Vorsicht trotz Lockerungen

So bereiten sich die Seniorenzentren auf das Osterfest vor

Matthias-Claudius-Haus in Plettenberg
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An den Plettenberger Senioreneinrichtungen – hier das Matthias-Claudius-Haus – geht man mit den gelockerten Besuchsregelungen sehr vorsichtig um.

Mit einer Ausweitung der Zeiträume, in denen Besucher Schnelltests machen können, sogar mit eigenen Testtagen, versuchen die Senioreneinrichtungen zu Ostern die Besuche so sicher wie möglich zu gestalten. Auch was die Anzahl der Besucher und die größe von Veranstaltungen angeht, lässt man Vorsicht walten.

Plettenberg – Die Senioreneinrichtungen der Stadt bereiten sich auf ein stilleres Osterfest vor als vor der Pandemie. Zwar gelten seit gut zwei Wochen Lockerungen bei den Besuchsregelungen, doch angesichts der steigenden Infektionszahlen bleiben die Senioreneinrichtungen in Plettenberg weiterhin vorsichtig.

Radprax-Seniorenzentrum

Als NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann vor etwa zwei Wochen bekannt gab, dass Heimbewohner nun von bis zu fünf Personen besucht werden dürften, hielt Detlef Badekow, kommissarischer Leiter des Radprax-Seniorenzentrums, das für zu früh. „Mit fünf Besuchern wäre es etwas heftig“, meint er mit Verweis auf die hohen Inzidenzwerte und die steigenden Infektionszahlen im Märkischen Kreis. Ich habe deswegen mit der Heimaufsicht besprochen, dass wir die Besuchsregeln so belassen wie vor den Lockerungen.“ Statt bis zu fünf sollen maximal zwei Besucher mit vorheriger Anmeldung ihre Angehörigen im Seniorenzentrum besuchen können.

Die Lockerungen hätten ohnehin auf der Annahme beruht, dass die Altenheime komplett durchgeimpft seien. Das sei aber zum Beispiel im Radprax-Seniorenzentrum nicht der Fall, obwohl noch in der vorigen Woche einige Nachzügler, die – wegen Klinikaufenthalten etwa – nicht früher geimpft werden konnten, ihre erste Impfdosis erhalten hätten. Die zweite Impfung soll in einigen Wochen folgen. Durch zwei Neuaufnahmen ohne Impfung habe man nun aber auch wieder Bewohner, die erst noch geimpft werden müssen erklärt Badekow.

Für die Besuche über Ostern werden wir extra zwei Testtage einrichten.

Detlef Badekow, kommissarischer Leiter des Radprax-Seniorenzentrums

Zur Beibehaltung der bisherigen Besuchsregeln gehört neben der Anmeldung auch ein Kurzscreening mit einem Schnelltest. „Für die Besuche über Ostern werden wir extra zwei Testtage einrichten“, sagt Badekow. Da die Schnelltests für 48 Stunden gültig sind, können sich Besucher am Mittwoch, 31. März, testen lassen, wenn sie einen Angehörigen im Seniorenzentrum am Gründonnerstag oder Karfreitag besuchen wollen. Wer einen Besuch am Ostersonntag oder -montag plant, kann sich am Karsamstag testen lassen. Die Tests, für die extra Mitarbeiter abgestellt werden, sind an den Testtagen von 14 bis 17 Uhr nach Voranmeldung möglich. „Das soll das Ganze etwas kanalisieren“, so Badekow. Wenn Besucher von weiter weg anreisen, sei es aber nicht notwendig, dass sie schon am Tag vor dem geplanten Besuch nur zum Testen anreisen.

Er ist froh, dass es derzeit unter Bewohnern und Beschäftigten keinen einzigen Infektionsfall gibt. Damit das auch so bleibt, wird es an Ostern keine großen Feierlichkeiten im Mehrzweckraum geben, sondern nur kleine Veranstaltungen in den Wohnbereichen.

Altenzentrum St. Josef

Der Wunsch, sich mit mehr Besuchern zu treffen, ist bei den Bewohnern durchaus da, sagt Heike Biedermann, Leitung des Altenzentrums St. Josef. Das habe sie in Gesprächen schon vor den Lockerungen mitbekommen.

„Die Bewohner haben sich bereits vorher draußen mit drei oder vier Leuten getroffen, zum Beispiel auf dem Parkplatz, aber immer mit Abstand“, sagt sie. Dass nun auch im Innenbereich mehr Besucher möglich sind, begrüßt sie: „Ich freue mich für die Bewohner.“

Dabei würden Angehörige aber nicht „auf Teufel komm raus“ das Maximum ausreizen und mit der ganzen Familie zu Besuch kommen, gar größere Geburtstagsfeiern veranstalten. „Es wird sehr vernünftig von allen Seiten damit umgegangen. Die Angehörigen teilen sich auf und sprechen sich ab“, berichtet Biedermann. 

Dass sich das Besucheraufkommen und damit der Aufwand für die Einrichtung erhöht, damit rechnet Biedermann nicht. Besuche hätten bislang auch ohne vorherige Anmeldung funktioniert. Mit einem negativen, maximal 48 Stunden alten Schnelltestergebnis konnten die Angehörigen auch vorher schon ins Seniorenzentrum. An den Wochenenden sei es etwas voller als mitten in der Woche, so Biedermann. „Ich denke, dass es in etwa gleich bleibt“, meint sie im Hinblick auf die Lockerungen für Seniorenheime.

Es wird sehr vernünftig von allen Seiten damit umgegangen.

Heike Biedermann, Leiterin des Altenzentrums St. Josef, zu den gelockerten Besuchsregeln

Fast alle Bewohner haben inzwischen ihre beiden Impfdosen erhalten, die letzten Nachzügler am vergangenen Samstag. Sowohl unter Bewohnern als auch Mitarbeitern sei die Impfbereitschaft hoch gewesen und man sei froh geimpft zu sein, sagt Biedermann. Man fühle sich dadurch doch etwas sicherer.

Trotzdem bleibt man im Altenzentrum St. Josef vorsichtig. Trotz gelockerter Maskenpflicht würden Bewohner und Angehörige weiter nicht auf einen Mundschutz verzichten. Denn dass weiterhin Vorsicht geboten ist und man sich inzwischen in der dritten Corona-Welle befinde, das werde auch von den Bewohnern wahrgenommen. „Leichtsinn wäre da nicht angebracht“, sagt Biedermann.

So lässt man auch beim Thema Veranstaltungen Vorsicht walten. Zum bevorstehenden Osterfest werde man nicht schon wieder so feiern können wie vor zwei Jahren, sagt Heike Biedermann: „Eine große Agape-Feier wird es nicht geben.“ Aber in kleineren Gruppen werde man auch in diesem Jahr Osterbräuche pflegen können. „Wir können zum Beispiel Palmzweige binden und segnen und in die Zimmer bringen, und da freuen sich die Bewohner auch sehr drauf“, sagt Biedermann.

Matthias-Claudius-Haus

Aus den Beschlüssen am vergangenen Montag hat sich für die Senioreneinrichtungen erst einmal nichts Neues ergeben. Vorsicht ist sowieso oberstes Gebot, auch bei der Umsetzung der gelockerten Besuchsregelungen. Melanie Aderhold, Leiterin des Matthias-Claudius-Hauses, sieht kein grundsätzliches Problem darin, dass Bewohner nun von mehr Personen besucht werden können. „Für viele kann das eine Erleichterung sein.“ So könnte etwa eine Mutter von ihrer Tochter, die möglicherweise ohnehin in einem Haushalt leben, beim Besuch eines Angehörigen begleitet werden. Das ließe sich gut handhaben.

Im Zimmer könnten die Besucher dann auch auf die Maske verzichten, vorausgesetzt bei dem Bewohner sei der Impfschutz vorhanden. Ob die Maskenpflicht bisher in dem privaten Bereich des Wohnraums befolgt wurde, habe man aber auch vorher nicht prüfen können, so Aderhold. Im Arbeitsalltag gelten die gleichen Schutzmaßnahmen wie vorher, Maskenpflicht eingeschlossen. 

Statt einer großen Feier wird es Angebote im kleinen Format geben.

Melanie Aderhold, Leiterin des Matthias-Claudius-Hauses, zu den Plänen für Ostern 

Wegen der Virusmutationen, der hohen Infektionszahlen und weil nicht alle Mitarbeiter und Bewohner geimpft seien, aber weiter geschützt werden müssten, werde man vorsichtig agieren. Für die Besucher habe man die Besuchszeiten und auch die Zeiträume für Schnelltests erweitert, auch wenn dies organisatorischen Mehraufwand bedeutet. Die Tests seien nach wie vor sinnvoll, so Aderhold: „Ich sehe auf absehbare Zeit nicht, dass auf die Besuchertestungen verzichtet werden kann.“

Für die Testungen, die im Einbahnstraßensystem stattfinden, wird auch der Mehrzweckraum genutzt, der dann nicht für Veranstaltungen zur Verfügung steht, die dort nun eigentlich wieder möglich wären. „Das würde kollidieren“, sagt Aderhold, die es aber grundsätzlich begrüßt, dass wieder gemeinsame Aktivitäten stattfinden können. Bisher war dies nur in den einzelnen Wohnbereichen möglich. „Sie durften für Veranstaltungen nicht vermischt werden.“ Veranstaltungen mit größeren Gruppen werde es in diesem Jahr zu Ostern aber nicht geben. „Statt einer großen Feier wird es Angebote im kleinen Format geben.“ 

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