Veranstaltung der Kunstgemeinde

Theaterstück „Bella Figura“ hinterlässt gespaltenes Publikum

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Erst ganz am Ende springt der rote Renner auf der Bühne an. Hier fühlt sich unter anderem Doris Kunstmann auf der Motorhaube wohl.

Plettenberg – „Bella Figura“ kommt aus dem Italienischen und heißt soviel wie „einen guten Eindruck machen“. Das war für die Beteiligten im gleichnamigen Stück in der gut gefüllten Böddinghauser Aula am Sonntag fast unmöglich.

Eingeladen hatte die Kunstgemeinde das Euro-Studio Landgraf. Boris, braungebrannt, blauer Anzug, Lederschuhe, und seine Affäre Andrea, rauchende Apothekerin mit einer Handtasche voller Pillen, haben sich zum Schäferstündchen verabredet. Vorher soll es schick essen gehen. Dummerweise rutscht dem von Firmeninsolvenz bedrohten Boris raus, dass seine Ehefrau das Restaurant ausgesucht hat. Eine Nebensächlichkeit, möchte man meinen. Das sieht Andrea anders. Die beiden streiten, souverän gespielt von Heio von Stetten und Julia Hansen.

Richtig los gehen die Probleme aber erst, als Boris beim Verlassen des Parkplatzes eine alte Dame anfährt. Leidtragende ist Yvonne (Doris Kunstmann), die mit ihrem optimistischen Sohn Erik und ihrer zukünftigen Schwiegertochter Fransçoise gemütlich Essen gehen will. Glücklicherweise kommt sie mit dem Schrecken davon. Und weil ihr Geburtstag ist, lädt sie kurzerhand Andrea und Boris ein. Die sehen sich nach dem Unfall gezwungen, die Einladung anzunehmen. Doch das wird für Boris sehr schnell sehr unangenehm. Françoise ist nämlich die beste Freundin seiner Frau.

Als die rausfindet, was Boris und Andrea treiben und Yvonne sie dann auch noch beim Sex auf der Restaurant-Toilette erwischt, ist es für die fünf Beteiligten fast unmöglich, eine Bella Figura zu machen. Sie schreien sich an, beschimpfen sich oder verlassen aufgebracht die Szenerie. Boris und Andrea versuchen mehrfach, den Peinlichkeiten zu entkommen und endlich den Heimweg anzutreten. Doch es nutzt alles nichts: Immer wieder landen die fünf an einem Tisch.

Der Starbesuch in Plettenberg sorgte für eine gut gefüllte Böddinghauser Aula.

Für Stimmung sorgen Sekt und die vielen Pillen von Andrea, vor allem aber auch Yvonne, gespielt von Doris Kunstmann. Sie ist bekannt aus Film und Fernsehen und war der unterhalterische Höhepunkt am Sonntag: Mehrfach erkundigt sie sich in charmant-witziger Art, ob sie ihre Pillen auch mit Alkohol kombinieren kann.

Die immer wieder amüsanten Situationen kommentiert sie treffend komisch. Humorvoll auch, wie sie sich wie ein nasser Sack auf den Stuhl fallen lässt. Alles andere als entspannt ist Sohn Erik, dessen Verwandlung vom charmanten Anwalt zum hibbeligen Nervenbündel Boris Valentin Jacoby gekonnt ausspielt. Wie unangenehm Françoise die ganze Situation ist, bringt Nina Damaschke auf den Punkt, die sich erst ganz am Ende, wo sowieso alles verloren ist, zum Sektgelage mit Andrea und Yvonne gesellt.

Dennoch: Die Handlung kommt über das ganze Stück gefühlt kein bisschen weiter. Klärende Gespräche und erst recht Versöhnungen bleiben aus. Und als Boris dann nach knapp zwei Stunden Theater endlich das rote Auto, das rechts auf der Bühne steht, gestartet bekommt, endet das Stück wie es begonnen hat: Ratlos aus einem Parkplatz. Happy End? Fehlanzeige. Applaus.

„Das war nichts“, kommentierte ein Zuschauer das Stück der französischen Schriftstellerin Yasmina Reza. Einige kündigten in der Pause an, schon früher gehen zu wollen. Andere waren sichtlich begeistert.

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