Neue Einreiseregeln

Was Reisende jetzt beachten müssen - und wie Kunden aus dem MK reagieren

Da vielen Menschen der Urlaub sehr wichtig sei, nähmen sie auch Unannehmlichkeiten wie eine Testpflicht in Kauf, sagt Thorsten Schröder (links).
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Da vielen Menschen der Urlaub sehr wichtig sei, nähmen sie auch Unannehmlichkeiten wie eine Testpflicht in Kauf, sagt Thorsten Schröder, Inhaber des Reiselands Plettenberg, hier mit Mitarbeiterin Bozena Hiller.

Wegen der Entwicklung der Infektionszahlen sind die Einreisebestimmungen kurzfristig verschärft worden. Seit dem 1. August gilt für Reiserückkehrer, die nicht gegen Covid-19 geimpft oder von der Krankheit genesen sind, eine Testpflicht. Wir haben in Plettenberger Reisebüros nachgefragt, wie sich das auswirkt.

Reiseland Plettenberg

Plettenberg – „Man merkt es schon“, sagt Thorsten Schröder, der das Reiseland Plettenberg führt, zu den strengeren Einreiseregeln und die schon dafür erfolgte Hochstufung einiger Reiseländer zu Hochrisikogebieten. „Es hat Umbuchungen gegeben und auch ein paar Stornierungen.“ Er stellt schon eine gewisse Verunsicherung der Leute fest. „Wir hatten vorher schon mehr Aufklärungsbedarf als üblich. Da kommt jetzt noch ein Schüppchen oben drauf.“ Umgebucht werde dabei nicht auf Reiseziele in Deutschland, sondern die meisten blieben dabei, im Ausland Urlaub zu machen. „Wenn man noch Sonne haben will, bleibt einem nicht viel anderes übrig.“

Statt nach Spanien gehe es dann zum Beispiel nach Griechenland. Insgesamt stellt Schröder fest: „Der Urlaub ist wichtig für die Leute. Sie haben Bock auf Urlaub.“ Viele Kunden seien bereits geimpft und sähen die Pflicht, sich bei der Einreise testen lassen zu müssen, gelassener. „Das nehmen sie dann in Kauf.“ Wie stark die Reisebüros von Umbuchungen oder Stornierungen betroffen seien, sei regional aber auch sehr unterschiedlich, gibt Schröder zu bedenken.

Was die langfristige Entwicklung angeht, mache man sich schon Gedanken, könne es aber nicht wirklich abschätzen, so Schröder: „Es ist, wie in die Glaskugel zu schauen.“ Er glaube aber nicht, dass die Corona-Entwicklung im Herbst so schlimme Ausmaße annehmen werde wie im vorigen Jahr.

Reise-Center Hüsken

Die neusten Regelungen, die erst ab dem 1. August greifen, waren Ende der vergangenen Woche noch nicht im Tui-Reisecenter zu spüren, berichtet Inhaberin Corinna Hüsken. „Dass Spanien und die Niederlande zu Hochrisikogebieten hochgestuft wurden, betrifft aber einige, die noch nicht geimpft sind.“ Zwei bis drei Stornierungen habe es gegeben, alle anderen Kunden hätten kurzfristig umgebucht auf Länder wie Griechenland, Bulgarien und Türkei, die noch nicht Hochrisikogebiete seien. Die Aussicht, sich vor der Einreise testen lassen zu müssen – viele Hotels und Veranstalter würden entsprechende Möglichkeiten anbieten – und vorher online ein Einreiseformular auszufüllen, halte Kunden nicht vom Reisen ab. „Die Kunden möchten weg. Nach anderthalb Jahren Pandemie sind sie urlaubsreif und nehmen Sachen in Kauf, die sie letztes Jahr noch nicht hingenommen haben“, sagt Hüsken. Grundsätzlich findet sie es gut, dass die Einreisergeln – wie die Testpflicht – nun für alle Verkehrsmittel gelten, nicht nur bei Flugreisen. Aber der Zeitpunkt missfällt ihr. „Das hätte man auch vorher auf den Weg bringen können, nicht erst in den Ferien – das hätte mehr Sinn gemacht“, kritisiert Hüsken. „Denn viele Kunden sind schon vor Ort.“

RBT Reisebüro

Laut Wolfgang Reinhardt, Inhaber der Reinhardt Business Travel GmbH aus Neuenrade, die das frühere Plettenberger Reisebüro von Petra Fenske übernommen hatte und weiterhin viele Plettenberger Kunden betreut, habe die ab 1. August geltende Testpflicht noch keine Auswirkungen. Deswegen würde nicht storniert. Bei der Rückkehr aus einem Hochrisikogebiet ein Einreiseformular auszufüllen, sei für die Leute „kein Hexenwerk“, meint er. Storniert werde dann, wenn bei der Rückkehr aus einem Virusvariantengebieten eine Quarantäne droht. Aktuell zählen etwa Brasilien und Südafrika zu den Virusvariantengebieten. Doch diese Ziele spielen für Reinhardt keine Rolle, 99 Prozent seiner Kunden verreisen innerhalb von Europa.

„Es gibt aber schon den einen oder anderen, dem es wegen der hohen Inzidenzen am gebuchten Urlaubsziel dann doch zu riskant ist“, sagt Reinhardt. „Sie verschieben die Reise dann auf bessere Zeiten.“

Ein Faktor für die Umbuchungsentscheidung seien auch mögliche Verschärfungen im Urlaubsland. Am Buffet im Hotel werde das Masketragen noch hingenommen, am Pool oder am Strand wollten die Leute sich aber ohne Maske aufhalten können. „Wenn sie im Freien wieder eine Maske tragen müssen, dann ist das Urlaubsgefühl beeinträchtigt. Dann fahren sie lieber nicht.“

Die neuen Regeln

Alle Reiserückkehrer ab einem Alter von zwölf Jahren, die nicht geimpft oder genesen sind, müssen seit dem 1. August bei der Einreise einen Coronatest nachweisen. Dies gilt unabhängig vom genutzten Verkehrsmittel. Die neu beschlossenen Regeln unterscheiden nun auch nach zwei Arten von Risikogebieten.

Die bisherigen Hochinzidenzgebiete heißen nun nur Hochrisikogebiete. Die Kategorie der „einfachen“ Risikogebiete entfällt. Ungeimpfte müssen bei der Rückkehr aus einem Hochrisikogebiet in eine zehntägige Quarantäne, aus der sie sich frühestens nach fünf Tagen mit einem negativen Test freitesten können. Für Genesene und Geimpfte entfällt hier die Quarantänepflicht.

Anders sieht es bei den sogenannten Virusvariantengebieten mit besonders gefährlichen Virusvarianten aus, für die strengere Testpflichten bzw. Quarantäneregeln gelten. Bei der Einreise aus einem Virusvariantengebiet müssen auch Geimpfte und Genesene einen Test nachweisen. Und es gilt für alle eine 14-tägige Quarantänepflicht. Sie entfällt für Geimpfte und Genesene nur dann, wenn nach der Einreise und während der Quarantäne das Virusvariantengebiet zu einem Hochinzidenz- oder Risikogebiet herabgestuft wird. Alle Einreisenden aus Hochrisiko- oder Virusvariantengebiet müssen eine digitale Einreiseanmeldung ausfüllen. afp

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