgung zu bekommen. Es zeige sich hier auch in diesem Punkt, dass die Ärzteschaft weiblicher werde und die Berufstätigkeit mit der Familienplanung unter einen Hut bringen müsse, was aber auch für junge männliche Kollegen gelte, so Haverkock.

Auch am Berufsende würden Zahnärzte beraten, damit eine Übergabe gelingt und die Praxen erhalten bleiben. Dazu befindet sich eine Praxisbörse im Aufbau, in der abgebende Zahnärzte ihre Praxen einstellen und so mit jüngere Kollegen, die an einer Übernahme interessiert sind zusammenzubringen. Dieses Portal soll voraussichtlich im Frühjahr 2022 an den Start gehen.

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