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Weltkrebstag: Erkrankung immer noch ein Tabuthema

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Von: Johannes Opfermann

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Die Frauenselbsthilfe Krebs arbeitet nach dem Motto „auffangen, informieren, begleiten“. Doris Schauer (von links), Marion Schneider und Gabriele Schweiger bilden den Vorstand der Plettenberger Gruppe.
Die Frauenselbsthilfe Krebs arbeitet nach dem Motto „auffangen, informieren, begleiten“. Doris Schauer (von links), Marion Schneider und Gabriele Schweiger bilden den Vorstand der Plettenberger Gruppe. © Schneider

Im Jahr 2000 wurde der Weltkrebstag ins Leben gerufen, um das Thema Krebs stärker ins Bewusstsein zu rücken. Noch wesentlich länger – mehr als vier Jahrzehnte nämlich – ist die Frauenselbsthilfe Krebs in Plettenberg aktiv, um beim Umgang mit der Krankheit zu unterstützen und vor allem Mut zu machen.

Plettenberg – „Krebs ist immer noch ein Tabuthema. Wenn wir mit dem Stand in der Stadt stehen, merken wir, dass die Leute oft einen Bogen um uns machen“, erklärt Marion Schneider vom Vorstand der Plettenberger Gruppe der Frauenselbsthilfe Krebs. Es sei aber wichtig, öffentlich über dieses Thema zu sprechen. Das tut die Plettenberger Selbsthilfegruppe, die sich – wie der Bundesverband auch – als „mutig, bunt und aktiv“ bezeichnet, nun seit mehr als 40 Jahren. „Wir arbeiten nach dem Motto auffangen, informieren, begleiten“, so Schneider.

Ängste nehmen und Hoffnung geben

Bei den Treffen der Gruppe, die einmal im Monat stattfinden, können sich neu von Krebs betroffene Personen sowie Angehörige über die Krankheit aussprechen. Die Teilnehmerinnen, die schon länger in der Gruppe aktiv sind, teilen dabei auch ihre eigenen Erfahrungen, um Ängste abzubauen.

„Wir sind alle Gleichbetroffene und stellen uns selbst mit unserer Erkrankung vor“, erklärt Schneider. Wie sie sich selbst gefühlt haben, während sie Krebs durchgemacht haben, wie schlecht es ihnen in der Chemotherapie ging – davon berichten sie denen, die erst damit begonnen haben, sich mit der Krankheit auseinanderzusetzen.

Viele Teilnehmer der Gruppe sind bereits älter, es sind zum Teil 20 Jahre und mehr vergangen, seit sie an Krebs erkrankt sind und diesen besiegt haben. Auch das sei eine wichtige Botschaft gerade für neu Betroffene. Es tue den Leuten gut zu sehen, dass man trotz Krebs gut weiterleben könne, dass die Therapien Wirkung zeigten, so Schneider. Auch Angehörigen würden die Erfahrungsberichte über die eigene Krebserkrankungen helfen.

„Wenn man Krebs hört, fällt man erst einmal in ein Loch, denkt an den Tod“, erklärt sie. „Früher führte Krebs häufig zum Tod, das ist heute nicht mehr so.“ Es gebe nur noch wenige Krebsarten, die zum Tod führten. In der Frauenselbsthilfe Krebs gehe es vor allem um Brustkrebs und der sei inzwischen sehr gut heilbar. „Unser Ziel ist es, in dieser schwierigen Zeit zu vermitteln, dass Hoffnung und Zuversicht erlaubt sind. Wir begleiten Betroffene dabei.“

Trotzdem bleibe auch nach einer überstandenen Krebserkrankung die Angst, dass er zurückkommt, berichtet Marion Schneider: „Ich habe auch noch nach 20 Jahren Angst, wenn ich zum Arzt gehe – das bleibt auch.“ Der Austausch in der Selbsthilfegruppe soll dabei helfen, mit diesen Ängsten umzugehen und sich gegenseitig aufzufangen.

Der Erfahrungsaustausch in den Gruppentreffen umfasst auch, welche Ärzte Betroffene aufsuchen können und welche Therapien und Angebote zur Nachsorge es je nach Krebsart gibt. Beim Brustkrebs etwa spielen Lymphödeme – also Flüssigkeitsansammlungen im Lymphgewebe – häufig eine Rolle; Betroffene benötigen dann eine Lymphdrainage. „Nach der OP muss man vorsichtig mit den Armen umgehen, damit die Lymphen nicht anschwellen – man kann viel falsch machen“, weiß Schneider.

Die Frauenselbsthilfe in Plettenberg bietet selbst Nachsorgesport an – immer mittwochmorgens in der Sporthalle Ohle. Nach einer Krebstherapie können Interessierte einen Schein ausfüllen und das Angebot dann anderthalb Jahre lang in Anspruch nehmen.

Um allgemein beim umfangreichen Thema Krebs und Krebstherapien auf dem neuesten Stand zu bleiben und auch darüber informieren zu können, besuchen Vertreter der Frauenselbsthilfe viele Seminare und lassen sich dort schulen.

Marion Schneider bildet zusammen mit Gabriele Schweiger und Doris Schauer den Vorstand der Gruppe, die insgesamt rund 40 Teilnehmerinnen zählt – so genannt, weil sie keine Mitgliedsbeiträge wie in einem Verein zahlen. Der Altersschnitt sei dabei sehr hoch, da nur langsam Jüngere nachkämen – wie in vielen anderen Vereinen. Jüngere Frauen, die die Treffen besuchen, seien meist berufstätig und kämen nur einige Male, um sich dort zu informieren.

Nicht alle können aber zu den Treffen kommen. „Wir haben auch einige schwerkranke Leute, die wir regelmäßig zuhause besuchen“, erklärt Schneider.

Einschränkungen durch Corona

Diese Besuche haben allerdings in Zeiten der Corona-Pandemie ebenso unter Einschränkungen gelitten wie der Nachsorgesport, der nicht durchgehend stattfinden konnte, oder die monatlichen Treffen. Bis zu den Lockerungen im letzten Jahr konnten diese lange Zeit nicht stattfinden.

Und dann standen die bisher genutzten Räume im Paul-Gerhard-Haus nicht mehr zu Verfügung standen und die Gruppe musste in die Evangelische Kirche Eiringhausen ausweichen. Doch nach wenigen Monaten mussten die Treffen ab Oktober wieder pausieren. Diese sollen – da sie in geschlossenen Räumen stattfinden – frühestens im März wieder aufgenommen werden.

Draußen konnte sich die Gruppe kürzlich wieder treffen. „Wir sind jetzt das erste Mal wieder Walken gegangen und haben gemeinsam gegrillt“, berichtet Schneider. Diese Wanderungen sollen beibehalten werden.

Kontakt

Die Gruppentreffen der Frauenselbsthilfe Krebs, die normalerweise an jedem dritten Dienstag im Monat stattfinden, pausieren derzeit noch. Als Ansprechpartnerinnen für vom Krebs Betroffene und Angehörige stehen zur Verfügung: Marion Schneider (02391 / 51000), Gabriele Schweiger (02391/ 5069) und Doris Schauer (02391/52909).

Weltkrebstag

Der am 4. Februar begangene Weltkrebstag wurde im Jahr 2000 auf dem „Weltgipfeltreffen gegen Krebs“ in der „Charter of Paris“ vereinbart, um die Vorbeugung, Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen mehr ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Am 4. Februar 2022 findet zum 22. Mal der Weltkrebstag statt. Das Motto der Internationalen Vereinigung gegen Krebs (Union internationale contre le cancer oder UICC) dazu lautet „Close the care gap – Versorgungslücken schließen“. Die Deutsche Krebshilfe setzt sich ständig dafür ein, dass Krebspatienten bestmöglich behandelt und betreut werden. Doch noch haben nicht alle Betroffenen bundesweit denselben Zugang zu einer optimalen onkologischen Versorgung. Anlässlich des Weltkrebstags zeigt die Deutsche Krebshilfe aktuelle Versorgungslücken in Deutschland auf – und was sie dagegen tut. Quelle: www.krebshilfe.de

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