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Tritte gegen den Kopf? 25-Jähriger wegen versuchten Totschlags vor Gericht

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Von: Thomas Krumm

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Symboldbild Justizia
Einem Plettenberger wird vorgeworfen, einen am Boden liegenden Mann mehrmals gegen den Kopf getreten zu haben. Dem Angeklagten wird versuchter Totschlag vorgeworfen.  © Symbolbild: dpa

Lebensgefährliche Folgen hatten am 30. November 2020 die Tritte eines heute 25-jährigen Mannes aus Plettenberg gegen den Kopf eines am Boden liegenden 19-Jährigen. Nebel verhinderte, dass das Opfer der Attacke mit einem Hubschrauber ausgeflogen werden konnte. Ein Krankenwagen brachte ihn schließlich in eine Klinik in Bochum, wo sein Leben durch eine Notoperation gerettet werden konnte.

Plettenberg/Altena – Ins Amtsgericht Altena kam der Angeklagte aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Werl, wo er noch 22 Monate einer Haftstrafe wegen einer anderen gefährlichen Körperverletzung absitzen muss. Nun drohten ihm im Amtsgericht bis zu vier weitere Jahre wegen der erneuten Gewalttat. Doch es kam für ihn noch schlimmer: Das Schöffengericht verwies die Sache an eine Schwurgerichtskammer des Landgerichts. „Nach dem bisherigen Stand der Beweisaufnahme kommt eine Straftat des versuchten Totschlags in Betracht“, verkündete Richter Dirk Reckschmidt die Entscheidung. Der Angeklagte habe den Zeugen „so gegen den Kopf getreten, dass eine Gehirnblutung entstanden ist, und es war dem Zufall überlassen, ob der Zeuge das überlebt“.

Das Opfer der Attacke konnte sich trotz der traumatischen Ereignisse noch recht gut erinnern: In einem Lotto- und Tabakgeschäft habe der damals 19-Jährige an jenem Tag Zigaretten gekauft und beim Rausgehen den Angeklagten getroffen. Der habe ihn mit einem ersten Schlag gegen den Kopf zu Boden gebracht und dann mehrfach gegen seinen Kopf getreten.

Der zum Tatzeitpunkt 19-Jährige habe sich in das Geschäft geflüchtet, wo die Auseinandersetzung weiter gegangen sei. Das Personal habe die beiden vor die Tür gesetzt, wo der Angeklagte erneut einen Schlag gegen den Kopf des 19-Jährigen gesetzt habe. Der junge Mann sei zunächst noch auf den Beinen geblieben und mit seinem Auto nach Hause gefahren. Dann sei er nach einem ersten Zusammenbruch ins Krankenhaus gefahren, anschließend nach Hause zurückgekehrt und sei mit „wahnsinnig starken Kopfschmerzen“ und Lähmungserscheinungen erneut in die Klinik eingeliefert worden, von wo aus er nach Bochum verlegt wurde. Dort wurde ihm der Schädel geöffnet und ein Blutgerinnsel entfernt. Die großflächige Operation hinterließ eine große Narbe.

Warum tut jemand so etwas? Der Zeuge zitierte den Angeklagten mit den Worten: „Hast du was mit meiner Ex-Freundin?“ Seine kurze Antwort: „Ja es stimmt.“ Dann habe er weggehen wollen und den ersten Schlag gegen den Kopf bekommen.

Der Angeklagte legte ein Geständnis ab, das den entscheidenden Punkt zurückwies. Er gab zu, dass er den 19-Jährigen mehrfach geschlagen und getreten hatte – aber „nicht gegen den Kopf, sondern gegen den Hintern“.

Sieben Wochen nach der Tat wurde ein bisschen Kokain bei einer Durchsuchung des Angeklagten in Herscheid gefunden, was den Hintergrund seiner Probleme deutlich machte. Eine erste Drogenentzugstherapie im Rahmen seiner derzeitigen Inhaftierung war allerdings gescheitert. Aus der Therapieeinrichtung war er in die forensische Klinik in Lippstadt-Eickelborn verlegt worden, dort ging es nach Auseinandersetzungen mit dem Pflegepersonal in ein Einzelzimmer und schließlich in die JVA Werl. Bis zur erneuten Verhandlung vor einer Schwurgerichtskammer des Landgerichts Hagen ist er dort sicher verwahrt.

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