Eltern werden per Brief informiert

Vier-Täler-Schule: Asbest gefunden - überraschende Mitteilung wirbelt alles durcheinander

Neben Mängeln beim Brandschutz an der Vier-Täler-Schule kommt nun auch noch eine mögliche Asbestbelastung hinzu. 
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Neben Mängeln beim Brandschutz an der Vier-Täler-Schule kommt nun auch noch eine mögliche Asbestbelastung hinzu. 

Neuer Schock in Sachen Vier-Täler-Schule: In dem Gebäude in Plettenberg ist Asbest gefunden worden.

Plettenberg – Nach den bereits festgestellten Mängeln beim Brandschutz an der Vier-Täler-Schule kommt nun auch noch eine mögliche Asbestbelastung hinzu. 

Die überraschende Mitteilung von Bürgermeister Ulrich Schulte wirbelte nicht nur die Ratssitzung am Dienstagabend durcheinander, sondern erfordert auch den sofortigen Auszug der Kita und der Offenen Ganztagsbetreuung aus dem Gebäude. 

Vier-Täler-Schule: Sachlage wegen Asbest-Fundes plötzlich eine hanz andere

Wie schon in der regulären Ratssitzung in der vergangenen Woche waren auch bei der Sondersitzung am Dienstagabend zahlreiche Bürger – die meisten von ihnen betroffene Eltern – in der Schützenhalle anwesend. 

Die von ihnen erwartete Diskussion und Entscheidung über eine Zwischenlösung für die Kita Holthausen während des Umbaus der Vier-Täler-Schule musste jedoch warten, nachdem sich Bürgermeister Schulte mit einer Erklärung zu dem Thema an die Anwesenden wandte: „Die Sachlage ist seit heute Nachmittag eine komplett andere als gestern. An der Vier-Täler-Schule befindet sich in der Verkleidung der Säulen weichgebundenes Asbest.“ 

Mängel beim Brandschutz - und eine Asbest-Belastung in der Vier-Täler-Schule

Wie in einem ausführlichen Elternbrief, der anschließend verteilt wurde, dargelegt wurde, habe man nach den festgestellten Mängeln beim Brandschutz das Gebäude ganzheitlich betrachtet, also auch in Sachen Statik, Schadstoffe und Bauphysik überprüft. Für ein Schadstoffgutachten durch das Büro Iken aus Dortmund wurden demnach auch Beprobungen im Gebäude der Vier-Täler-Schule durchgeführt. Dabei ergaben sich offenbar Hinweise auf „faserzementhaltige Baustoffe (weichgebundenes Asbest) im Bereich von Brandschutzbekleidungen der Stahlstützen“, heißt es in dem Brief an die Eltern. Diese Stahlstützen seien zum Großteil mit Wänden umbaut. 

Im eingebauten und unbeschädigten Zustand seien die Platten gesundheitlich unbedenklich. Doch bei einer Begehung am Dienstagnachmittag mit dem Gutachter und den zuständigen Behörden des Märkischen Kreises und der Bezirksregierung habe man festgestellt, dass die Platten in einzelnen Bereichen (Obergeschoss) freiliegen oder beschädigt und bearbeitet wurden. 

„In den letzten 20 Jahren wurde immer wieder in die Verkleidung hineingebohrt und Nägel eingeschlagen“, erklärte Schulte. Das betreffe vor allem den oberen Bereich, in dem die OGS-Betreuung untergebracht ist, in der Kita sei nur ein Nagel in die Wand geschlagen worden.

Asbest-Nachweis: Kita- und OGS-Räume sollen nicht mehr genutzt werden

Zwar gibt es keine aktuellen Hinweise auf eine Asbestbelastung und damit eine Gefährdung, aber da ein früherer Austritt von Asbestfasern nicht ausgeschlossen werden kann, sollen zur Vorsorge die Kita- und OGS-Räume nicht mehr genutzt werden. 

Es werden Messungen durchgeführt, um festzustellen, ob eine Nutzung der Räume unbedenklich ist – mit den Ergebnissen wird frühestens Ende der kommenden Woche gerechnet. 

Asbest-Problematik: So geht es jetzt weiter

Als nächste Schritte sind laut Elternbrief am 1. und 2. Juni die Betreuung der Kinder aus der Kita in der Turnhalle und der Kinder aus der OGS in der Grundschule Holthausen geplant. Vom 3. Juli bis zur Sommerpause sollen Kita und OGS dann in den Räumen im Erdgeschoss der Grundschule untergebracht werden. Parallel laufe die Suche nach einer dauerhaften Lösung für die Zeit nach den Sommerferien. 

Vorwurf: Ratsmitglieder hätten keine Ahnung von Situation der Familien

Die Unterbrechung der Ratssitzung gleich im Anschluss an Schultes Mitteilung gab den Fraktionen Gelegenheit, sich angesichts der neuen Wendung zu beraten. Als die Sitzung fortgesetzt wurde, ergriff aber zunächst Ute Krehmer in der Einwohnerfragestunde das Wort, um stellvertretend für andere betroffene Eltern eine Erklärung abzugeben. 

Die Ratsmitglieder hätten keine Ahnung von der persönlichen Situation der Familien und was eine Betreuung im Oestertal für diese bedeute, sagte sie. „Wir möchten als Übergangslösung die Martin-Luther-Kirche in Holthausen“, betonte Krehmer und appellierte: „Ihre Entscheidung wird nicht Ihre Leben beeinflussen, aber unsere. Ich hoffe, dass Ihnen die Tragweite Ihrer Entscheidung bewusst ist.“ 

Bürgermeister Schulte verwies auf die grundlegend geänderte Entscheidungslage, sagte aber deutlich: „Die Martin-Luther-Kirche kommt für alle drei Gruppen nicht in Frage.“ 

Obergeschoss, das nur über Außentreppe erreichbar ist, aus Brandschutzgründen nicht genehmigungsfähig

Thomas Junior meldete sich ebenfalls zu Wort. Er sei Eltern von wegen einer möglichen Unterbringung der Holthauser U3-Kinder in der Junior-Kita in Böddinghausen angesprochen worden. Er fragte, warum die Stadt nicht bei ihm trotz vorhandener Möglichkeiten wegen einer Unterbringung angefragt habe. 

Till Hoffmann, Fachgebietsleiter Stadt- und Umweltplanung, verwies auf den Brandschutz. Eine Unterbringung der U3 in dem Obergeschoss der Kita, das nur über eine Außentreppe erreichbar sei, sei nicht genehmigungsfähig. Juniors beharrte allerdings darauf, dass ein von ihm beauftragter Gutachter diese Einschätzung widerlegen werde.

Asbest-Problematik in der Vier-Täler-Schule: So äußern sich die Fraktionen

Im Anschluss äußerten sich dann auch die Ratsfraktionen zur Zwischenlösung für die Holthauser Kita und die neu aufgekommene Asbest-Problematik. 

SPD-Fraktionschef Wolfgang Schrader sprach sich für eine Priorisierung der Bonifatiuskirche als Zwischenlösung aus, gleichzeitig solle die Verwaltung aber auch eine Containerlösung untersuchen. Angesichts des Asbestfunds in der Vier-Täler-Schule befand er: „Wir werden nicht nur einen Umbau der Vier-Täler-Schule haben, sondern eine Kernsanierung.“ Je nachdem, wie lange diese dauere, wirke sich das aber auch auf die Kosten bei der Containermiete aus. 

Eine Containerlösung befürwortete auch Heiko Hillert (CDU), allerdings nur für die bestehenden zwei Kita-Gruppen. Die U3 solle dagegen in der Martin-Luther-Kirche betreut werden. 

Lösung muss schnellstmöglich her

Klaus Salscheider (PWG) wunderte sich über diesen Vorschlag. „Die CDU weiß, dass die U3-Gruppe in vier Wochen fertig sein muss.“ Das gehe nur in der Bonifatiuskirche. Und für die anderen Kinder brauche man in sechs Wochen ebenfalls eine Lösung. Die Verwaltung solle schnellstmöglich nach einer Lösung zur Unterbringung der Kinder suchen. 

Das forderte auch Carsten Hellwig für die FDP-Fraktion. Es helfe jetzt nicht zu lamentieren. „Wir haben jetzt das Asbest-Thema – das macht mir Angst“, sagte Hellwig. 

Zur Abstimmung standen schließlich zwei Anträge. Der CDU-Antrag, die U3-Kinder in der Martin-Luther-Kirche unterzubringen und die anderen in Containergruppen, scheiterte mit zehn Ja- zu 21 Nein-Stimmen bei einer Enthaltung. 

Mit dieser Lösung zeigten sich die Ratsvertreter einverstanden

Für den anderen Antrag führte Schulte die Anträge der anderen Fraktionen zusammen, nämlich die Verwaltung damit zu beauftragen, schnellstmöglich eine Lösung zu finden, allerdings ohne eine Priorisierung der Bonifatiuskirche. Diesem Antrag stimmte eine Mehrheit von 22 Ratsmitgliedern zu, zehn stimmten dagegen. Mit dem Vorschlag des Bürgermeisters, diese Lösung dann per Dringlichkeitsbeschluss mit den Fraktionsspitzen fassen zu können, statt noch einmal eine Sondersitzung des Rats einzuberufen, zeigten sich die Ratsvertreter einverstanden.

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