Bürgermeister würdigt Verdienste

Wo die Nadeln glühen: Ehrenmedaille für Nähgruppe Plettenberg

Bürgermeister Ulrich Schulte überreichte die Ehrenmedaille der Stadt Plettenberg an die Theater-Nähgruppe (von links nach rechts): Barbara Horstmann, Hannelore Wabnegg, Helga Lösenbeck-Schulte, Betty Pilsner und Ulla Hester.
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Bürgermeister Ulrich Schulte überreichte die Ehrenmedaille der Stadt Plettenberg an die Theater-Nähgruppe (von links nach rechts): Barbara Horstmann, Hannelore Wabnegg, Helga Lösenbeck-Schulte, Betty Pilsner und Ulla Hester.

Sie waren maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Feier zum 600-jährigen Stadtjubiläum ein voller Erfolg wurde, denn über 300 Plettenberger trugen bei der damaligen Theaterzeitreise Gewänder und Kostüme aus dem Mittelalter und der Neuzeit. Nun bekam die Theater-Nahgruppe Plettenberg mit der Verleihung der Ehrenmedaille 25 Jahre nach ihrer Gründung eine Würdigung ihrer Verdienste.

Plettenberg – Bürgermeister Ulrich Schulte wollte die Auszeichnung bereits beim Neujahrsempfang im Januar im großen Rahmen verleihen, doch nachdem die Großveranstaltung coronabedingt ausfallen musste, holte er die Ehrung nun im Rathaus nach. Doch das Stadtoberhaupt kam nicht nur mit der Ehrenmedaille und der Verleihungsurkunde, sondern auch mit einem prall bebilderten Fotobuch von der Theaterzeitreise. Und so reisten die erschienen Nähfrauen noch einmal gemeinsam zurück in das Stadtjubiläums-Jahr 1997 und entdeckten prompt jede Menge Akteure, die die von ihnen genähten Kostüme trugen.

Ulrich Schulte selbst mimte damals gemeinsam mit seiner Frau ein Bürgerpaar im 30-jährigen Krieg. „Da hatte ich noch Haare“, schmunzelte der Bürgermeister beim Betrachten der Bilder.

Die ein Jahr vor dem Stadtjubiläum gegründete Theater-Nähgruppe hatte akribisch auf diesen Tag hingearbeitet und zählte in dieser Zeit über 30 Frauen, die sich im Keller der Zeppelinschule trafen.

„Wir haben alles verarbeitet, was uns an Stoffen gespendet wurde“, erinnerte sich Ulla Hester. Und so habe Fritz Sperber auch verwundert geschaut, als er seine zu einem Kostüm vernähte Gardine bei einem Teilnehmer sah. Als Vorlage für die Kostüme, die teilweise auch aus gefärbter Bettwäsche entstanden, dienten Bilder zeitgenössischer Kleidung aus eigens beschafften Büchern und Vorlagen.

Nach dem fulminanten Stadtjubiläum, das im Juni 1997 bei bestem Wetter gefeiert wurde, stellten die Nähfrauen die Arbeit nicht ein, sondern statteten diverse Festivitäten wie den Luther-Tag oder auch das Dorfjubiläum in Altenaffeln mit den entsprechenden Kostümen aus. Und auch die Gewänder der Heiligen Drei Könige, die als Sternsinger durch die Plettenberger Straßen ziehen, wurden fast allesamt von der Nähgruppe angefertigt.

„Wir haben viele Kostüme gegen geringes Entgelt verliehen und mit dem eingenommenen Geld haben wir Stoffe gekauft“, erzählte Betty Pilsner. Zwischenzeitlich hatte man rund 1 000 Kostüme und 3 000 Einzelteile. Sehr häufig spendeten die Nähfrauen auch das erwirtschaftete Geld und auch das „Flachgeschenk“ zur Verleihung der Ehrenmedaille gaben die ehrenamtlich tätigen Frauen weiter und verteilten es auf die drei Plettenberger Seniorenheime.

„Wir waren kein Verein, sondern nur eine Gruppe aus Frauen und wir haben uns immer verstanden“, sagt Ulla Hester. Unschön verlief das Ende der Nähgruppe, denn ein Wasserschaden im Keller der Zeppelinschule zerstörte im letzten Jahr viele Kostüme und bewog die Gruppe, sich 24 Jahre nach ihrer Gründung aufzulösen. Die noch brauchbaren Kostüme gingen an die Katholische Frauengemeinschaft und an die Kultur GmbH.

Möglicherweise wird man einige davon bei passender Gelegenheit wieder bewundern können. Den fleißigen und nun auch ausgezeichneten Nähfrauen wäre es zu wünschen.

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