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Weltfrauentag: Die Frau am Schraubstock, der Mann am Herd

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Von: Christos Christogeros

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Frauen an den Schraubstock: Im Rahmen des Foto-Wettbewerbs, der von der Plettenberger Firma Brockhaus-Heuer ausgelobt wurde, entstanden auch Fotos, die das typische Rollenbild im Berufsleben in Frage stellen.
Frauen an den Schraubstock: Im Rahmen des Foto-Wettbewerbs, der von der Plettenberger Firma Brockhaus-Heuer ausgelobt wurde, entstanden auch Fotos, die das typische Rollenbild im Berufsleben in Frage stellen. © KLOSKA

„Die Arbeit bei uns ist körperlich sehr anstrengend und schmutzig“, sagt Torben Kloska vom Einkauf der Firma Brockhaus-Heuer, die hauptsächlich Schraubstöcke herstellt. Ein typischer Männerberuf, könnte man meinen – und genau deshalb zeigte man sich bei dem Plettenberger Unternehmen begeistert, als im Rahmen eines Foto-Wettbewerbs Fotos eingesandt wurden, die das typische Rollenbild in Frage stellen.

Plettenberg – Dennoch: Bei Brockhaus-Heuer, einer Firma mit fast 100-jähriger Geschichte am Standort Plettenberg, sei nur eine Frau in der Produktion zu finden. Nicht aber etwa, weil man sich gegen weibliche Mitarbeiter sperre, erklärt Kloska. „Ein Schraubstock wiegt bis zu 29 Kilogramm. Wenn man die 50 bis 60 Mal am Tag hebt, dann kann man sich vorstellen, wie körperlich anstrengend die Arbeit ist“, sagt Kloska.

Das Plettenberger Unternehmen, das nach eigener Aussage knapp 20 Mitarbeiter hat, traue weiblichen Mitarbeitern die schwere und schmutzige Arbeit in der Schraubstock-Produktion durchaus zu. Nur würden die meisten Bewerberinnen spätestens nach dem ersten Kontakt mit der Produktion wieder abwinken. „Wenn sich Frauen auf eine Stelle bei uns bewerben, dann sind wir dafür natürlich grundsätzlich offen. Wir weisen aber darauf hin, dass hier täglich sehr schwere Gewichte gehoben werden müssen“, erklärt Kloska.

Die Arbeit am Schraubstock sei traditionell eine Männerdomäne – auch weil in vergangenen Jahrzehnten diese eher technische Berufe erlernt hätten. „Wir freuen uns aber sehr, dass sich dieses Bild in den letzten Jahren und Jahrzehnten etwas gewandelt hat“, sagt Kloska.

Vor einiger Zeit hatte Brockhaus-Heuer einen offenen Foto-Wettbewerb ausgerufen. Mit typischen Rollenbildern sollten auf lockere und witzige Art „aufgeräumt“ werden. Daran habe unter anderem auch eine Frau aus Süddeutschland teilgenommen. Ihr Foto übersandte sie mit dem Motto: „Frauen an den Schraubstock, Männer an den Herd!“ Ein weiteres Foto dieser Art wurde in der Plettenberger Lehrwerkstatt geschossen.

Generell, so erklärt Kloska, sei Brockhaus-Heuer aufgrund seiner geringen Größe selten auf der Suche nach neuen Mitarbeitern. Und auch im Plettenberger Unternehmen spüre man das, was seit Längerem bereits von der gesamten Industrie beklagt wird: „Es fällt immer schwieriger, Fachkräfte zu finden.“

Große Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern

Frauen sind beim Lohn weiterhin im Nachteil: Zum Internationalen Frauentag weist die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) auf große Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern im Märkischen Kreis hin. Frauen, die eine Vollzeitstelle haben, verdienen im Kreis aktuell 17 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Während der mittlere Vollzeit-Verdienst von Männern bei 3592 Euro pro Monat liegt, kommen Frauen lediglich auf 2972 Euro, so die NGG-Region Südwestfalen unter Berufung auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. „Es kann nicht sein, dass Frauen in puncto Bezahlung trotz gleicher Arbeitszeit systematisch den Kürzeren ziehen“, kritisiert Gewerkschafterin Isabell Mura.

Die Corona-Pandemie habe die Situation teils verschärft – und alte Rollenbilder verfestigt. „In Zeiten von Lockdowns und Schulschließungen waren es in vielen Familien gerade die Frauen, die beruflich zurückstecken und sich um Kinder und Haushalt kümmern mussten“, sagt Mura. Neben prekären Arbeitsverhältnissen gebe es in vielen Betrieben nach wie vor eine erhebliche Lohnlücke zwischen den Geschlechtern. „So verdienen Bäckereifachverkäuferinnen in NRW bei Vollzeit rund 400 Euro weniger als Bäcker. Dabei haben beide eine dreijährige Ausbildung hinter sich und es im Arbeitsalltag mit genauso hohen Anforderungen zu tun“, betont Mura.

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