Redakteurin begleitet Bauhofmitarbeiter

Ein Tag unterwegs mit dem Plettenberger Bauhof

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Unterwegs in der Straßenreinigung mit Rüdiger Maag und dem „Boki“.

Plettenberg – Der Winter 2019/ 2020 war sehr mild. Die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs hatten nur selten mit Schnee und Eis zu tun. Eine Frühschicht mit der Straßenreinigung zeigt jedoch: In Plettenberg gibt es so einige Baustellen, um die sich gekümmert werden muss.

Unterwegs mit „Boki“

Die Schicht beim Bauhof beginnt für gewöhnlich um 4.45 Uhr. Ich muss zugeben, dass ich wohl die Einzige am Besprechungstisch bin, die noch etwas müde ist. Die vier Männer von der Straßenreinigung sitzen schon gut gelaunt am Tisch mit dem Gärtnereimeister Martin Krippendorf und besprechen, was an diesem Tag ansteht. Ein letzter Kaffee, bevor es in die Fahrzeuge geht.

Für mich geht’s heute Morgen erst einmal ans Mülleimerleeren. Im Stadtgebiet sind rund 500 Müllbehälter ein- bis zweimal wöchentlich durch die Bauhofmitarbeiter zu überprüfen. Der Fahrer des Geräteträgerwagens, der im Fachjargon nur „Boki“ genannt wird, ist Rüdiger Maag aus Hülschotten. Der Mitarbeiter ist seit elf Jahren beim Plettenberger Bauhof beschäftigt, ebenso seine zwei Brüder Stephan und Matthias Maag. „Wir Hülschotter haben Plettenberg im Griff“, erzählt Rüdiger „Rambo“ Maag mit einem Lächeln.

Er ist mit seinem Bruder Stephan und den Kollegen Christopher Schmidt und Dominik Foert an diesem Tag in der Straßenreinigung im Einsatz. Für die vier Männer gilt, die kleine und große Kehrmaschine zu besetzen und weitere zwei „Bokis“, die individuell ausgerüstet werden können und sich beispielsweise bei Schnee und Eis zu Streufahrzeugen mit Pflug umfunktionieren lassen.

Der Winterdienst ist gesondert geregelt. Falls die Straßen eisig sind und/oder geräumt werden müssen, existiert eine Art Dienstbereitschaft.

Heute steht für unsere Fahrzeugbesatzung die Innenstadt, also insbesondere der Bereich rund ums Rathaus auf dem Plan. „Das Rathaus ist ein besonderer Ort. Wir legen sehr viel Wert darauf, dass es hier ordentlich aussieht und auch ist“, erklärt Rambo, wie er von seinen Kollegen genannt wird. Auch der Bereich am Kilian-Kirchhoff-Damm und der Bahnhof sind solche Orte, die täglich kontrolliert würden – als Aushängeschilder der Stadt.

Dieser Baum musste in Himmelmert gefällt werden.

Hausmüll & Saufgelage

Nach wenigen Einsammel-Halten wird das Entsorgungsverhalten der Plettenberger schnell ersichtlich: Besonders zu kämpfen haben die Mitarbeiter der Straßenreinigung mit Hundekot, Abfällen von Pizza- und Dönerresten, Flaschen und Scherben und mit Hausmüll, den die Plettenberger in den öffentlichen Behältern entsorgen. Auch die Hinterlassenschaften von nächtlichen Saufgelagen kommen besonders in den wärmeren Monaten hinzu. „Teilweise wird einfach das Fenster aufgemacht und die volle Windel plumpst nach unten in den Mülleimer. Man ist ja bequem“, erzählt Rüdiger Maag kopfschüttelnd. Er und seine Mitarbeiter haben sich ein dickes Fell zugelegt, was Empfindlichkeiten angeht. „Teilweise sprechen wir die Passanten sogar an – die ignorieren uns einfach“.

Pariser Plätze

Unsere Fahrt geht Richtung Tanneneck. „Den Platz dort oben rund um die Sehnsuchtsbirke nennen wir auch Pariser Platz – wegen der vielen Kondome, die hier besonders im Sommer zu finden sind“, erklärt er. Aktuell sei es ruhiger dort. Im Sommer „geht es da oben richtig bunt zu“, weiß Maag. Ein weiterer Platz dieser Art befände sich am Sonneborn.

Generell sei ein milder Winter eigentlich angenehm für die Mitarbeiter in der Straßenreinigung, denn: Besonders im Frühjahr und im Herbst habe man viel Arbeit mit herabfallendem Laub oder Blüten, die von Bäumen abgeworfen würden. „Bäume sind zwar schön anzusehen und wir brauchen sie – sie machen aber auch extrem viel Dreck, den wir täglich kehren müssen“, erklärt Maag.

Hundekot

Ein weiteres Problem sind die „Berge von Hundekot“, die besonders an den Radwegen auffällen. „Man hat das Gefühl, jeder Plettenberger hat mindestens einen Hund. Es ist so viel Kot und wird wirklich ständig mehr“, so Maag. Er sei froh darüber, dass der Großteil der Hundebesitzer die Hinterlassenschaften ihrer Hunde entsorgt, dennoch gebe es auch immer wieder Menschen, die die Haufen liegenlassen würden.

„Das ist besonders dann schlimm, wenn die Kollegen mit Mäharbeiten beschäftigt sind. Dann verteilt man ruck, zuck den ganzen Haufen auf seinen Klamotten und muss sich wieder komplett umziehen. Das ist unschön!“, macht Maag seinem Ärger Luft. Auch die Spenderboxen mit den Kottüten muss er an manchen Orten täglich auffüllen. „Manche Leute sind so dreist, dass sie einfach ganze Rollen aus den Spendern mitnehmen, weil sie zu faul sind, sich eigene Beutel zu kaufen. Das nervt.“

Kot in allen Farben.

Containerstandorte

Auf unserer Rundfahrt fahren wir die Containerstandorte am Eschen, an der Ziegelstraße (Rewe) und am Sportplatz Oestertal ab. „Das sind die Plätze, an denen alles Mögliche zu finden ist. Hier wird wirklich alles abgeladen – von Bauschutt über Elektroschrott bis hin zu Möbeln“, erklärt Maag. Auffällig seien auch die Deckel von Einmachgläsern, die „grundsätzlich auf dem Altglascontainer abgelegt werden“, was „totaler Quatsch“ sei. Die Deckel könnten nämlich problemlos mitrecycelt werden.

Party-Plätze

In der Innenstadt gibt es vereinzelte Plätze, an denen sich besonders im Sommer viele Jugendliche aufhalten. An diesen Orten – wie der vor dem Jugendzentrum, am Tanneneck und am Elsetalradweg (unter dem Viadukt in der Nähe der Firma Junior) und im neuen Parkhaus an der Brachtstraße – fallen immer wieder Überreste von „nächtlichen Saufgelagen“ auf. Becher, leere Wodka- und Whiskyflaschen, Chipstüten, Pfandflaschen, Zigarettenschachteln etc. „Es gibt einige Plätze davon im Stadtgebiet. Dort werden die aufgestellten Mülleimer einfach ignoriert und wir dürfen dann täglich für Ordnung sorgen“, so Maag. Es sei grundsätzlich kein Problem, wenn im Freien gefeiert würde, aber: „Bitte nutzt doch einfach die Mülleimer!“, appelliert der Bauhofmitarbeiter an die Feiernden.

Lkw-Standplätze

Auch Lkw-Standstreifen wie beispielsweise am Lehmweg in Holthausen müssen regelmäßig gesäubert werden. Dort wurden große Mülltonnen von Bauhof aufgestellt. „Das macht schon Sinn, denn die Lkw-Fahrer müssen ja schließlich auch irgendwo ihren Müll entsorgen“, erklärt Maag, der durchaus Verständnis dafür hat, dass hin und wieder Hinterlassenschaften dort zu finden seien. „Irgendwo müssen sie ja hin.“
Er würde sich in Plettenberg einen Lkw-Parkplatz mit einer vernünftigen Toilette wünschen. „Solch ein gut ausgestatteter Parkplatz müsste meiner Meinung nach auch von den Plettenberger Firmen finanziell unterstützt werden – das sind ja deren Fahrer.“

Müllbehälter

Es gibt fest installierte Mülleimer mit und ohne Deckel. „Die mit Deckel sind besser, da sich manche Vögel noch Essensreste aus den Verpackungen picken können und den Abfall dann wieder neben dem Behälter fallenlassen“, erklärt Maag.

Er würde auch im Zuge der aktuellen Umweltdebatten häufig von Passanten angesprochen, warum man zusätzlich Plastikbeutel in die Eimer hängen würde. „Das kann ich ganz einfach erklären: Die Eimer rosten teilweise unten durch. Da müssen wir leider mit zusätzlichen Beuteln arbeiten – es geht nicht anders“, erklärt er den simplen Grund.

Fazit

Die Männer der Straßenreinigung haben allein mit dem Leeren der vielen Müllbehälter im Stadtgebiet und mit der Säuberung der Grünstreifen täglich eine Menge zu tun.

„Wenn jetzt noch Schnee und Eis herrschen würde, kämen wir mit der Reinigung gar nicht hinterher. Solche Aufgaben müssen dann zusätzlich später am Tag in Angriff genommen werden. Dann kommt man aber an vielen Straßen im Stadtgebiet nicht mehr durch, da die Parkstreifen beparkt sind und wir mit den Kehrmaschinen nicht mehr in die Ecken kommen. Und dann wird natürlich irgendwann das Müllchaos immer größer“, erklärt Maag.

Generell könne er aber sagen, dass Plettenberg eine relativ saubere Stadt sei. Das liege zum einen am Verhalten der Bürger, die doch größtenteils auf die Umwelt achten würden, aber auch an den Mitarbeitern vom Bauhof, denn: „Uns liegt die Ordnung und Sauberkeit der Stadt am Herzen. Wenn ich uns mit Nachbarstädten vergleiche, sind wir definitiv weit vorne“, ist er zufrieden. Das sei aber nur möglich, weil man personell gut ausgestattet sei.

Hangsicherung in der Papenkuhle.

Einblicke in weitere der vielen Arbeitsbereiche des Baubetriebshofes

  • Forstarbeiten in Himmelmert: Ein kurzer Abstecher führt nach Himmelmert: An der Straße Im Hucksholl droht aufgrund eines starken Sturms ein Baum auf die Straße zu stürzen. Mit einer Seilwinde sind insgesamt vier Mitarbeiter des Bauhofes dabei, den Baum zu fällen und damit die Gefahr zu beseitigen. Auch das sind Aufgaben, die der Bauhof im Stadtgebiet regelmäßig übernehmen muss. Zum Glück gibt es beim Bauhof gelernte Forstwirte, die hier mit Fachwissen und Erfahrung ans Werk gehen können. 
  • Gewässerschutz in Ohle: Am Radweg unterhalb der Gringelkurve in der Papenkuhle laufen derweil Arbeiten zur Hangsicherung beziehungsweise Arbeiten zum Gewässerschutz. Ein Wasserrohr ist komplett unterspült worden und droht abzusacken. Um den Hang zu sichern, werden mit einem Bagger große Steine unter dem Rohr als Stützsteine angebracht. Dafür sind an diesem Tag Ralf Bialoian und Patrick Minkau vom Fachgebiet Gewässerschutz/ Straßenunterhaltung beschäftigt. „Wir haben einen Kollegen, der fährt alle städtischen Straßen, Wege und Fahrradwege ab und kontrolliert die Abschnitte. Er meldet täglich, wo etwas getan werden muss“, erklärt Rüdiger Maag. Es fielen täglich viele neue Aufgaben an. 
  • Schreiner-, Maler- und Werkstatt-Arbeiten: Beim städtischen Bauhof arbeiten nur diejenigen, die vorher eine Berufsausbildung abgeschlossen haben. „Die meisten hier bringen eine handwerkliche Ausbildung mit. Unter den aktuell 49 Mitarbeitern kommt da einiges an Fachkenntnissen und Kompetenzen zusammen“, weiß Rüdiger Maag. Raphael Spreemann ist beispielsweise Schreiner und auf dem Bauhof in der eigenen, voll ausgestatteten Werkstatt für die Arbeiten mit Holz zuständig. Aktuell erneuert er die komplette Küchenfront des städtischen Familienzentrums an der Ernst-Moritz-Arndt-Straße. Jörg Scholz hingegen ist die Werkstatt-Fachkraft in den hauseigenen Hallen. Alles was mit Fahrzeugen zu tun hat, geht über seinen Tisch. „Wenn mal ein Hydraulikschlauch platzt oder ein Reifen kaputtgeht, brauchen wir nicht extra in eine Kfz-Werkstatt zu fahren. Die meisten Reparaturen können wir hier selber bewerkstelligen“, erklärt Rüdiger Maag.
  • Weitere Aufgaben: die Straßenunterhaltung, die Kanalüberwachung / Kanalunterhaltung, die Gewässerunterhaltung, die Feuerlöschteiche, die Unterhaltung und Neugestaltung der Straßenbeleuchtung, die allgemeine Grünflächenpflege (Büsche, Beete im Stadtgebiet, Außenanlagen öffentlicher Gebäude), die Pflege der städtischen Friedhöfe und die Vor- und Nachbereitung von Beerdigungen, Kinderspiel- und Bolzplätze, Sportanlagen, Gebäudeunterhaltung, Inventarunterhaltung in Schulen, Kindergärten und Jugendzentrum, Hausmeistervertretungen, Einsätze zur Gefahrenabwehr, Mithilfe bei Veranstaltungen (PleWo,P-Weg usw.), Lagerhaltung von Materialien, Geräten, Transport und Aufbau von Bühnenelementen, Transporte, Umzüge, Arbeiten in Verbindung mit Wahlen, Sonderbeschilderungsarbeiten im Auftrag des Ordnungsamtes, Installation der Weihnachtsbeleuchtung.

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