Mandelwagen wieder aufgestellt: „Versuchen unser Glück“

Schausteller wie die Familie Feldmann bangen coronabedingt um ihre Existenz

Mit dem Mandelwagen versuchen die Feldmanns im Dezember erneut ihr Glück.
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Mit dem Mandelwagen möchte die Schaustellerfamilie Feldmann im Dezember erneut ihr Glück versuchen.

Weihnachtsmärkte finden in diesem Jahr nicht statt. Während das für die meisten Menschen lediglich Verzicht auf ein Stück Weihnachtsstimmung bedeutet, geht es für die Plettenberger Schaustellerfamilie Feldmann um die Existenz. Doch statt aufzugeben, haben die Feldmanns beschlossen, in der Adventszeit an der Herscheider Straße wieder ihren Mandelwagen aufzumachen und weihnachtliche Snacks zu verkaufen.

Plettenberg – Ein bisschen Weihnachtsfeeling zum Mitnehmen wolle man bieten, sagt Carolin Feldmann. Bereits in den ersten Tagen – aufgemacht wurde pünktlich am 1. Dezember – haben einige Kunden angehalten und sich etwas zum Naschen besorgt. „Es sind noch nicht ganz so viele, aber wir sind froh über jeden, der anhält.“ Denn Corona hat mit den vielen ausgefallenen Veranstaltungen, auf denen Schausteller wie die Feldmanns sonst ihr Geld verdient hätten, die ganze Branche schwer getroffen, schon lange vor der Verlängerung des Lockdown Light.

„Weil wir Schausteller sind, verdienen wir im Moment nichts, denn alle Weihnachtsmärkte sind abgesagt“, sagt Carolin Feldmann. „Wir stehen jetzt auf Null, aber wir versuchen es jetzt für die Weihnachtszeit, um noch ein paar Euros zu verdienen.“ Sie setzt ihre Hoffnung darauf, dass das Angebot ähnlich gut angenommen wird wie im Frühjahr. Während des damaligen Lockdowns im Frühjahr wurde der Mandelwagen an der Herscheider Straße gut angenommen, doch mit den Lockerungen für Gastronomie und Geschäfte in den Folgemonaten wurde es weniger, sodass die Feldmanns das Angebot schließlich Ende August einstellten. „Von April bis August waren die Menschen so toll und sind gekommen, um uns zu unterstützen“, erinnert sich Feldmann. „Wir hoffen, dass sie uns noch einmal helfen. Wir versuchen jetzt unser Glück.“

Die Rückmeldungen der Kunden seien positiv. „Die Leute freuen sich auch, dass wir da sind. Sie sind froh, wenn sie gebrannte Mandeln kriegen“, sagt Feldmann. Denn die Menschen würden die Weihnachtsmärkte, die sonst in der Region stattfinden, vermissen. „So haben die Leute wenigstens Kirmesleckereien, die es nicht alle im Laden gibt.“ Neben den frisch gebrannten Mandeln gibt es Popcorn, dazu verschiedene Kräuter- und Glühwein-Bonbons sowie Schokoladen-Obst an dem Mandelwagen zu kaufen, mit dem Carolin Feldmann und Tochter Lorena bis zum 20. Dezember täglich von 14 bis 18 Uhr auf dem Ochtendung-Parkplatz stehen.

Gebrannte Mandeln und weitere Kirmesleckereien werden Carolin Feldmann (rechts) und Tochter Lorena bis zum 20. Dezember anbieten.

Wäre Corona nicht gewesen, hätten die Feldmanns in diesem Jahr verschiedene Jahrmärkte mit ihren Buden und Fahrgeschäften besuchen können, zum Beispiel mit dem Riesenrad Baujahr 1928. „Damit sollten wir auch zum Lichterfest nach Dortmund fahren, das aber auch abgesagt wurde.“ Auch auf Weihnachtsmärkte wäre man mit dem Riesenrad gefahren. Wie es im nächsten Jahr weitergeht, ist noch ungewiss. „Man sieht noch nicht das Licht am Ende des Tunnels“, sagt Carolin Feldmann. Denn auch im kommenden Jahr finden einige Veranstaltungen wohl nicht statt. „Das Gertrüdchen ist für 2021 abgesagt, da wären wir normalerweise mit dem Autoscooter gewesen.“

Der Frust nach diesem Horror-Jahr sitzt tief. Als Schausteller wollten sie ihr Geld aus eigener Kraft verdienen, berichtet Feldmann. Doch wegen Corona war das nicht möglich. Man habe mit ansehen müssen, wie etwas, das man sich über lange Zeit aufgebaut habe, nun einstürze wie ein Kartenhaus. Sie kann nicht nachvollziehen, dass das wenige, was man in der Coronazeit verdienen konnte, von den Soforthilfen abgezogen wurde.

Von April bis August waren die Menschen so toll und sind gekommen, um uns zu unterstützen. Wir hoffen, dass sie uns noch einmal helfen. Wir versuchen jetzt unser Glück.

Carolin Feldmann

Dass sich die Feldmanns dennoch dazu entschieden haben, den Mandelwagen aufzumachen, hat auch mit dem Wunsch nach ein bisschen Normalität zu tun. „Man hat gar kein eigenes Leben mehr“, sagt Carolin Feldmann. Mit dem Verkauf von Kirmesleckereien soll so auch ein bisschen Schausteller-Alltag zurückkehren. „Wir machen das gerne und sind froh, dass wir so noch etwas Kontakt mit Menschen haben können.“

Auf Schutzmaßnahmen werde dabei natürlich geachtet. Der Mandelwagen ist mit einer Plastik-Schutzwand ausgestattet und auf dem Parkplatz ist genug Platz zum Parken und zum Abstandhalten, sodass kein Gedränge entsteht. Im Einbahnstraßensystem gehen die Leute zum Wagen und können dann ihre Lieblings-Snacks bestellen, erklärt Feldmann und ist zuversichtlich, dass das problemlos funktioniert.

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