Rundgang durch die Plettenberger Innenstadt

Unsicherheit bei Einzelhändlern wegen Corona-Schließungen

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Paul Spreemann (li.) sprach gestern mit Innenstadtmanager Nils Kleemann über die Schließungen des Einzelhandels

Plettenberg – Das schöne Wetter konnten die Plettenberger am Mittwoch noch einmal für einen Einkaufsbummel in der Stadt nutzen. Denn noch hatten zahlreiche Geschäfte geöffnet. Viele Menschen waren zwar nicht auf der Straße, allerdings auch nicht weniger als sonst an einem Wochentagsvormittag in der Vier-Täler-Stadt. Allerdings waren eher ältere als jüngere Plettenberger unterwegs.

Aufgrund des Coronavirus sollten bereits am Mittwoch zahlreiche Geschäfte geschlossen bleiben, wovon allerdings bestimmte Bereiche, etwa Lebensmittelgeschäfte, aber auch Dienstleister wie Friseure ausgenommen waren. Gehandhabt wurde die Schließung recht unterschiedlich.

„Ein offizielles Statement der Stadt gibt es noch nicht“, sagte Heinz-Werner Sonntag, von der Christlichen Bücherstube am Vormittag. Er wartete ebenso wie die anderen Einzelhändler, mit denen er im Austausch steht, noch auf eine entsprechende Anordnung, welche Geschäfte geöffnet bleiben können. Geschlossen hatte sein Geschäft dennoch bereits, auf Anweisung der Hauptstelle in Dillenburg. „Ich denke, das ist schon richtig“, so Sonntags Meinung.

„Wir warten noch auf eine Anordnung der Stadt“, sagt auch Nicole Rahn, Inhaberin von 2-Rad-Meyer Bikes & More. Sie kritisiert die von Stadt zu Stadt unterschiedlichen Vorgaben und Richtlinien zu Schließungen. Der alte Fahrradladen inklusive Werkstatt und die vor kurzem neu eröffneten Verkaufsräume nebenan waren am Mittwoch jedenfalls geöffnet, prall gefüllt mit Fahrrädern und sonstiger Ausrüstung für die neue Saison.

Die Polizei musste gestern Optik Lohmann nicht schließen, war aber in der Innenstadt präsent.

Die Schließung kommt für das Fahrradgeschäft zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Glücklicherweise ist 2-Rad-Meyer nicht nur ein Geschäft, sondern auch ein Handwerksbetrieb. „Die Werkstatt könnte offenbleiben“, so Rahn. „Wir werden versuchen, den Kundenkontakt so niedrig wie möglich zu halten.“ Beispielsweise könnte man die Räder vor der Tür annehmen.

Spielhallen waren, wie verordnet, nicht geöffnet, auch bei Fitnessbetrieben wie Mrs. Sporty blieben die Türen verschlossen. SP: Reinigen, Deichmann und der Modepark Röther hatten gestern bereits geschlossen, das Modehaus Otto dagegen hatte am Vormittag noch geöffnet.

„Dadurch, dass wir auch Lebensmittel verkaufen, haben wir noch geöffnet“, sagt Ivonne Hübner, Inhaberin des Lifestyle-Geschäfts Mariposa. Ob sie das Geschäft schließen muss, wusste sie gestern allerdings noch nicht und wartete noch auf eine offizielle Mitteilung. Für den Fall einer Schließung bereitete sie schon Informationszettel für die Kunden vor. „Man möchte sich dann schon daran halten und es unterstützen, dass es sich nicht weiter ausbreitet“, sagt Hübner. Man würde beispielsweise so viel wie möglich Kartenzahlung nutzen und so wenig Bargeld wie möglich.

„Man fragt sich schon, wie es weitergeht“, sagt Hübner. Aber es sei noch nicht klar, was künftig für Konzept-Stores wie ihren mit einem gemischten Angebot gelten soll. Und für Einzelhändler sei auch keine finanzielle Unterstützung in Aussicht. Die Hoffnung sei, dass der Laden mit einem Teil seines Angebots – Haushaltswaren, Lebensmittel – geöffnet bleiben kann.

Blumenhändler Detlef Schulte wird ab heute schließen.

Geöffnet war auch das Geschenkartikel-Geschäft Inspiration. Inhaber Paul-Marius Spreemann sieht kein Problem darin, das Geschäft, in dem auch Feinkostprodukte angeboten werden, weiter zu öffnen. „Wenn wir zumachen, bestellen die Leute im Internet – die kommen dann nicht mehr zurück“, sagt er.

Deswegen überlegt er gemeinsam mit anderen Einzelhändlern, einen Bringedienst aufzubauen, damit die Bevölkerung weiß, dass sich die Geschäftsleute vor Ort um sie kümmern. Wenn es um das Kümmern seitens der Politik geht, redet sich Spreemann allerdings in Rage. Die Politiker hält er angesichts der Coronakrise für unfähig.

„Verordnungen, bei denen es um Gesundheit und Schutz geht, sind absolut notwendig“, sagt er. Aber Politiker sollten nicht rausposaunen, es gäbe finanzielle Hilfen. Die seien mit hohen Zinssätzen verbunden. Er würde es nicht einsehen, wenn er das Geschäft Inspiration schließen müsste, während Poststellen – mit viel engerem Kundenkontakt – weiter offen bleiben. Aber auch die Sorge um seine Mitarbeiter treibt ihn um, für die Kurzarbeitergeld existenzbedrohend wäre. „Meine Mitarbeiter wären bei Kurzarbeitergeld pleite“, sagt Spreemann.

Zu den Betrieben, die weiterhin geöffnet bleiben sollen, zählen auch Friseursalons. Dort ist der Kundenkontakt besonders eng, „Wir machen uns da nicht solche Gedanken drum“, sagt Friseurin Stefanie Gärtner. Viele Absagen aufgrund von Corona habe es bisher auch nicht gegeben. „Wenn die Leute sich nicht gut fühlen, sagen sie ab“, ist sie überzeugt.

Angst vor Ansteckung haben sie und ihre Mitarbeiterinnen nicht, denn es werde sehr auf die Hygiene geachtet. „Wir desinfizieren nach jedem Kunden und setzen die Kunden einen Platz auseinander.“ Gärtner ist froh, dass Friseursalons weiter geöffnet haben können. „Ich bin dankbar, dass wir als kleines Unternehmen aufhaben können.“ Man könne schließlich nicht absehen, wie lange die Corona-Krise dauere. „Wir Friseure sind alles kleine Betriebe. Das wären Genickbrüche für uns, wenn wir fünf Wochen zumachen müssten“, sagt Gärtner.

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