Uni Siegen forscht zum Sauerländer Platt

„Tuffle“ und „Ääpel“: Wer kann noch heimische Mundart?

Sauerländer Platt war zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als dieses Foto einer Familie auf der Uhlandbrücke entstand, im heimischen Raum noch allgegenwärtig.
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Sauerländer Platt war zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als dieses Foto einer Familie auf der Uhlandbrücke entstand, im heimischen Raum noch allgegenwärtig.

Sie geraten zusehends in Vergessenheit: die heimischen Mundarten und Dialekte. So gibt es in Plettenberg und Umgebung beispielsweise immer weniger Menschen, die das Sauerländer Platt sprechen und verstehen können. Wer aber noch etwas mit „Tuffle“ und „Ääpel“ anfangen kann, ist dazu aufgerufen, sich an einem besonderen Projekt der Universität Siegen zu beteiligen.

Plettenberg – Denn die Hochschule sucht für den Dialektatlas Mittleres Deutschland (DMW) interessierte Personen, die das Wissen über ihre Mundart teilen möchten. Das Untersuchungsgebiet der Universität Siegen umfasst unter anderem die Plettenberger Ortsteile Bremcke und Kückelheim sowie die Gemeinde Herscheid.

Im heimischen Raum wurde einst vor allem Sauerländer Platt gesprochen. Doch bereits von Gemeinde zu Gemeinde gab es Unterschiede, wie die Plettenberger Friedhelm Melzner und Lotti Haase, die diese Mundart noch beherrschen, im ST-Gespräch einst erklärten. Deutlich wird dies an der Bezeichnung für „Kartoffel“: Während man in der Vier-Täler-Stadt von „Ääpel“ sprach, hieß die beliebte Knolle in der Ebbegemeinde „Tuffle“.

Damit Mundarten wie diese nicht in Vergessenheit geraten, hat die Universität Siegen dieses Projekt ins Leben gerufen – gefördert von der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften und der NRW-Akademie der Wissenschaften und der Künste. Es gelte vor allem, ein besonderes Kulturgut für spätere Generationen zu bewahren und öffentlich zugänglich zu machen.

Die Erhebungen sollten bereits im vergangenen Jahr stattfinden, konnten jedoch coronabedingt nicht durchgeführt werden. Denn für die Untersuchung sei es wichtig, Interviews von Angesicht zu Angesicht führen zu können. Die Forscher würden – unter Einhaltung der Hygienevorschriften – die Mundart-Sprecher zu Hause besuchen. Mit Hilfe von Fotos, Umschreibungen, Videos und Lückentexten sollen insbesondere Begriffe aus den Bereichen Haus, Hof, Leben und Umwelt in den jeweiligen Dialekt übertragen werden. Insgesamt sollen rund 3 000 Mundart-Sprecher in etwa 1 000 Orten in NRW, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz in Einzelgesprächen befragt werden.

Möglich sei die Teilnahme auch mittels einer eigens entwickelten Smartphone-App. Ein Projekt-Mitarbeiter würde über das Videokonferenz-Portal Zoom zugeschaltet, um die Teilnehmer durch die Befragung zu führen.

Wer mitmachen und damit ein Stück heimischer Geschichte sichern möchte, sollte 70 Jahre oder älter sein, seit der Geburt in dem jeweiligen Ort oder Ortsteil aufgewachsen sein und mindestens ein Elternteil sollte ebenfalls aus dem Ort stammen.

Anmeldung

Wer sich angesprochen fühlt, kann sich bei Petra Solau-Riebel (Tel. 0 151 - 28 89 54 87; E-Mail: solau-riebel@germanistik.uni-siegen.de) melden. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite www.dmw-projekt.de.

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