Digitalisierung in Plettenberg

Warten auf das W-Lan: Schulen leiden unter schlechter Internetverbindung

Der Ausbau des W-Lan für die Plettenberger Schulen soll bald schon beginnen.
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Der Ausbau des W-Lan für die Plettenberger Schulen soll bald schon beginnen. „Irgendwo holen uns da jetzt die Sünden der Vergangenheit ein“, sagt Matthias Steinhoff von der Stadt Plettenberg.

Als wenn plötzlich ein Schalter umgelegt worden wäre, mussten viele Lehrer ihre Schüler nicht mehr vor Ort an der Tafel, sondern aus der Ferne per Laptop oder Tablet unterrichten. Digitalisierung hieß das Wort der Stunde, doch Plettenberg ist wie viele andere Städte weiterhin längst nicht auf dem Stand der Technik, der ein gutes digitales Arbeiten an den Schulen ermöglicht.

Plettenberg –Das wurde einmal mehr deutlich, als Schulleiter, Politik und Verwaltung im Bildungsausschuss zu einer Bestandsaufnahme zusammenkamen, bei der es gute und schlechte Neuigkeiten gab.

Gute Nachricht 1: Die Tablets sind da

Lange hatte die Stadtverwaltung auf mehrere hundert Tablets gewartet, die gemeinsam mit anderen Städten per Großauftrag und so zu günstigeren Konditionen bestellt worden sind. Während andere Kommunen schon deutlich früher beliefert worden sind, dauerte es in Plettenberg wegen Lieferengpässen des Herstellers eine gefühlte Ewigkeit. Seit Mitte Mai sind die Tablets nun da: 367 Stück für ausgewählte Schüler, die bisher kein Endgerät zuhause haben, und 220 Geräte für Lehrer.

Gute Nachricht 2: W-Lan-Ausbau beginnt

Was helfen Tablets, wenn die Internetverbindungen in den Schulen weiterhin so limitiert sind wie bisher? Der zuständige Verwaltungsmitarbeiter Matthias Steinhoff ist optimistisch, dass sich die Situation bald verbessert. „Wir sind einen entscheidenden Schritt weiter“, sagte er im Bildungsausschuss. Letzte Woche sei der Auftrag für den W-Lan-Ausbau an den Plettenberger Schulen ausgeschrieben worden. 13 Firmen seien angefragt worden, jetzt kommt es darauf an, wer ein Angebot mit den besten Konditionen abgibt. Wann der Ausbau mit neuen Verkabelungen und Geräten beginnt, steht daher noch nicht genau fest, aber Steinhoff versprach: „Wir werden in den Sommerferien starten, aber es ist unklar, wie weit wir kommen.“ Vorgesehen sei, dass zuerst die kleineren, dann die größeren Schulen aufgerüstet werden.

Schlechte Nachricht 1: Es dauert zu lange

Elisabeth Minner, die Leiterin des Albert-Schweitzer-Gymnasiums (ASG), hat der Stadtverwaltung schon mehrfach in Sachen Digitalisierung Dampf gemacht – so auch diesmal. Sie wolle „vehement dafür appellieren, dass das W-Lan auf den Weg kommt“, sagte sie im Ausschuss. „Wir brauchen da wirklich Tempo, denn das Lernen wird sich weiter massiv verändern.“

ASG-Lehrerin Katja Orlowski pflichtete ihrer Chefin bei: „Moderner Unterricht braucht W-Lan. Es könnte alles viel effektiver sein.“

Matthias Steinhoff zeigte Verständnis. „Die Problematik ist uns allen bekannt. Irgendwo holen uns da jetzt die Sünden der Vergangenheit ein“, sagte er und meinte die Vor-Coronazeit, in der die Digitalisierung der Schulen noch nicht so dick auf dem Zettel stand wie seit Pandemie-Beginn.

Schlechte Nachricht 2: Tablets reichen nicht

Dass die Schüler-Tablets nun endlich geliefert worden sind, hilft zwar vielen Kindern weiter – aber eben nicht allen, erinnerte Elisabeth Minner. Am Gymnasium habe man das Glück, dass der „sehr agile Förderverein“ weitere Tablets angeschafft habe, aber in anderen Schulen stehen noch immer Kinder und Jugendliche ohne digitales Endgerät für den Fernunterricht da. Matthias Steinhoff bestätigte, dass die Stadt die Tablets nicht nach dem Bedarf, sondern nach der Fördersumme bestellt habe. Heißt: Auch wenn in den Schulen neben den jetzt gelieferten Geräten noch weitere Tablets vorhanden sind, sind immer noch einige Schüler unversorgt.

Grundsatzfrage: Wer zahlt weitere Tablets?

Eine entscheidende Frage ist: Sollte die Stadt in der Pflicht sein, für jeden Schüler ein Tablet zu stellen? Oder sind da die Eltern in der Verantwortung? Rechne man pro Schüler ein Tablet, käme man auf einen Gesamtbetrag von 1,7 Millionen Euro, wie Bürgermeister Ulrich Schulte erklärte. Soll die Stadt diese Kosten tragen? „Diese Frage müsste über die Politik in die Diskussion gebracht werden“, richtete sich Bürgermeister Ulrich Schulte an die Parteienvertreter im Bildungsausschuss, die nun in den dafür zuständigen Gremien eine Antwort auf diese Fragen finden wollen.

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