Mit dem Metalldetektor unterwegs

Schatz in Wald im MK entdeckt! Waffen, Münzen und eine Weihnachtsglocke

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Eine uralte Silbermünze von 1791.

Plettenberg – Für viele Kinder ist die Bescherung an Heiligabend mit einem Weihnachtsglöckchen verbunden, mit dem geklingelt wird, wenn das Christkind sein Werk vollbracht hat. Und genau ein solches Weihnachtsglöckchen fand jetzt ein in Plettenberg aufgewachsener Schatzsucher mitten im Wald.

 „Es lag etwas abseits des Weges gut zehn Zentimeter unter einer Humusschicht“, sagt Uwe Rudolph, der die Glocke vor einigen Tagen fand, als er auf der Suche nach verlorenen oder versteckten Gegenständen war.

Mit seinem hochsensiblen Metalldetektor sucht der Hobby-Schatzsucher bereits seit einigen Jahren alte Fußwege ab. „Meistens findet man Müll. Ich habe schon unzählige Coladosen und viele alte Cola-Laschenverschlüsse und Bierdeckel ausgegraben.“ Doch neben dem ganzen Unrat, der bewusst weggeworfen wird und den Rudolph sammelt und entsorgt, findet der Herscheider manchmal auch kleine Schätze.

Mit dem Metalldetektor streift Uwe Rudolph häufig durch den Hestenberg.

Er profitiert dabei von ganz banalen Dingen. Einem kleinen Loch in der Tasche, einem zusammen mit Münzen aus der Hose gezogenen Taschentuch, von minderwertigen Verschlusssystemen oder einfach von Unachtsamkeit. Und die Plettenberger verlieren Geld, Uhren, Schmuck und andere Dinge nicht erst seit gestern, sondern schon seit hunderten Jahren.

Bestes Beispiel ist eine Silbermünze aus dem Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648). Doch auch Silbermünzen von 1764 und 1791 (mit dem Namen von Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. König von Preußen) fand der Hobby-Schatzsucher entlang der zahlreichen Pfade, die offenbar seit Jahrhunderten durch den Hestenberg führen. „Die Silbermünze war total abgegriffen, aber könnte bestimmt einige Geschichten erzählen“, sagt Rudolph.

Eine uralte Silbermünze von 1791.

Gefunden hat er neben diversen Bleigeschossen auch Patronenhülsen Kaliber 50, die im zweiten Weltkrieg von US-Streitkräften mit Browning M2 Maschinengewehren in Richtung Hestenberg abgefeuert wurden. Noch faszinierender findet der 56-Jährige aber eine kleine Kanonenkugel, die sehr wahrscheinlich dem Dreißigjährigen Krieg zuzuordnen ist. Auch damals war der Hestenberg offenbar schon ein umkämpftes Gebiet.

Eine Kanonenkugel aus dem 30-Jährigen Krieg.

Um so mehr freut sich Rudolph deshalb, etwas so Friedliches wie eine Weihnachtsglocke mit der Aufschrift „Frohe Weihnachten 1991“ gefunden zu haben. Und nachdem der Schatzsucher mit dem Chronisten durch den städtischen Wald streifte, kam er ins Gespräch mit einer Spaziergängerin und erzählte ihr von der Glocke. Und die – welch ein Zufall – wusste, dass die Geschäftsführung der Firma Korte genau diese Weihnachtsglöckchen 1991 als Präsent an die Mitarbeiter verschenkte.

Die Reste einer US-Artillerie-Granate.

 

Das konnte Seniorchef Hans Jürgen Korte bestätigen. „Das war eine einmalige Geschenk-Aktion für unsere Mitarbeiter“, erinnert sich Korte, der die im Sand gegossene Mini-Glocke nachträglich im eigenen Unternehmen bearbeiten ließ und selbst gravierte. Korte verwendete die Glocke selbst an Weihnachten jahrelang für seine Enkelkinder.

Wem also vor 28 Jahren oder später jene Glocke am Hestenberg aus der Tasche fiel, sollte sich bei der Heimatzeitung melden. Denn dann würden wir das handgefertigte Glöckchen noch rechtzeitig zum Weihnachtsfest gemeinsam mit Uwe Rudolph gerne an den einstigen Besitzer zurückgeben.

Uwe Rudolph zeigt den Weg, der Richtung Holthausen führt, und den es schon hunderte Jahre gibt.

Info: Metalldetektoren

Ein Metalldetektor (auch Metallsuchgerät und Metallsonde) ist ein Gerät zur Lokalisierung verborgener Metallteile, Rohrleitungen und elektrischer Leiter an Land sowie unter Wasser. Ab 1870 begann man, Geräte zur Lokalisierung von Metallen zu entwickeln. Der Physiker Heinrich Wilhelm Dove erfand im 19. Jahrhundert das Induktion-Balance-System, das in Metalldetektoren hundert Jahre später als erstes System für Metallsuchgeräte verwendet wurde. Alexander Graham Bell versuchte ein solches Gerät zu nutzen, um eine Kugel in der Brust von US-Präsident James A. Garfield 1881 zu finden. Der Versuch blieb erfolglos, offenbar weil die Metall-Spiralfedern des Bettes störten. Die moderne Entwicklung der Metalldetektoren begann in den 1930er Jahren. Der Techniker Gerhard Fischer erkannte, dass Radio-Wellen durch erzhaltiges Gestein und Metallteile gestört bzw. abgelenkt wurden. Es sollte also umgekehrt möglich sein, mit Hilfe von hochfrequenten Wellen Metall zu orten. Im Jahr 1937 erwarb er das erste Patent für einen Metalldetektor. Später wurden solche Geräte auch zum Aufspüren von Minen verwendet. Die größte technische Entwicklung brachte das Induktions-Balance-System. Sobald Metall in die Nähe kommt, geraten sie aus der Balance, dies erlaubt sogar, Metalle voneinander zu unterscheiden. Die heutigen Detektoren werden unter anderen an Flughäfen, in der Lebensmittelindustrie, zur Leitungsfindung im Handwerk, in der Archäologie, bei der Kampfmittelbeseitigung und bei der Schatzsuche verwendet.

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