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Warnstreik in Firma im MK: „Tarifvertrag ist kein Verbrechen“

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Von: Johannes Opfermann

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Mit der Geduld am Ende zeigten sich die Messingwerk-Beschäftigten nach den bisherigen Verhandlungsrunden mit der Geschäftsführung. Mit einem Warnstreik verliehen sie ihren Forderungen Nachdruck.
Mit der Geduld am Ende zeigten sich die Messingwerk-Beschäftigten nach den bisherigen Verhandlungsrunden mit der Geschäftsführung. Mit einem Warnstreik verliehen sie ihren Forderungen Nachdruck. © Opfermann

Mit einem Warnstreik schickte die Belegschaft des Messingwerks Plettenberg am Montagmittag (4. April) ein deutliches Signal an die Geschäftsführung. Rund 70 Mitarbeiter waren dem Aufruf der IG Metall gefolgt und marschierten vom Werk in Richtung Bahnhof und unterstrichen damit ihre Forderungen nach mehr Gehalt und dem Abschluss eines Tarifvertrags. Die Produktion stand währenddessen still.

Plettenberg – „Die Zeit des kollektiven Bettelns ist vorbei“, hatte Fabian Ferber, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Märkischer Kreis, die Beschäftigten zuvor eingestimmt. Trotz Regen und eisiger Temperaturen machten sich die Messingwerk-Beschäftigten – nicht nur aus der Produktion, sondern auch einige aus der Verwaltung – auf den Weg in Richtung Bahnhof. Mit Trillerpfeifen und auf Plakaten machten sie auf ihren Unmut aufmerksam. „Unsere Geduld ist zu Ende“, „Euer Angebot ist lächerlich“ und „Fünf Tage Arbeit muß reichen“, war darauf zu lesen.

„Kämpfen bis zum Tarifvertrag“

Das Messingwerk ist bislang nicht tarifgebunden. Die rund 180 Mitarbeiter verdienen laut Ferber 500 bis 600 Euro weniger als Facharbeiter in Unternehmen im Flächentarifvertrag. Konkret fordert die IG Metall im Messingwerk eine Entgelterhöhung um 5,9 Prozent, die Einführung eines Wahlmodells „Sonderzahlung oder Freizeit“ in Form einer Sonderzahlung in Höhe von 27,5 Prozent eines Monatsentgelts oder alternativ der Gewährung von acht Freistellungstagen pro Jahr und die Anerkennung der Flächentarifverträge.

Ein Tarifvertrag sei kein Verbrechen, sondern in vielen Unternehmen eine Selbstverständlichkeit. Auch das Messingwerk solle zu einem tarifgebundenen Unternehmen werden. „Wir kämpfen, bis wir einen Tarifvertrag haben“, das betonte Ferber immer wieder. „Es geht nicht nur um Geld, sondern um Anerkennung und Respekt, die die Geschäftsführung des Messingwerks endlich zeigen muss.“

Dabei geht es auch um Wochenendarbeit, die die Mitarbeiter seit rund zwei Jahren leisten, um so hohe Produktionsmengen zu erreichen wie lange nicht, und das ohne Kurzarbeit während der Pandemie. Wie könne davon für die Beschäftigten nichts übrig bleiben, fragte Ferber. Als der Betriebsrat erst einmal die Wochenendarbeit untersagen wollte, sei Druck vom Unternehmen ausgeübt worden. Trotzdem würden laut Ferber viele Beschäftigte am Wochenende nicht mehr arbeiten kommen.

Dem Messingwerk warf der IG-Metall-Vertreter eine „Salamitaktik“ in den bisherigen Verhandlungen vor, die bereits im Oktober 2021 aufgenommen wurden, bislang aber noch nicht zu einem Ergebnis geführt haben. Dirk Wichert, Mitglied der Verhandlungskommission und außerdem Betriebsratsvorsitzender beim Messingwerk, sprach ebenfalls von mangelndem Respekt. In den Verhandlungen sei der „Schiefstand“ des Unternehmens mit der letzten Lohnerhöhung vor mehreren Jahren begründet worden. „Das können wir uns nicht gefallen lassen“, so Wichert.

Auch die Betriebsratsvorsitzenden von Frauenthal-Powertrain in Plettenberg, von Schulte & Co. in Hemer und von Kostal in Lüdenscheid zeigten sich in kurzen Grußworten solidarisch mit den Messingwerk-Beschäftigten. IG-Metall-Vertreter Ferber kündigte an, dass der Warnstreik nicht die letzte Aktion gewesen sein soll, dass man zur Durchsetzung der Forderungen aber einen langen Atem brauche.

„Konstruktive Lösung finden“

Das Messingwerk wollte sich nicht zu Einzelheiten des letzten eigenen Angebots in den Verhandlungen äußern oder sich zu den Forderungen der Gegenseite äußern. Geschäftsführer Dr. Jan Lindemann teilte Folgendes mit: „Die Geschäftsleitung der Messingwerk Plettenberg Herfeld GmbH & Co. KG befindet sich seit mehreren Wochen in einer Folge von Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite. Ziel der Geschäftsleitung dabei ist es, eine konstruktive gemeinsame Lösung zu finden, die auch in einem wirtschaftlich unsicheren Umfeld eine zufriedenstellende und stabile Übereinkunft für alle Beteiligten darstellt.“

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