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„Veränderungen gewünscht“: Jugendreferent und Presbyterin verlassen den MK

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Von: Johannes Opfermann

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Die Jugendetage im Bonheffer-Haus ist nicht nur für viele Kinder und Jugendliche ein Zuhause geworden, sondern auch für Presbyterin Annette und Jugendreferent Dominik Rienäcker, die nun nach sieben Jahren Plettenberg verlassen.
Die Jugendetage im Bonheffer-Haus ist nicht nur für viele Kinder und Jugendliche ein Zuhause geworden, sondern auch für Presbyterin Annette und Jugendreferent Dominik Rienäcker, die nun nach sieben Jahren Plettenberg verlassen. © Opfermann, Johannes

Am Sonntag (26. Juni) werden Jugendreferent Dominik Rienäcker und seine Frau Annette, die unter anderem als Presbyterin in der Evangelischen Kirchengemeinde engagiert war, offiziell verabschiedet. In sieben Jahren in der Gemeinde sind viele Freundschaften entstanden. Besonders positiv behalten sie auch die Offenheit der Gemeinde in Erinnerung, gerade was neue Wege in der Jugendarbeit angeht.

Plettenberg – „Wir haben uns Veränderung gewünscht, sowohl privat als auch im Beruflichen“, nennt Dominik Rienäcker (33) den Hauptgrund dafür, dass er und seine Frau Annette (37) Plettenberg verlassen möchten, wo sie seit 2015 leben und arbeiten. Wo es genau hingehen soll, das steht noch nicht fest.

Gemeindearbeit in der evangelischen Kirche werde es auf jeden Fall bleiben, so Rienäcker, doch mit welchem Schwerpunkt, das lässt der bisherige Jugendreferent noch offen, der im vergangenen November auch seine Prädikantenausbildung abgeschlossen hat und damit auch Gottesdienste halten kann.

Gemeinde gab viel Gestaltungsspielraum

Nach zwei Jahren auf einer vorigen Stelle hatte Rienäcker als Jugendreferent bei der Evangelischen Kirchengemeinde viel Gestaltungsspielraum und nimmt viele gute Erfahrungen aus dieser Zeit mit: „Ich habe ganz viel hier gelernt.“ Er konnte seinen eigenen persönlichen Stil in der Jugendarbeit finden. „Es war schön, dass die Kirchengemeinde da so offen war und ich mich selbst entwickeln konnte. Sie hat mich in vielen Dingen, die ich ausprobieren wollte, unterstützt.“

Eine Herzensangelegenheit war die Jugendetage im Bonhoeffer-Haus, die für das Ehepaar voller positiver Erinnerungen steckt. „Als vor fünf Jahren eine Wohnung frei wurde, habe ich der Gemeinde gesagt, dass ich sie gerne zu einer Jugendetage umgestalten würde“, erinnert sich Rienäcker. Weil der Gemeinde Kinder- und Jugendarbeit so wichtig war, gab sie die Erlaubnis zu diesem Projekt und verzichtete somit auch auf Mieteinnahmen. In Eigenregie wurde zusammen mit den Jugendlichen die Etage umgebaut, gestrichen und eingerichtet.

Der Kerngedanke war es, einen Ort zu schaffen, wo die Kinder Ansprechpartner nicht nur bei Glaubensfragen haben, sondern auch bei anderen Problemen und Fragen, die Kinder und Jugendliche betreffen. Und das ist gelungen. „Es wurde zu unserem Hauptveranstaltungsort und einem Zuhause für viele Kinder und Jugendliche“, berichtet Dominik Rienäcker. „Viele haben hier Freunde gefunden.“ Bei den wöchentlichen Treffen der diversen Jugendgruppen wurde diskutiert, gemeinsam gekocht und gegessen; Spiel und Spaß kamen auch nicht zu kurz.

„Wir haben einmal eine Wohnwoche gemacht, bei der eine Handvoll Jugendlicher hier mit Sack und Pack übernachtet haben, von hier aus zur Schule gegangen sind und die restliche Zeit hier verbracht haben. Es war wie eine Ferienfreizeit, nur außerhalb der Ferien.“

Die echten Ferienfreizeiten waren für Rienäcker ebenfalls Höhepunkte seiner Arbeit. So ging es 2018 nach Schweden, 2019 in die Niederlande und 2021 zum Zelten eine Woche Zelten in Heigenbrücken.

Corona hat Arbeit größtenteils verhindert

Letzteres war einer der wenigen Lichtblicke in Corona-Zeiten, die die Arbeit erheblich erschwert haben. „Corona war anstrengend. Meine Arbeit hat es in großen Teilen verhindert, man musste sehr kreativ und flexibel sein“, sagt Dominik Rienäcker.

Dem kann Annette Rienäcker nur beipflichten, die als Presbyterin im Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit aktiv war und zudem Vorsitzende im Ausschuss für Gottesdienst und Kirchenmusik. „Auch die Presbyteriumsarbeit war durch Corona ganz anders.“ Das neue Presbyterium, das zu Beginn der Corona-Zeit seine Arbeit aufnahm, konnte erst einmal nur in Internetsitzungen zusammenkommen. Die Pandemie war wie eine Blockade, vor allem ging es um die Frage, ob und mit welchen Konzepten überhaupt Gottesdienste stattfinden können. „Ganz zu Anfang haben wir ein Konzept für Weihnachten erarbeitet. Wir haben viel Arbeit reingesteckt, doch am Ende ist es trotzdem ins Wasser gefallen. Das war sehr frustrierend“, gibt Annette Rienäcker zu. Obwohl sie aus persönlichen Gründen aus dem Presbyterium ausgeschieden ist, hat sie das Engagement dort in guter Erinnerung: „Es ist eine sehr engagierte Runde, der ich gerne beigewohnt habe. Ich wünsche ihr Gottes Segen für die Zukunft.“

Corona, das betont das Ehepaar Rienäcker, sei nicht der Grund für den Weggang aus Plettenberg, auch wenn Corona die Entscheidungsprozesse – also sich verändern zu wollen – beschleunigt haben mag.

„Wir werden am meisten die Menschen vermissen“, sagen beide, denn es seien in den sieben Jahren in der Vier-Täler-Stadt auch viele Freundschaften entstanden. Vermissen werde man aber auch „die Berge im Sonnenschein“, ergänzt Annette Rienäcker.

Die Gemeinde als Ganzes wird den beiden auch fehlen, mit der sie so positive Erinnerungen verknüpfen wie die großen Musical-Projekte mit mehr als 100 Teilnehmern oder den „anderen Gottesdienst“, den Annette Rienäcker mitorganisierte. Diese Gottesdienste fanden abends statt, mit mehreren Stationen zum Nachdenken und Beten. „Das wurde sehr gut angenommen, es nahmen mehr als 100 Leute teil.“

Dieses Format sei ebenso Corona zum Opfer gefallen wie das Café International für und mit Geflüchteten, das zum Glück inzwischen wieder angelaufen ist. „Diese Offenheit, wie das Kümmern um Geflüchtete, gehören zur Identität der Gemeinde“, stellt Dominik Rienäcker fest. „Ich finde diese Vielfalt toll, mit so mit vielen unterschiedlichen Kirchen und Kapellen und so vielen verschiedene Menschen, die die Gemeinde prägen“, sagt er und meint abschließend: „Ich hoffe diese Vielfalt auch in meiner nächsten Stelle wiederzufinden.“

Abschiedsgottesdienst

Am Sonntag, 26. Juni, findet um 14.30 Uhr der Abschiedsgottesdienst für Dominik und Annette Rienäcker in der Martin-Luther-Kirche statt. Die gesamte Gemeinde und Wegbegleiter sind dazu herzlich eingeladen.

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