Verspäteter Saisonbeginn für Züchter nach Corona-Zwangspause

Die Tauben fliegen wieder und die Züchter freuts

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Auf Knopfdruck öffnen sich die elektrischen Rollläden und die Tauben können so wie gestern auf ihre erste große Reise des Jahres gehen. Noch handelt es sich nur um Trainingsflüge. Ab dem 16. Mai beginnen die Wettkämpfe, in denen es darum geht, welche Taube zuerst zurück in ihrem Schlag ist.

Plettenberg – Wegen der Coronakrise mussten nicht nur Flugzeuge am Boden bleiben, sondern auch Brieftauben. Nun dürfen Taubenzüchter aber ihre Tiere wieder auf die Reise schicken. Einer davon ist Markus Mühling aus Balve.

 „Traditionell fangen wir immer am 1. Mai mit dem ersten Wettkampfflug an“, sagt Mühling, einer von 18 aktiven Taubenzüchtern in der Reisevereinigung (kurz RV) Plettenberg. Mit den Trainingsflügen – genannt Vorflüge – startet der Verein üblicherweise Anfang April. „Durch die Coronakrise haben wir aber ein Flugverbot gekriegt.“

Da der Verband Deutscher Brieftaubenzüchter in engem Kontakt mit der Politik stand, war nun am Dienstag ein verspäteter Saisonstart möglich, so Mühling. Das bis zum 3. Mai geltende Verbot, Trainings- und Preisflüge zu veranstalten, wurde zunächst für Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz nicht verlängert, sodass die Tauben wieder starten dürfen. Trotzdem gelten strenge Auflagen.

Coronavirus: Flugverbot für Taubenzüchter nicht verlängert

„Wir dürfen nur einzeln und mit Maske an den Tauben-Lkw heran und müssen einen Sicherheitsabstand von zwei Metern einhalten“, sagt Mühling. Anschließend müsste die Einsatzstelle sofort verlassen werden, auf den geselligen Teil des Hobbys müssen die Züchter verzichten. „Wir haben sonst gemeinsam gegrillt und erzählt – das entfällt alles“, sagt Mühling.

Die Einsatzstelle für die Vor- und Wettkampfflüge dürfe sich außerdem nicht auf offenem Gelände befinden, sondern auf Privatgrund, erklärt er. Im Fall des RV Plettenberg ist die Einsatzstelle auf dem Gelände der Firma Jedowski – Burkhard Jedowski ist 1. Vorsitzender des Vereins. Auf dem Firmengelände befindet sich auch die sonst schon genutzte Einsatzstelle, da diese aber an eine Straße grenzt, mussten die Taubenzüchter ein Gebäude weiterziehen, wo die Einsatzstelle auf einem eingezäunten Hof eingerichtet wurde.

Um 12 Uhr wurden rund 800 Tauben der Plettenberger Züchter im 60 Kilometer entfernten Büren aufgelassen, wie es in der Taubenzüchter-Sprache heißt. Die Tauben wurden – wie es üblich ist – einen Tag vorher zum Startpunkt gebracht, um nach dem Transport wieder zur Ruhe zu kommen. „Von dort aus fliegen sie dann nach Hause“, sagt Mühling. Der Himmel war am Dienstag allerdings recht voll. „Es herrscht sehr viel Flugverkehr, weil alle Reisevereine wieder fliegen.“

Auf die Leistungsfähigkeit der Tauben habe sich der verzögerte Saisonstart nicht ausgewirkt, schätzt Mühling. Im Vergleich zur meist schlechteren Witterung beim üblichen Saisonstart im April sei das Maiwetter mit den wärmeren Temperaturen sogar besser. Der Nachteil ist allerdings, dass die Saison kürzer ausfällt als sonst.

„Wir schaffen keine zwölf Preisflüge für die Meisterschaft, sondern machen nur zehn“, sagt Mühling. Der erste Preisflug, der für die Meisterschaft zählt, ist für Samstag, 16. Mai, geplant, über eine Strecke von 180 Kilometern.

In den nächsten Vorflügen am kommenden Samstag über 90 Kilometer und am nächsten Dienstag über 120 Kilometer tasten sich die Tauben langsam an die Wettkampfdistanz heran. Für die Flüge werden die Vögel immer weiter nach Osten geschickt, um dann westwärts nach Hause zu fliegen. Für den abschließenden Flug der Saison werden die Tauben im 500 Kilometer entfernten Görlitz aufgelassen, sagt Mühling: „Da wird dann auf dem letzten Flug die Meisterschaft entschieden.“

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