Wirbel nach mutmaßlichem Angriff auf Polizisten und Notwehr-Rückentritt 

Eskalierte Polizeikontrolle: Angeklagter Plettenberger braucht Extraeinladung des Richters

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Die Außenansicht des Gerichtsgebäudes in Plettenberg. 

Plettenberg – Der Fall sorgte einst für riesigen Wirbel: Eine Verkehrskontrolle in Plettenberg eskalierte vollkommen. Eine Videosequenz zeigte unter anderem, wie ein Polizist einem der jungen Männer in den Rücken getreten haben soll. Auch der Kontrollierte soll gegen den Beamten handgreiflich geworden sein. Deshalb ist er nun angeklagt. Doch: Zur Verhandlung erschien er zunächst gar nicht.

Sechs Zeugen, eine Staatsanwältin, eine Protokollantin, zwei Besucher und der vorsitzende Strafrichter waren am Mittwochvormittag vor und im großen Gerichtssaal des Plettenberger Amtsgerichtes versammelt.

Alle warteten gespannt auf die Verhandlung gegen den angeklagten Plettenberger – um 9.30 Uhr sollte es losgehen. Der Plettenberger soll handgreiflich gegenüber einem Polizisten geworden sein – so die Anklage. Im Zusammenhang mit dem Vorfall hatte es riesigen Wirbel in Plettenberg und Umgebung sowie große Aufmerksamkeit auch darüber hinaus gegeben: Denn eine Videosequenz, aufgenommen bei der entsprechenden Polizeikontrolle, zeigt, wie ein Polizist dem jungen Mann in den Rücken tritt.

Anreise, 45 Minuten Wartezeit, Dienstausfall - alles umsonst

Doch mit der Verhandlung in dem Fall wurde es erst mal nichts: Gegen 9.40 Uhr wurden alle Zeugen und Besucher in den Gerichtssaal gebeten. Der Richter erklärte, der Angeklagte sei bislang nicht erschienen. Eine Mitarbeiterin des Amtsgerichtes habe zuvor mit dem Angeklagten telefoniert. Er sei krankgeschrieben, aber könne „mal eben vorbeikommen“, laut seiner eigenen Aussage. Der Richter entschied, ihn trotz Krankmeldung persönlich erscheinen zu lassen, um ihn zu fragen, ob er verhandlungsfähig sei oder nicht. 

Dann wurde die Verhandlung, die noch gar keine war, unterbrochen. Kurz nach 10 Uhr ging es weiter – mit dem Angeklagtem. Er erklärte allerdings, er sei „nicht verhandlungsfähig“. Für alle übrigen Anwesenden im Saal stand zu dem Zeitpunkt fest: Die eigene Anreise, die 45 Minuten Wartezeit, der Dienstausfall – alles war umsonst.

Wer trägt die Kosten, wenn der Termin ausfällt?

Doch was ist da schief gelaufen? Warum hat keiner eher davon erfahren, dass der Angeklagte krank ist und hätte der Termin nicht von vornherein verschoben werden können? Wer trägt die Kosten, die nun für nichts und wieder nichts entstanden sind?

 „Dass sich ein Angeklagter am Verhandlungsmorgen noch krankmeldet, das ist leider der Klassiker“, erklärt Bernhard Kuchler, Pressesprecher am Landgericht Hagen. Häufig komme hinzu, dass ein Attest so gefaxt würde, dass es „so gut wie gar nicht lesbar“ bei den Amtsgerichten ankomme. „Das ist natürlich doppelt ärgerlich für all die Zeugen, denen man in solch einem Fall nicht mehr rechtzeitig absagen kann“, so Kuchler weiter. 

Einfache Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung reicht nicht aus

Eine einfache Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung (AU), reiche allerdings nicht aus, um vor Gericht nicht zu erscheinen. Dazu brauche es eine gesonderte Bescheinigung vom Arzt. Der Angeklagte im gestrigen Fall muss also diese gesonderte Bescheinigung gehabt haben, da der Richter den Termin nun verschoben hat. 

Im Falle der Vorlegung einer einfachen AU kann nämlich – laut Kuchler – trotzdem verhandelt werden – auch im Nicht-Beisein des Angeklagten und des Verteidigers. Das gilt allerdings nur in Sonderfällen mit einem geringen Strafmaß. Die Kosten für die Auslagen (Fahrtkosten und Dienstausfall der Zeugen), würden im Falle einer Verurteilung dem Angeklagten zur Last fallen, ansonsten zahlt der Staat.

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