Weggeworfene Gedenksteine für NS-Opfer

Telekom äußert Bedauern über Stolperstein-Verlust

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Die verschwundenen Stolpersteine waren erst 2015 vom Künstler Gunter Demnig in Plettenberg verlegt worden.

Plettenberg – Die Nachricht, dass bei Tiefbauarbeiten in der Innenstadt fünf Stolpersteine weggeworfen wurden, hat auch über Plettenberg hinaus für Aufsehen gesorgt. Trotzdem bleiben Fragen offen, wie vor den Baumaßnahmen, aber auch nach dem Verschwinden der Steine Informationen weitergegeben wurden.

Die Telekom, in deren Auftrag die Arbeiten auch am Alten Markt durchgeführt wurden – dort waren die verschwundenen Stolpersteine verlegt –, hat nach der ersten Berichterstattung von sich aus Stellung zu dem Vorgang bezogen. „Wir sind zwar Bauherr, aber dennoch nicht für alle Aspekte der baulichen Umsetzung verantwortlich“, teilt Telekom-Pressesprecher George-Stephen McKinney mit. Weiter heißt es: „Die von uns eingesetzten Bauunternehmen tragen als Fachunternehmen ganz klar selbst die Verantwortung und Haftung für ihre Arbeiten. Wie geschildert wurde die Schadensregulierung mittlerweile abgeschlossen.“ Die Kosten wurden vom verantwortlichen Tiefbauer der Telekom erstattet. „Selbstverständlich bedauern wir den Vorfall, sind aber froh, dass die Angelegenheit bereits vor Monaten gelöst wurde.“

Dass die fünf Stolpersteine bei den Tiefbaumaßnahmen am Alten Markt offenbar weggeworfen wurden, bestätigt auch Sefa Yaman, der als Bauleiter der Firma Selecta für die Arbeiten im Auftrag der Telekom verantwortlich war. Als das Fehlen der Steine bemerkt wurde, habe man noch danach gesucht. „Wir haben im Lager geguckt, bei den einzelnen Steinen, haben alles durchsucht, aber nichts mehr gefunden“, sagt Yaman.

Man habe auch keine vorherige Fotodokumentation gemacht. Die Verantwortung für das Verschwinden der Steine übernehme Selecta aber. Den Preis für den Ersatz müsse man akzeptieren. „Wir waren bereit, das zu übernehmen“, so Yaman. Die Kosten belaufen sich inklusive Einbau und dabei anfallender Arbeiten laut der Stadt auf 280 Euro pro Stein.

Rückblickend kann Yaman nicht mehr mit Sicherheit sagen, ob und in welcher Form die Stadt ihn beziehungsweise Selecta auf die Stolpersteine und den besonderen Umgang mit diesen hingewiesen habe. Ihm selbst seien diese vor den Arbeiten jedenfalls nicht aufgefallen. Yaman weist allerdings auf einen Unterschied zu anderen Baustellen in der Stadt hin: „An den anderen Baustellen haben wir vorher Begehungen gehabt, aber für die Innenstadt nicht.“ Bei so einer Baustellenbegehung hätte auf Besonderheiten hingewiesen werden können, die bei den Arbeiten zu beachten seien.

Stadt und Bauleiter widersprechen sich

Dass so eine Begehung nicht stattgefunden haben soll, weist Sebastian Jülich, Fachbereichsleiter Bauen und Wohnen, entschieden zurück. Diese Information sei falsch. Er stellt klar: „Grundsätzlich gilt folgendes: Der Auftraggeber (hier die Telekom) ist dafür verantwortlich, dass alle erforderlichen Vorschriften, Regelwerke usw. eingehalten werden. Dazu gehören auch die Auflagen der Stadt – hier Steine ausbauen, aufheben und der Stadt zum späteren Einbau wieder übergeben. Das muss die dann beauftragte Baufirma umsetzen. Wir haben in allen Straßen mit der Telekom Begehungen vor Beginn der Arbeiten durchgeführt“, betont Jülich.

Dabei habe man die erforderlichen Informationen über Denkmalschutz, Stolpersteine weitergegeben. „Wenn die Vorgaben dann nicht umgesetzt werden, liegt das in der Verantwortung des Auftraggebers, nicht in der der Stadt Plettenberg.“ Während der Arbeiten fänden stichprobenhafte Kontrollen statt, zudem nach Abschluss eine Abnahme. „Zusätzlich hat es während des Telekomausbaus regelmäßig Baubesprechungen gegeben“, teilt Jülich mit. Dabei seien die fehlenden Steine thematisiert worden.

Die Telekom bestätigte auf Nachfrage, dass Baubesprechungen/-begehungen mit der Stadt, der Telekom und der Firma Selecta stattgefunden hätten. Dabei sei im August/September aufgefallen, dass die Steine versehentlich entsorgt wurden. Mit der Entscheidung, dass Selecta die Kosten übernimmt, sei die Stadt zufrieden gewesen.

Telekom-Sprecher McKinney verweist darauf, dass die Telekom aktuell rund 1800 Bauunternehmen mit Ausbauarbeiten beauftragt hat und im Zuge des Netzausbaus allein 2019 mehr als 50.000 Kilometer Glasfaser verlegt habe. „Bei solchen Dimensionen ist es für kein Unternehmen möglich, alle möglichen Risiken allein abzusehen bzw. zu tragen oder jeden Einzelaspekt im Bauverlauf berücksichtigen zu können“, erklärt McKinney, der den Vorfall nochmals ausdrücklich bedauerte und folgendes Fazit daraus zieht: „Wir sind sicher, dass die Sensibilität bei allen Beteiligten – auch im Hinblick für das weitere Zusammenwirken – geschärft ist.“

Die Frage, ob nun noch liegende Steine vorsorglich ausgebaut werden, beantwortet Jülich so: „Die Negativerfahrungen haben wir nur mit den Arbeiten der Telekom gemacht. Die Firma Boymann baut die Steine entsprechend Bauvertrag aus und sichert diese. Dort gibt es keine Probleme. Die Steine aus der unteren Wilhelmstraße wurden korrekt ausgebaut und dem Heimatkreis übergeben.“

Noch kein fester Termin für Einbau

Der Wiedereinbau der entnommenen Pflastersteine soll dann erfolgen, wenn es technisch sinnvoll sei. „Bis dahin müssen die Pflasterflächen fertiggestellt und auch fertig verfugt sein“, erklärt Jülich. Wann weitere neue Stolpersteine verlegt werden könnten, stehe noch nicht fest, ebensowenig ob Künstler Gunter Demnig, der Initiator des Stolperstein-Projekts, zum Einbau der Ersatzsteine für die weggeworfenen erneut nach Plettenberg kommen wird.

Auch wenn die Frage, wer für das Wegwerfen der Steine verantwortlich ist, durch die Übernahme der Kosten geklärt ist, stellt sich die Frage, wie mit dem Thema nach Bekanntwerden seitens der Stadt umgegangen wurde. Die Fragen danach, wie der Verlust der fünf Stolpersteine vom Alten Markt kommuniziert wurde, wer darüber informiert wurde und ob es insbesondere eine Information an die Lokalpolitik gab, ließ Jülich unbeantwortet.

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