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Über 40 Jahre im Kindergarten: „Hier wird es nie eintönig“

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Von: Johannes Opfermann

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Auf Umwegen kam Christine Winkler ins Familienzentrum. Kindergärtnerin war schon als Kind ihr Berufswunsch.
Auf Umwegen kam Christine Winkler ins Familienzentrum. Kindergärtnerin war schon als Kind ihr Berufswunsch. © Opfermann, Johannes

Mehr als 40 Jahre arbeitet Christine Winkler bereits im Evangelischen Familienzentrum Mittendrin. Nachdem sie Generationen von Plettenberger Kindern betreut und bis zum Schuleintritt begleitet hat, hat sie Ende Juni ihren letzten Arbeitstag.

Plettenberg – Um ihre jahrzehntelange Arbeit der 63-Jährigen zu würdigen, hatte sich das Team des Familienzentrums eine Überraschung überlegt: Christine Winkler sollte in die Zeitung und dabei auch berichten, wie sich der Erzieherinnenberuf seit 1980 verändert hat. Denn das könne wohl kaum jemand so gut wie das Kita-Urgestein. Am 30. Juni ist der offiziell letzte Arbeitstag, danach ist Winkler freigestellt, nachdem sie die vergangenen zwei Jahre schon in Altersteilzeit etwas weniger gearbeitet hat.

Stürmische Begrüßung durch kleine „Gorillas“

Wegen der Teilzeit kommt sie morgens meist etwas später in ihre Gorilla-Gruppe, wird dabei aber umso stürmischer und herzlicher von den kleinen „Gorillas“ begrüßt, berichtet sie: „Ich freue mich, wenn ich morgens reinkomme und die Kinder auf mich zugeschossen kommen und in den Arm nehmen.“

Seit 42 Jahren ist sie im Evangelischen Familienzentrum Mittendrin – nur drei Jahre machte sie zwischendurch Pause, um sich um ihre eigenen Kinder zu kümmern. An der Begeisterung für den Job hat sich in all dieser Zeit nichts geändert. „Die Arbeit mit den Kindern hat mir immer besonders viel Spaß gemacht“, sagt Winkler. „Ich könnte mir nicht vorstellen, so lange Zeit im Büro oder in einer Fabrik zu arbeiten. Hier in der Kita ist es nie eintönig, es ist immer was los.“

Die Arbeit mit den Kindern ist ihr Wunschberuf. „Ich wollte schon als Kind Kindergärtnerin werden, wie es damals hieß, bin dann aber auf Umwegen hierhin gekommen“, erzählt Winkler, die keine Ausbildung zur Erzieherin gemacht hat, sondern studierte Diplom-Sozialpädagogin ist. Erst einmal musste die gebürtige Plettenbergerin nach dem Realschulabschluss die Fachoberschule besuchen. Den praktischen Teil machte sie im Evangelischen Kindergarten, der damals noch kein Familienzentrum war.

Nach dem Studium an der Fachhochschule für Sozialpädagogik in Dortmund war es allerdings schwierig eine Stelle zu finden, berichtet Winkler. Außerdem musste sie noch ein Anerkennungsjahr machen. Sie fragte in der Plettenberger Einrichtung an, die sie schließlich noch kannte. Dort machte sie dann nicht nur das Anerkennungsjahr, sondern blieb dauerhaft. Offiziell angefangen hat sie am 1. Oktober 1980. Die Unterschiede zwischen dem Kindergarten damals und heute sind deutlich.

„Es waren damals wesentlich mehr Kinder in einer Gruppe, 25 bis 30 Kinder, und nur wenig Personal – wir waren in einer Gruppe nur zu zweit“, erinnert sich Winkler. Phasenweise besuchten die Kinder nur in den zwei Jahren vor der Schule den Kindergarten, denn in den geburtenstarken Jahrgängen gab es einfach nicht mehr Plätze bei so vielen Kindern. Weil die Geburtenjahrgänge kleiner wurden, konnten nach und nach auch jüngere Kinder aufgenommen werden. Eine Betreuung für Kinder unter drei Jahren gab es aber erst später.

„Werden einzelnem Kind besser gerecht“

Nicht nur die Gruppen, auch die Räume waren größer als heute. Dort wo im Erdgeschoss des Familienzentrums heute der Schlafraum der Panther-Gruppe ist, hatte Winkler lange ihre Gruppe mit 28 Kindern. Eine zweite Ebene, die heute ebenfalls genutzt werden kann, gab es in dem Raum allerdings noch nicht.

„Die Kinder hatten noch nicht diesen starken Bewegungsdrang – heute 28 Kinder in einen Raum zu packen, das ginge nicht“, sagt Winkler. Früher konnte man mit so großen Gruppen im Stuhlkreis sitzen und ein Buch vorlesen oder ein Spiel machen. „Heute haben wir Kleingruppen und nicht so viele Kinder auf einmal, um die Kinder altersgerechter zu betreuen“, zieht Winkler den Vergleich zu heute. „Das ist auf jeden Fall besser. Man kann dem einzelnen Kind so besser gerecht werden und auch gezielter fördern, auch weil wir personell besser bestückt sind.“

„Mittendrin“ zwischen den Kindern in der Gorilla-Gruppe: Christine Winkler arbeitet seit 42 Jahren im Evangelischen Familienzentrum.
„Mittendrin“ zwischen den Kindern in der Gorilla-Gruppe: Christine Winkler arbeitet seit 42 Jahren im Evangelischen Familienzentrum. © Opfermann, Johannes

In Winklers Gorilla-Gruppe werden 24 Kinder zwischen drei und sechs Jahren von fünf Personen betreut – vier ausgebildete Kräfte, eine Praktikantin. Trotzdem könne man im Kita-Bereich jede Menge zusätzliches Personal gebrauchen, sagt Winkler.

Der Zusammenhalt im Team sei einer der schönsten Aspekte ihrer Arbeit sagt Winkler, die schon drei unterschiedliche Leitungen miterlebt hat. Auch die Einrichtung selbst hat sich verändert. Aus drei wurden erst vier, dann fünf Gruppen, begleitet von entsprechenden An- und Umbauten. Außerdem wurde aus der Kita ein Familienzentrum, was sich auch auf die inhaltliche Arbeit auswirkte.

„Wir machen wesentlich mehr pädagogische Arbeit als früher“, sagt Christine Winkler. Es müsse viel dokumentiert werden und dadurch, dass die Kita ein Familienzentrum ist, befänden sich nicht nur die Kinder, sondern die ganzen Familien mit im Boot. „Die Angebote am Nachmittag für Mutter und Kind oder Vater und Kind – das fließt alles in den Arbeitsalltag mit ein.“

Aus Kita-Kindern werden Kita-Eltern

Einige dieser Eltern kennt sie sogar von früher. „Ich treffe hier einige, die schon bei mir im Kindergarten waren und jetzt ihre eigenen Kinder in die Kita bringen“, sagt Winkler. Auch in der Stadt komme es schon einmal vor, dass ehemalige Kita-Kinder von der anderen Straßenseite ihren Namen rufen.

Der Zeit nach ihrem letzten Arbeitstag am 30. Juni blickt Winkler mit gemischten Gefühlen entgegen. „Ich freue mich darauf, Zeit zu haben und möchte mit meinem Mann sehr viel reisen“, sagt sie, glaubt aber auch, dass sie die Arbeit mit den Kindern erst einmal vermissen wird: „Etwas, das man 42 Jahre gemacht hat, zurückzulassen – das wird schon komisch sein.“

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