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Süßes statt Krieg: Schule im MK backt für die Ukraine

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Von: Johannes Opfermann

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Margit hält in der Backstube vom Start-up Kuchentratsch einen Kuchen in den Händen. Im sozialen Start-up Kuchentratsch backen Omas und Opas Kuchen und Torten nach altem Rezept und können neue Bekanntschaften schließen.
Die Hallenschule plant einen Kuchenverkauf zugunsten der Menschen in der Ukraine. (Symbolbild) © Sven Hoppe/dpa

Der Krieg in der Ukraine ist allgegenwärtig, auch in den Schulen wird der seit mehr als einer Woche andauernde Konflikt immer wieder thematisiert. Dabei möchten die Schüler nicht nur verstehen, was im Osten Europas überhaupt passiert, sondern sie möchten auch helfen. Die Hallenschule startet nun eine Solidaritätsaktion.

Plettenberg – Dass die Invasion Russlands in die Ukraine viele Erwachsene beschäftigt und bedrückt, das bekommen auch schon Kinder im Grundschulalter mit, entsprechend ist der Redebedarf in der Schule. „Wir haben darüber gesprochen, weil die Kinder Fragen gestellt haben“, erzählt Nicole Friedrich, Leiterin der Hallenschule. Es werde dabei nicht überdimensioniert auf das Thema eingegangen, sondern altersgerecht. „Wir sind für die Fragen der Kinder da, um ihnen auch ein bisschen die Angst zu nehmen, denn sie schnappen manche Sachen über den Krieg auf, die sie noch nicht zusammenbringen können.“

Das Schulministerium empfehle dazu verschiedene Adressen, etwa eine Themenseite der Sendung mit der Maus über den Krieg in der Ukraine, so Nicole Friedrich. Doch die Kinder wollten nicht nur Erklärungen, sondern auch helfen.

„Sie haben gesagt: Können wir nicht irgendwas tun?“, berichtet die Leiterin der Hallenschule. „Ein Kind wollte sein ganzes Taschengeld spenden.“ Man habe dann gemeinsam mit den Kindern überlegt, wie man möglichst viele Spenden für die Menschen in der Ukraine zusammenbekäme. Über einen Spendenlauf hätte man wohl nur die Schulgemeinschaft erreicht, man wollte aber noch mehr Leute aus der Umgebung der beiden Schulstandorte erreichen.

Also entschied man sich – in Abstimmung mit der Schulkonferenz – für einen Kuchenverkauf. Von den Eltern gespendete Kuchen und Torten sollen am Sonntag, 13. März, zwischen 11 und 15 Uhr von den Lehr- und Betreuungskräften aus Schule und OGS verkauft werden, und zwar sowohl am Hauptstandort als auch in Ohle.

Die Stadt habe für den Verkauf auch grünes Licht gegeben. Zur Sicherheit werden beim Verkauf Spuckschutzwände aufgestellt – schließlich ist immer noch Corona. Die ersten zugesagten Kuchenspenden seitens der Eltern gibt es schon. Auch die Bäckerei Grote spendiert Blechkuchen und außerdem Kuchenpapier für den Verkauf. „Das Geld, das dabei zusammenkommt, wollen wir an die Aktion ,Deutschland hilft’ spenden“, erklärt Friedrich.

Während die Kinder zuhause vielleicht sogar beim Backen der Torten für die Ukraine mithelfen, stellen sie in der Schule Plakate her, um für den Kuchenverkauf zu werben. Außerdem werden sie in der Nachbarschaft der beiden Schulstandorte Handzettel in die Briefkästen werfen. Und die Eltern werden wohl auch dafür sorgen, dass möglichst viele Menschen von der Aktion erfahren.

Als sichtbares Zeichen der Solidarität mit der Ukraine werden außerdem die Schulfenster neu gestaltet. Diese werden mit Flaggen der Ukraine, aber auch anderer EU-Länder, die von den Kindern ausgemalt werden, geschmückt. Außerdem basteln die Kinder Friedenstauben.

Tortenverkauf

Der Verkauf findet am Sonntag, 13. März, zwischen 11 und 15 Uhr an der Hallenschule, Standort Halle, Hallenstraße 17, und am Standort Ohle, Lennestraße 14, statt.

Ukraine-Krieg kindgerecht erklären: „Wir sprechen es nur an, wenn es von den Kindern kommt“

Auch an anderen Grundschulen der Vier-Täler-Stadt haben wir nachgefragt, ob und wie der Krieg im Unterricht behandelt wird.

„Das Thema wird aufgegriffen, wenn es in der Interaktion mit den Kindern aufkommt, und dann kindgerecht erklärt“, erklärt Nico Schröder, Leiter der Eschenschule. Wie genau das Thema angegangen wäre, hänge von der Altersklasse ab und wie das Vorwissen der Kinder sei. „Das ist sehr individuell, aber man muss sehr behutsam vorgehen, weil es so ein schlimmes Thema ist.“ Gerade an der Eschenschule seien viele Kinder mit Wurzeln in Osteuropa, doch dass das Thema deswegen besonders häufig angesprochen wurde, könne Schröder nicht feststellen. „Ich bin sogar ein bisschen überrascht, dass da bisher relativ wenig gekommen ist.“

An der Grundschule Holthausen werde dieses „für Kinder aufarbeitungswürdige, aber auch erschreckende Thema“ bisher nicht so stark thematisiert, teilt die stellvertretende Schulleiterin, Stefanie Bock, mit. Solidaritätsaktionen für die Ukraine, wie etwa eine Spendensammlung, sind dort bislang – wie übrigens auch an der Eschenschule – nicht geplant.

Auch an der Martin-Luther-Schule wolle man sich das erst noch überlegen, sagt Schulleiter Thorsten Jagusch. Dies sei auch abhängig davon, wie stark das Thema weiter angesprochen werde. Über kurz oder lang werde es aber wohl eine Aktion geben, wenn der Konflikt weiter andauert, und dass sei im Moment ja zu befürchten, erklärte Jagusch auf Nachfrage unserer Zeitung.

Thematisiert werde der Krieg bisweilen aber schon, denn es gebe durchaus Schüler, die danach fragen, sagt Jagusch. „Wir haben aber entschieden, es nur anzusprechen, wenn es von den Kindern kommt.“ Das sei auch der Rat von Kinderpsychologen, damit die Kinder nur das verarbeiten, was sie auch verarbeiten können. Lernmaterial steht für die Lehrer auf der School-Fox-Plattform bereit. „Das ist aber eher Material zur Friedenserziehung“, sagt Jagusch. Mit Material speziell zur Ukraine sei es dagegen relativ schwierig. „Das lässt sich nur über das direkte Gespräch aufdröseln.“

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