So wählte die Vier-Täler-Stadt

SPD klar vorne, CDU abgewatscht: Plettenberger stimmen für Scholz

Um 16 Uhr wurden die Briefwahlurnen geöffnet, um die Vorprüfung der Stimmen vorzunehmen und ungültige auszusortieren. Die eigentliche Auszählung begann um 18 Uhr.
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Um 16 Uhr wurden die Briefwahlurnen geöffnet, um die Vorprüfung der Stimmen vorzunehmen und ungültige auszusortieren. Die eigentliche Auszählung begann um 18 Uhr.

Stärker als im Wahlkreis insgesamt und auch über dem Bundestrend präsentierte sich die SPD in Plettenberg. Auch bei den Erststimmen lag die SPD-Kandidatin Bettina Lugk in der Vier-Täler-Stadt knapp vor CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak.

Plettenberg – Der Jubel, den Jürgen Gaidies vom Wahlamt um 20.30 Uhr im Plettenberger Ratssaal ausstieß, galt nicht dem Abschneiden einer bestimmten Partei, sondern dem Ende eines langen Arbeitstages für ihn und die rund 230 Wahlhelfer, die zur Bundestagswahl in den 21 Wahllokalen im Einsatz waren. Zur Präsentation der Ergebnisse waren allerdings so gut wie keine Parteienvertreter gekommen, vielmehr gestaltete sich das Verfolgen der nach und nach eintreffenden Ergebnisse als weitestgehend verwaltungsinterne Angelegenheit.

„Aus unserer Sicht ist alles gut gelaufen“, fasste Wahlleiter Matthias Steinhoff zusammen, nachdem auch die letzten Stimmen ausgezählt waren. Schon früh hatte sich eine hohe Wahlbeteiligung abgezeichnet, die letzten Endes bei 71,6 Prozent lag und damit höher als bei der Bundestagswahl 2017, als sie bei 70,1 Prozent lag.

Dass es eine hohe Wahlbeteiligung geben würde, hatte sich bereits frühzeitig abgezeichnet, und das obwohl viele Bürger sich für die Briefwahl entschieden hatten (siehe Kasten unten).

Briefwähler lassen Führung schmelzen

Bereits gegen 18.30 Uhr meldete zuerst der Wahlbezirk Holthausen/Bruch seine Ergebnisse. Dort lag die SPD-Kandidatin deutlich vor Paul Ziemiak von der CDU. Dies sollte sich auch im weiteren Verlauf des Abends bestätigen, denn auch in mehreren anderen Wahlbezirken lag die Sozialdemokratin vorn. Doch da erfahrungsgemäß unter den Briefwählern mehr CDU-Anhänger sind, könne sich dies noch wenden, so Jürgen Gaidies vom Wahlamt. Dies bewahrheitete sich letztlich nicht, doch als gegen Ende des Wahlabends die Briefwahlstimmen hinzukamen, schmolz Lugks Führung deutlich zusammen. Am Ende lag Bettina Lugk mit 33,2 Prozent der Erststimmen knapp vor Paul Ziemiak mit 32,1 Prozent. Bei den Zweitstimmen wurde die SPD mit 32,2 Prozent deutlich stärkste Kraft vor der CDU mit 27,9 Prozent. Die FDP schnitt mit 12,8 Prozent ebenfalls besser ab als im Bund. Die Grünen holten 7,8 Prozent, die Linke 2,3 und die AfD 9,9 Prozent.

Die Auszählung der Briefwahlbezirke dauerte am längsten, kein Wunder bei knapp 6500 Briefwahlumschlägen. Um 16 Uhr hatten die Briefwahlvorstände die Urnen geöffnet und mit dem Vorsortieren angefangen. Die roten Umschläge wurden geöffnet, überprüft ob Unterschriften vorhanden, die Stimmen also gültig sind, und die blauen Umschläge mit den eigentlichen Stimmzetteln dann wiederum in eine Urne geworfen. Mit der eigentlichen Auszählung wurde wie bei den anderen Wahlurnen ab 18 Uhr begonnen.

Was im Laufe der Auszählung der Stimmbezirke für die Wahlhelfer und die Verantwortlichen vom Wahlamt spannend zu beobachten war, war die Frage, ob genug Wähler ihre Stimme im Wahllokal abgeben würden. Denn durch den hohen Briefwahlanteil in Plettenberg gab es laut Wahlleiter Steinhoff ein paar „kritische Bezirke“, was die Zahl der Urnenwähler anging. Wären die Bezirke Pasel/Siesel, Papenkuhle oder Landemert unter 50 im Wahllokal abgegebenen Stimmen geblieben, hätte diese dort laut Wahlgesetz nicht ausgezählt werden dürfen. Damit das Wahlgeheimnis gewahrt bleibt, hätten sie in einem anderen Wahlbezirk ausgezählt werden müssen. Dafür hatte man Vorsorge getroffen. In der Praxis, sodass kurze Wege zum nächsten Wahlbezirk eine schnelle Auszählung ermöglicht hätten. Doch glücklicherweise kam dies nicht zum Tragen. In den fraglichen Bezirken wurde die magische Grenze von 50 jeweils geknackt.

20 Prozent auf dem Eschen wählen AfD

Ein deutlicher Trend, der sich für Plettenberg abzeichnete, war auch das starke Abschneiden der AfD, und das in einer ganzen Reihe von Wahlbezirken. Zwar sank der Stimmenanteil der AfD in Plettenberg als Ganzes gegenüber der vorigen Bundestagswahl von 11,8 auf 9,9 Prozent, doch in 20 von 30 Wahlbezirken kam sie über 10 Prozent und lag teils deutlich über dem Bundesschnitt. In der Papenkuhle holte die AfD 18,1, in Eiringhausen-West 17,5 und im Oberen Elsetal 16,4 Prozent, doch am stärksten schnitt sie auf dem Eschen ab, holte dort 20,1 (Eschen I) und 22,3 Prozent (Eschen II) der Zweitstimmen. Im letztgenannten Wahlbezirk ließ sie die CDU bei Erst- und Zweitstimme hinter sich.

Wahlbeteiligung trotz vieler Briefwähler hoch

Wahlleiter Matthias Steinhoff zieht ein positives Fazit der Wahl, bei der neben einer hohen Wahlbeteiligung auch die große Zahl der Briefwähler hervorsticht.

Bereits um die Mittagszeit, als Steinhoff zusammen mit Bürgermeister Ulrich Schulte bereits die Hälfte der Wahllokale in Plettenberg besucht hatte, stellte er fest, dass sehr viele Plettenberger zur Wahl gehen. „Wir haben eine sehr gute Wahlbeteiligung schon von heute Morgen an, und das trotz einer sehr hohen Briefwahlquote, was insgesamt auf eine sehr hohe Wahlbeteiligung schließen lässt.“ Auffälligkeiten habe man bisher nicht festgestellt: „Alle Wähler halten sich an Abstand und Maskenpflicht.“

Auch David Glowotz, Wahlvorstand im Wahllokal im Rathaus berichtet: „Die Wahlbereitschaft scheint hoch zu sein, wir haben hier keine Langeweile.“ Die Wahl laufe komplikationsfrei.

Jürgen Gaidies, vom Sachgebiet Kommunalverfassung und Organisation, sprach ebenfalls von einem „0815-Wahlgeschäft“ ohne besondere Vorkommnisse.

Briefkasten gesprengt

In der Woche vor der Wahl gab es allerdings einen besonderen Vorfall zu vermelden. „In der Hechmecke wurde ein Briefkasten gesprengt“, erzählt Wahlleiter Matthias Steinhoff. Da nach der Sprengung auch einige rote Papierfetzen gefunden wurden, deutete das auf Briefwahlumschläge hin. Betroffen waren allerdings nur zwei Umschläge. Die zwei Wahlberechtigten meldeten sich beim Wahlamt, die alten Wahlscheine wurden für ungültig erklärt und ihnen neue ausgestellt, sodass sie ihre Briefwahl im Briefwahlbüro nachholen konnten.

Viele Briefwähler

Auf die hohe Briefwahlquote hatte sich das Wahlamt schon im Vorfeld eingestellt. Statt vier habe man sechs Briefwahlbezirke eingerichtet, die von je sechs Leuten betreut wurden, um die Vielzahl eingegangener Umschläge zu bearbeiten.

6448 von 17 118 Wahlberechtigten haben sich für die Briefwahl entschieden. Das sind 37,7 Prozent. Die höchste Briefwahlbeteiligung gab es im Wahlbezirk 182 (Siesel/Pasel), wo 149 von 257 stimmberechtigten Personen Briefwahl gemacht haben, also 58 Prozent. Das überrascht nicht, denn in Siesel und Pasel gab es coronabedingt kein geeignetes Wahllokal vor Ort, sodass die Bürger zur Stimmabgabe bis zur Hallenschule hätten fahren müssen. Auch im Wahlbezirk 100 (Mittlere Grüne / Bracht) war die Briefwahlquote mit 48,9 Prozent sehr hoch: 523 von 547 Stimmberechtigten machten von dieser Option Gebrauch.

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