Nach wiederholter Quarantäne in Kita

Testpflicht in Kindergärten: Mutter startet Petition

Joana Tiedemann betreut ihren Sohn Malte (4) seit dem 27. August zuhause, weil sich seine Kita in Quarantäne befindet, und das nicht zum ersten Mal. In einer Petition fordert sie auch für Kita-Kinder die Möglichkeit sich freizutesten sowie eine Testpflicht in den Einrichtungen.
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Joana Tiedemann betreut ihren Sohn Malte (4) seit dem 27. August zuhause, weil sich seine Kita in Quarantäne befindet, und das nicht zum ersten Mal. In einer Petition fordert sie auch für Kita-Kinder die Möglichkeit sich freizutesten sowie eine Testpflicht in den Einrichtungen.

Die Quarantäneregeln für Schulen sollen gelockert werden, darauf haben sich die Gesundheitsminister der Länder geeinigt. Doch was bedeutet das für Kitas, die ebenfalls von den strengen Regeln betroffen sind? Eine Plettenbergerin fordert auch für die Kleinsten Anpassungen.

Plettenberg – Joana Huster hatte vor einer Woche die Petition auf dem Portal Change.org gestartet und seitdem mehr als 1000 Unterstützer gefunden. Sie fordert darin neue Quarantäneregeln für Kinder und Jugendliche – insbesondere die Möglichkeit sich nach fünf Tagen freizutesten und eine Testpflicht in Kindertageseinrichtungen.

Ein Teil ihrer Forderung scheint mit dem, was die Gesundheitsminister der Länder am Montagabend (6. September) vereinbart haben, erreicht. Demnach soll es möglich sein, die 14-tägige Quarantäne durch einen negativen Test nach fünf Tagen zu verkürzen. „Ich finde diese Maßnahme sehr gut“, begrüßt Huster diesen Ansatz. „Theoretisch sind die fünf Tage super, weil dann die Kinder nicht mehr 14 Tage weggesperrt werden.“

Bislang kein Freitesten möglich

Doch ob die neue Regelung, bei der auch noch unklar ist, ab wann sie gelten soll, auch in der Praxis so gehandhabt wird, hänge letztlich von den Gesundheitsämtern ab. Eben je nachdem, ob die Regelung abhängig vom jeweiligen Hygiene- und Testkonzept auch durchführbar sei. Die bisherigen Regelungen wurden von einigen Gesundheitsämtern zum Teil sehr streng ausgelegt.

Genau das haben die Husters – ebenso wie viele andere Familien – mit ihren Kindern bereits mehrmals miterleben müssen. Während die sechsjährige Merle inzwischen eingeschult ist, endet für den vierjährigen Malte nun schon die dritte Quarantäne in seiner Kita seit September 2020.

„Dabei hatten wir noch Glück“, sagt Mutter Joana Huster, denn in der Einrichtung ihres Sohnes (das Familienzentrum Oestertal) gab es in den vergangenen zwölf Monaten fünf Quarantäne-Phasen, von denen sie zwei sozusagen verpasst hat, einmal wegen Urlaubs und einmal, weil sie ihren Sohn vorsichtshalber gar nicht in die Kita geschickt hatte. Doch auch drei Quarantänen – im September 2020, im Januar und nun seit dem 27. August erneut – reichen ihr.

Nach der Quarantäne im Januar betreute sie ihre Kinder vorübergehend zuhause. „Aus Angst vor einer Ansteckung hab ich sie drei Monate am Stück rausgenommen.“ Es sei seitens der Politik ja auch darum gebeten worden, Kinder wenn möglich zuhause zu betreuen.

Das ist extrem belastend für die ganzen Familien.

Joana Huster zu wiederholter Quarantäne in Kitas

„Das ist aber keine Dauerlösung“, betont Huster, die die Situation ihrer Familie noch als glücklich bezeichnet. Sie, im Anschluss an ihren Nachtdienst, und ihr Mann im Homeoffice hätten sich die Betreuung aufgeteilt. „Man kriegt es mit viel Schlafentzug hin“, sagt Huster. Die Situation sei dennoch schwierig für sie und andere Eltern im Bekanntenkreis. Inzwischen machten einige Arbeitgeber in Sachen Homeoffice mehr Druck und spielten bei wiederholter Quarantäne der Kinder nicht mehr mit. „Das ist extrem belastend für die ganzen Familien.“

Vor allem die Dauer der Quarantäne, so wie sie bislang angewendet wurde, sieht Huster kritisch: „Wir sitzen jedes Mal die vollen 14 Tage in Quarantäne.“ Trotz negativem Test nach sieben Tagen konnte ihr Sohn nicht früher zurück in die Kita. Reiserückkehrer könnten sich hingegen freitesten. „Ich finde es unmöglich, dass Kinder so anders behandelt werden.“

Man richte sich nach den Erlassen des Gesundheitsministeriums NRW und setze diese konsequent um, erklärt Kreissprecher Alexander Bange zur Handhabung der Quarantäne im Märkischen Kreis. Und die Gesetzeslage schreibe bislang vor, dass Indexfälle – also Kontaktpersonen – in eine 14-tägige Quarantäne müssten. Bei den Kitas habe man ebenso gehandelt wie bei den Schulen, und zwar jeweils in enger Absprache mit den Einrichtungsleitungen. Die neue Regelung für die Schulen soll den Gesundheitsämtern laut den Vereinbarungen von Montag auch als Leitplanken für die Kitas dienen, wobei im Einzelfall auch abweichend entschieden werden könne.

Dass im Familienzentrum Oestertal einige Gruppen gleich mehrfach in Quarantäne mussten, daran sieht die Mutter bei der Kita selbst und bei den Erzieherinnen keine Schuld: „Die tun alles, was sie können, aber es ist halt ein Virus.“

Laut Michael Schröder, Sachgebietsleiter Jugend und Familie, seien die fünf städtischen Kitas sowie andere Einrichtungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten von Quarantänephasen betroffen gewesen, das FZ Oestertal mit fünf Zeiträumen unter den städtischen Kitas in Plettenberg am meisten. Die vier Gruppen im Oestertal, die sich noch bis Mittwoch (8. September) in Quarantäne befinden, seien nach Schröders Kenntnisstand momentan die einzigen. „Leider gibt es keine Erklärung dafür, warum eine Gruppe oder Einrichtung mehrfach betroffen ist.“

In allen städtischen Einrichtungen seien die Hygieneanforderungen erfüllt worden. Das sei auch nach den Lockerungen im Sommer 2021 der Fall gewesen. Es sei „wünschenswert, wenn sich nicht betroffene Kinder freitesten könnten“, so Schröder noch vor der Sitzung der Minister am Montag.

Testpflicht und Lollitests in Kitas

Doch mit der angekündigten Freitest-Möglichkeit hätte sich nur ein Teil der Forderungen aus Joana Husters Petition erfüllt. Sie wünscht sich auch eine Testpflicht für Kitas, denn die bislang angebotenen freiwilligen Tests würden nur von einem Teil der Eltern angenommen, was „extrem frustrierend“ sei. Außerdem fordert sie zweimal pro Woche eine Pooltestung mit Lollitests, wie sie auch seit Wochen an den Schulen durchgeführt werden. Dadurch, dass Eltern die Testangebote nicht nutzten, entstehe für Kinder beispielsweise mit Immunschwäche oder Asthma ein unnötiges Risiko. Wenn sich jemand gegen das Impfen entscheide, respektiere sie das, sagt Huster, „aber dann sollte man sich wenigstens regelmäßig testen.“

Das tun noch zu wenige, meint auch Jugendamtsleiter Schröder: „Circa ein Drittel der Eltern nutzen das Angebot unregelmäßig. Von diesem Drittel testen maximal ein weiteres Drittel ihre Kinder regelmäßig“. Durch konsequenteres Testen könne man schneller reagieren.

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