Nach Rückkehr in die Schulen

Viel Aufholbedarf: Viele Schüler weisen nach Monaten ohne Präsenzunterricht Wissenslücken auf

Nach monatelangem Distanzunterricht haben die Schüler Aufholbedarf.
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Nach monatelangem Distanzunterricht haben die Schüler Aufholbedarf.

Am Montag (31. Mai) kehrten die Schulen wieder in den Präsenzunterricht zurück, nachdem die Schüler monatelang überwiegend in Distanz unterrichtet worden waren. Da die Kinder und Jugendlichen damit unterschiedlich gut zurecht kamen, kommt nun auf die Schulen eine Menge Arbeit zu, um die entstandenen Wissenslücken zu schließen – und das auch über das Schuljahr hinaus.

Plettenberg – Dass Lücken und damit Aufholbedarf vorhanden ist, bestätigt eine Umfrage bei mehreren Plettenberger Schulen.

Hallenschule

„Wir hatten einen umfangreichen Distanzunterricht und haben versucht, alle Kinder mit an Bord zu holen“, sagt Nicole Friedrich, Leiterin der Hallenschule. Dies gelte vor allem bei Kindern, die auch im normalen Präsenzunterricht schon Probleme gehabt haben. Allgemeine Aussagen zu den im Distanzunterricht entstandenen Lücken kann die Schulleiterin noch nicht machen. Man sei noch dabei, sich ein Bild davon zu machen.

Dabei seien im Distanzunterricht viele Dinge auch positiv gelaufen, betont sie. „Wir haben viele tolle Sachen gemacht.“ Die Kinder hätten zudem versucht, ihr Bestes zu geben. Trotzdem hätten viele auch unter dieser Form des Unterrichts gelitten. Es sei schwierig für sie gewesen, sich so viel selbst zu erarbeiten.

„Es ist definitiv so, dass bei einigen Kindern recht große Lücken entstanden sind“, sagt Friedrich. Die Tatsache, dass die lange Distanzphase nicht die erste Einschränkung des normalen Schulbetriebs war, sei auch nicht folgenlos geblieben. „Die Lücken, die aus dem letzten Jahr schon da waren, haben sich bei einigen verstärkt.“ Zusätzlicher Förderunterricht hätte beim Aufholen versäumten Lernstoffes helfen sollen – doch die Pläne scheiterten an Corona.

So hatte die Hallenschule für die Osterferien ein Programm zur Lernförderung geplant. „Es war alles fertig, die Lehrer standen bereit. Dann kamen die Schulschließungen wegen der hohen Inzidenzen.“

Nun hofft Friedrich, dass in den Sommerferien entsprechende Angebote zur Lernförderung stattfinden können, um einigen Kindern die Möglichkeit zu bieten, den zum Teil großen Lernrückstand aufzuholen.

Es würden aber auch Beratungsgespräche mit Eltern geführt, ob es bei ihren Kindern gegebenenfalls sinnvoll sein könnte, eine Klasse zu wiederholen.

Eschenschule

„Da kann man pauschal noch nichts zu sagen“, meint Nico Schröder, Leiter der Eschenschule, zu den während der Corona-Pandemie beziehungsweise der langen Distanzlernphase entstandenen Wissenslücken. Wo diese Lücken bestehen, bekomme man erst nach und nach mit.

In einem Punkt ist er sich aber sicher: „Es steht und fällt mit dem Elternhaus.“ Wie gut die Eltern dazu in der Lage gewesen seien, ihre Kinder beim Distanzlernen zu unterstützen, sei sehr unterschiedlich. Für die Schwierigkeiten zeigt Schröder Verständnis. „Die Eltern müssen Aufgaben erledigen, für die sie nicht ausgebildet sind“, betont er.

Folglich ergebe sich – soweit sich dies nach wenigen Tagen Wechselunterricht schon sagen lässt – ein gemischtes Bild: „Einige Schüler haben wenige bis gar keine Lücken, weil sie zu Hause oder in der Notbetreuung gut unterstützt wurden. Bei anderen Kindern gibt es größere Lücken.“

Für Angebote, um Verpasstes zum Beispiel in den Sommerferien wieder aufzuholen, sieht Schröder noch Fragezeichen hinter der praktischen Umsetzung. „Es ist die ganz große Frage, wie man das personell stemmen kann.“ Die Kinder müssten gezielt gefördert werden, dazu brauche man Lehrer.

Albert-Schweitzer-Gymnasium

„Wie groß die Lücken sind, wird sich erst noch zeigen“, sagt Elisabeth Minner, Leiterin des Albert-Schweitzer-Gymnasiums (ASG). Im Distanzunterricht hätten viele gut gearbeitet. Einige Kinder seien mit diesem Lernformat gut zurecht gekommen, bei anderen habe sich gezeigt, dass sie das soziale Setting – das Lernen in der Schule im direkten Kontakt mit den Lehrern – viel mehr bräuchten. Dabei hänge auch viel davon ab, wie viel Unterstützung Kinder beim Distanzlernen durch ihre Eltern gehabt hätten.

„Eine Aufgabe für uns ist, einen sehr differenzierten Blick darauf zu werfen, wo Lücken entstanden sind.“ Noch sei es aber zu früh, etwas Genaueres dazu zu sagen. „Das wird man erst dann sehen, wenn alle kontinuierlich hier im Haus sind.“

Dass ein Aufholbedarf da ist, davon ist Minner überzeugt. Kurse in den Sommerferien wären erforderlich, würden aber nicht ausreichen. Auch darüber hinaus werde das Thema Aufholen die Schulen noch beschäftigen. „Das wird im nächsten Schuljahr – zumindest im ersten Halbjahr – noch erforderlich sein.“

Zeppelinschule

Nachdem die Schulen vor wenigen Wochen erst in das Wechselmodell und nun ganz in den Präsenzunterricht zurückgekehrt sind, sei es noch schwierig abzuschätzen, wie groß die Wissenslücken geworden sind. „Die Lücken sind schon da, bei den einen mehr, bei den anderen weniger“, sagt Sandra Noltsch, Schulleiterin der Zeppelinschule.

Das Aufholprogramm des Bundes, mit dem Versäumtes nachgeholt werden soll, sei „im Prinzip eine gute Sache“, so die Schulleiterin. „Ich habe aber die Befürchtung, dass man damit nicht die Schüler erreicht, die man erreichen müsste.“

Betreuungsverein: Voraussichtlich Förderprogramm im Sommer

Auch der Verein zur Betreuung von Kindern der Plettenberger Schulen, dessen Mitarbeiter Kinder im Offenen Ganztag und zuletzt vor allem in der Notbetreuung unterstützen, weiß um die Lerndefizite.

„Man konnte schon wahrnehmen, dass Kinder bei Weitem nicht den Stoff verinnerlicht haben, wie es sonst dem Schuljahr entsprechend wäre“, gibt Geschäftsführerin Katharina Kreikebaum die Beobachtungen ihrer Mitarbeiter weiter, betont aber, dass die Lehrer dies im Einzelnen besser beurteilen könnten.

Nichtsdestotrotz beabsichtigt der Plettenberger Betreuungsverein, in Absprache mit den Schulen erneut ein Programm zum Aufholen der Lerndefizite aufzustellen, wie man es in den Herbstferien schon durchgeführt und eigentlich auch für die Osterferien geplant hatte.

„Wir werden da aller Voraussicht nach erneut angehen, sodass wir für die Sommerferien ein Lernförderprogramm zum Abbau von Lerndefiziten anbieten können“, sagt Kreikebaum. Zunächst liege der Fokus aber darauf, an den Schulen den Wechsel zurück in den Präsenzunterricht zu begleiten.

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