Licht-Aktion in Plettenberg

„Unsicherheit macht krank“: Friseure schlagen Alarm

Kerstin Stütz und Jane Zawieja vom Salon Haarscharf.
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Kerstin Stütz und Jane Zawieja vom Salon Haarscharf fordern die Politik zum Handeln auf.

„Licht an, bevor es ganz ausgeht“: Zusammen mit zehntausenden Salons deutschlandweit haben Plettenberger Friseure in der Nacht von Sonntag auf Montag auf ihre schwierige Lage in der Corona-Zeit aufmerksam gemacht und die Betriebe hell erleuchtet.

Plettenberg – Seit über sechs Wochen haben sie jetzt geschlossen. Perspektiven, wann und wie es weitergeht, gibt es kaum. Auch an richtigen Hilfen für die Branche mangelt es bisher. Die Lage sei ernst.

Haarscharf

Jane Zawieja, Inhaberin von Haarscharf in Eiringhausen, findet beim Gespräch am „Licht an“-Sonntag klare Worte: „Die Hilfen sind nicht so großzügig, wie sie von Politik und Medien verkauft werden.“ Die Soforthilfe aus dem Frühjahr habe sie komplett zurückzahlen müssen. Damals hatte es 9000 Euro gegeben, die drei Monate abdecken sollten. Sechs Wochen davon durften Salons allerdings öffnen. Letztlich musste der volle Betrag zurückgezahlt werden.

Auch bei der Beantragung des Kurzarbeitergelds im Dezember habe es erhebliche, bürokratische Schwierigkeiten gegeben, so Zawieja.

Im Januar dieses Jahres wurde die „Überbrückungshilfe III“ auf den Weg gebracht für Fixkosten wie Miete. Auch hier laufe es alles andere als rund. Denn: „Die können wir jetzt noch nicht einmal beantragen.“ Und wenn, dann würde dies auch nur über den Steuerberater gehen.

Die beste Hilfe für Salons sei eine möglichst schnelle Öffnung. Und die könnte, wenn es nach Zawieja geht, eher früher als später kommen. „Es gab im letzten Jahr nur sechs gemeldete Corona-Fälle in Friseurbetrieben“, er klärt sie mit Blick auf Zahlen der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege. Das gilt für ganz Deutschland mit 80.000 Betrieben.

Und dazu kommt dann noch: „Wir Friseure gehören zum Handwerk. Wir sind keine Dienstleister“, kann Zawieja die Entscheidung der Politik nicht nachvollziehen, dass Friseure – im Gegensatz zu anderen Handwerkern – nicht arbeiten dürfen.

Zusammen mit Mitarbeiterin Kerstin Stütz hat sie die Corona-Nachrichten fest im Blick. Sie hoffen, dass die Politik bald Perspektiven gibt, wann es endlich zu Öffnungen kommen kann. Die beiden wollen wieder Termine vereinbaren – aktuell mache das einfach keinen Sinn. „Wir vermissen unsere Kunden.“ Anfragen zur Schwarzarbeit würden mit einem rigorosen „Nein“ beantwortet.

Trotz der schwierigen Corona-Lage haben Jane Zawieja und Kerstin Stütz ihre gute Laune nicht verloren. Sie richten den Blick nach vorn: Im August soll das 20-jährige Jubiläum des Eiringhauser Friseur-Salons groß gefeiert werden – hoffentlich ohne Corona.

Viele Plettenberger Friseure - hier das Haar-Atelier Archondaki - beteiligten sich an der Licht-Aktion, mit der auf die Not der Branche wegen des Corona-Lockdowns hingewiesen werden sollte.

Haar-Atelier Archondaki

„Wir brauchen jetzt entweder schnelle und unbürokratische Hilfen oder die Zusage, dass wir am 14. Februar wie der aufmachen können“, sagt Chefin Maria Archondaki vom gleichnamigen Haar-Atelier an der Bahnhofstraße.

„Die Unsicherheit macht krank“, sagt sie. Eine Perspektive müsse her. Um auf die Situation aufmerksam zu machen, hat sie ab Sonntagmittag für 24 Stunden die Lichter in ihrem Salon an der Bahnhofstraße eingeschaltet.

„Wir machen nicht krank, wir machen schön“, betont Archondaki, die wie viele Branchen-Kollegen große Summen in Hygienemaßnahmen investiert habe. Dazu gehören Handschuhe, literweise Desinfektionsmittel und Schutzwände. In einer Ecke steht eine Luftfilteranlage. Hinzu kommt, dass das Gesundheitsamt in der gesamten Corona-Zeit noch nicht ein einziges Mal eine der Kontaktlisten angefordert habe, weil Verdacht auf Ansteckung bestand.

Für die Inhaberin steht fest: Der professionelle Haarschnitt ist deutlich sicherer, als Haarschnitte „zuhause bei einem Kaffee“, wie es sie momentan häufig gebe. Sie selbst berichtet von zahlreichen dieser Anfragen: „Die lehnen wir alle sofort ab.“

Im Salon fühlten sich die Kunden mit den ganzen Corona-Maßnahmen sicher und wohl, berichtet Archondaki von ihrer Kundschaft.

Im Gespräch schwärmt sie von ihren „neun wundervollen Mitarbeitern“ – auch für die sei diese Zeit schwer. Weniger Nettogehalt sei das eine – nicht zu wissen, wie und wann es endlich weitergeht das andere.

Gärtner Friseursalon

„Die Situation ist eine große Katastrophe“, sagt Stefanie Gärtner, die bei der „Licht an“-Aktion mitgemacht hat. Über elf Jahre hat sie sich ihren Salon an der Wilhelmstraße aufgebaut. Drei Mitarbeiter haben hier ihren Arbeitsplatz.

Nachdem der Salon wegen des Lockdowns wieder seit über sechs Wochen geschlossen hat, würde es langsam ernst. Dass es am 15. Februar weitergeht, wenn die neueste Lockdown-Verlängerung enden soll, glaubt Gärtner nicht.

„Wir fühlen uns von der Politik im Stich gelassen“, sagt sie. „Wir warten jeden Tag auf Entscheidungen.“ Auf die Dezemberhilfen, die sich am Vorjahresumsatz orientieren, haben Salons keinen Anspruch, weil sie bis zum 16. Dezember offen hatten. Die „Überbrückungshilfe III“ könne bald nur der Steuerberater beantragen, der natürlich auch Geld kostet. Wann, steht allerdings noch nicht fest. Somit ist auch unklar, wann das Geld fließt.

Das Beste wäre, wenn sie jetzt möglichst schnell wieder ihren Salon öffnen und arbeiten könnte. So könnten Haare in sicherer Umgebung mit den ganzen Hygienemaßnahmen geschnitten und gestylt werden. Das wäre auch gut, um Schwarzarbeit zu verhindern. Gärtner berichtet von vielen Anfragen, sagt aber klar: „Das machen wir nicht!“

Central-Friseur

Auch Friseurmeisterin Alexandra Hein, Inhaberin des Central-Friseurs, hat sich an der Lichtaktion beteiligt. Doch eigentlich wünscht sie sich, dass jetzt den Verantwortlichen der Regierung „ein Licht aufgeht. Wir brauchen dringend eine Vorplanung. Es darf nicht passieren, dass wir wieder erst einen Tag vorher Bescheid bekommen, dass wir wieder öffnen dürfen“, sagt Hein, die beim Ende des letzten Lockdowns an einem Sonntag fünf Stunden mit der Terminvergabe für die nächsten Tage verbracht habe.

„Da macht sich von denen da oben überhaupt keiner Gedanken“, bemängelt die Plettenbergerin, die vorhat, ihre Öffnungszeiten zu verlängern, um die Vielzahl an Terminanfragen zu bewältigen. „Wir werden wohl in Schichten arbeiten“, plant Hein den Neustart, den sie herbeisehnt, wobei sie die damit verbundene Hektik hasst. „Ich möchte eigentlich für jeden Kunden viel Zeit haben und nicht auf die Uhr schauen müssen, weil wir alles genau durchtakten müssen in der Corona-Pandemie.“

Denn der Wartebereich ist bei ihr weggefallen. Wenn ein Kunde fertig ist, sollte der andere bereits vor der Tür warten. Dies sei eine besondere Herausforderung, ebenso wie die finanzielle Bewältigung der Krise, denn auch bei ihr sei die staatliche Unterstützung bisher sehr überschaubar ausgefallen.

Fest steht: So wie jetzt, gehe es nicht mehr lange weiter. Gärtner: „Ab dem 1. März brauchen wir einen Plan B.“

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