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Trotz Regens: März so trocken wie nie zuvor - Waldbrandgefahr hoch

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Von: Johannes Opfermann

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Waldbrände hat es in den vergangenen Jahren in Plettenberg vermehrt gegeben. Eine der Hauptursachen ist die durch den Klimawandel verursachte Trockenheit. 	ARCHIVFoto
Waldbrände hat es in den vergangenen Jahren in Plettenberg vermehrt gegeben. Eine der Hauptursachen ist die durch den Klimawandel verursachte Trockenheit. ARCHIVFoto © Feuerwehr Plettenberg

Auch wenn es zum Monatsende noch einmal geregnet hat - insgesamt war der März 2022 der trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Entsprechend hoch schätzt Revierförster Henning Stolz die Waldbrandgefahr ein.

Plettenberg – Trockenes Wetter und dazu jede Menge Totholz sorgen auch in den Waldgebieten rund um die Vier-Täler-Stadt für eine erhöhte Waldbrandgefahr. Erst Mitte März hatte im Bommecketal Schlagabraum gebrannt. Für Revierförster Henning Stolz birgt das Fehlverhalten der Waldbesucher die größte Brandgefahr. Mit der richtigen Ausrüstung bereitet sich indes die Plettenberger Feuerwehr auf Waldbrandeinsätze vor.

„Dieser März war der trockenste und wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen“, sagt Henning Stolz, der für den Forstamtsbezirk Eiringhausen verantwortlich ist. „Nach den Trockenjahren 2019 und 2020 haben wir schon alle Rekorde gebrochen.“ Diese hatten die Baumbestände stark geschwächt, die dann dem Borkenkäfer nichts entgegenzusetzen hatten. Das Ergebnis ist überall rings um Plettenberg zu sehen. „Jetzt wird der nächste Rekord direkt hinterher geschoben.“

„Doppelt und dreifach gefährlich“

Die Waldbrandgefahr sieht Stolz auch rund um Plettenberg erhöht. „Es ist sehr trocken im Wald, gerade der Oberboden. Dazu haben wir jede Menge Totholz und Restholz im Wald, dazu viele Holzpolter.“ In Balve hätten in den vergangenen Monaten mehrfach solche Holzstapel gebrannt, erinnert Stolz. Das allerdings nicht von selbst. Waldbrände seien eigentlich immer auf menschliches Fehlverhalten oder Blitzschlag zurückzuführen.

Zumindest auf das eigene Verhalten und das der Mitmenschen haben Waldbesucher Einfluss. Solange sich die Waldbesucher an die Regeln hielten, dürfte aus Stolz’ Sicht nichts passieren. Dass man im Wald kein Lagerfeuer machen kann, versteht sich da schon von selbst. „Durch die Trockenheit und das Totholz ist das doppelt und dreifach gefährlich“, sagt der Revierförster. Ebenso wie das Feuermachen sei natürlich auch das Rauchen im Wald zu unterlassen. Zwischen dem 1. März und dem 31. Oktober ist Rauchen im Wald verboten.

Im März die größte Waldbrandgefahr

Dass das Rauchverbot bereits ab März gelte, sei laut Stolz kein Zufall. „Der März ist generell der Monat mit der höchsten Waldbrandgefahr und nicht der August, wenn man noch Sommerniederschläge hat“, erklärt er. „Im März ist alles kahl, es ist kein Laub da und wir haben die erste warme Witterung mit starker Sonneneinstrahlung – das führt regelmäßig zu Waldbrandgefahr.“ Die Sonne komme auch überall in die Bereiche, die im Sommer vom Laub beschattet sind.

Apropos: Dass die Sonnenstrahlen von Glasscherben so stark gebündelt werden, dass dadurch ein Waldbrand entstehen kann, sei laut Stolz eher eine Mär, die sich aber hartnäckig hält. „Ein Flaschenboden hat keine Linsen- oder Lupenwirkung – das Risiko ist so gering, dass ich das ausschließen würde“, sagt Stolz. Nichtsdestotrotz sollten Glasscherben und anderer Müll natürlich nicht im Wald hinterlassen werden.

Angesichts der erhöhten Waldbrandgefahr könnten auch die Osterfeuer, die bald abgebrannt werden, ein Risiko darstellen. Grundsätzlich gilt bei Osterfeuern, so hatte es Ordnungsamtsleiter Thorsten Spiegel erst diese Woche im ST noch einmal betont, müssen in der Regel 100 Meter Abstand zum Waldrand eingehalten werden. Laut Stolz wäre in dieser Hinsicht einzig das große Osterfeuer am Tanneneck ein neuralgischer Punkt gewesen. Bisher sei aber auch dort nichts passiert. „Wenn die Osterfeuer auf weiter Flur sind, mache ich mir da keine Sorgen“, sagt Stolz. Für ihn bleibt der größte Risikofaktor in puncto Waldbrandgefahr das menschliche Fehlverhalten im Wald.

Schlauchcontainer und Waldbrandrucksäcke

Um für den Fall eines größeren Waldbrandes gewappnet zu sein, hat die Plettenberger Feuerwehr in den vergangenen Wochen die Beladung der Fahrzeuge mit entsprechender Waldbrandausrüstung angepasst.

„Wir haben diverse Fahrzeuge umgerüstet“, berichtet Feuerwehrsprecherin Lisa Vedder. Der Gerätewagen Logistik – kurz GW-L –, der von der Wache sowie vom Löschzug Stadtmitte besetzt wird, wird mit Schlauchcontainern ausgerüstet. „Diese Container werden auf der Ladefläche des Gerätewagens befestigt, sodass schon während der Fahrt Schläuche ausgelegt werden können“, erklärt Vedder.

Waldbrandrucksäcke enthalten kleinere Schläuche, Rohre und Verteiler.
Waldbrandrucksäcke enthalten kleinere Schläuche, Rohre und Verteiler. © Feuerwehr Plettenberg

Zwei dieser Container mit je 500 Metern Schlauch hat der GW-L geladen, zwei weitere sowie ein Rollcontainer mit Waldbrandhandwerkzeug stehen noch an der Wache in Reserve bereit. Außerdem habe jeder der drei Löschzüge einen großen Faltbehälter mit einem Fassungsvermögen von 1 000 Litern erhalten. Sie werden auf dem Fahrzeug mitgeführt und dann vor Ort gefüllt, um als Wasserpuffer zu dienen.

„Alle Löschgruppen haben außerdem Waldbrandrucksäcke bekommen, bei denen die Strahlrohre, Schläuche und Verteiler kleiner sind“, sagt Feuerwehrsprecherin Vedder. Kommen sonst bei der Feuerwehr in der Regel B- oder C-Rohre zum Einsatz, sind es bei Waldbränden eher C- und D-Rohre; letztere sind etwa so dick wie normale Gartenschläuche.

Durch die leichtere Ausrüstung sollen die Einsatzkräfte mobiler sein, wenn sie bei Waldbränden tief ins oftmals schwierigere Gelände hinein müssen. „So kommen wir die Hänge hinauf, schonen dabei aber unsere Kräfte.“

Außerdem sind die Feuerwehrleute zu sparsamen Löschmaßnahmen angehalten, solange noch keine Wasserversorgung hergestellt ist – ein weiterer Grund für die Verwendung der kleineren D-Schläuche.

„Arbeiten bei großer Wärme ist für uns Feuerwehrmitglieder Teil unserer Arbeit, trotzdem bringt es bei hohen Sommertemperaturen auch für uns zusätzliche Gefahren zum Beispiel eine Hitzeerschöpfung oder gar einen Hitzschlag bei vierlagiger Kleidung. Daher haben wir in den letzten Jahren sinnvoll in Schutzkleidung unter anderem für Wald- und Flächenbrände investiert“, erklärt Lisa Vedder.

Auch die Drohne des Deutschen Roten Kreuzes habe die Feuerwehr schon des Öfteren bei der Lokalisierung von Waldbränden unterstützt, zuletzt auch bei dem Brand im Bereich Bommecketal, der sich erst nicht genau verorten ließ. Die Drohne liefere nicht nur eine sehr gute Bildqualität, sondern könne mit der eingebauten Wärmebildkamera auch Glutnester lokalisieren.

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