Ulrich Schulte im Interview

Das sagt der Bürgermeister zum abgelaufenen Jahr und zu seiner erneuten Kandidatur

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Plettenberg -  Ein turbulentes Jahr nähert sich dem Ende. Vor allem der Streit mit der Feuerwehr und der drohende Rücktritt des P-Weg-Teams haben den Plettenberger Bürgermeister Ulrich Schulte in den letzten zwölf Monaten Einiges abverlangt.

Nichtsdestotrotz hat der 52-Jährige Anfang dieses Monats angekündigt, sich im September erneut als Bürgermeister zur Wahl zu stellen. Bevor Schulte nun über die Feiertage etwas durchschnaufen kann, stattete er uns traditionell einen vorweihnachtlichen Besuch ab und sprach mit der Redaktion über das zurückliegende Jahr.

Herr Schulte, wie fällt Ihr Fazit für das Jahr 2019 aus?

Ehrlich gesagt hatte ich noch gar nicht richtig Zeit, auf das Jahr zu blicken. Die letzten zwei Wochen waren angesichts zahlreicher Termine noch mal extrem. Und wenn dann während jeder Besprechung noch zwölf neue Emails reinrauschen... Aber manchmal ist es halt so. Ich will deshalb versuchen, zwischen den Tagen alles abzuarbeiten.

Aber an den Weihnachtsfeiertagen nimmt sich doch sicher auch ein Bürgermeister frei!?

Ja, und ich freue mich auch auf diese Ruhephase.

Haben Sie die Hoffnung, dass das nächste Jahr ruhiger wird?

Ruhiger nicht, aber besser. Es war ja dieses Jahr eine besondere Konstellation mit der Feuerwehr und dem P-Weg-Team – so etwas muss sich ja nicht wiederholen. Ich befürchte allerdings, dass das nächste Jahr noch anstrengender wird, denn es kommt ja noch der Wahlkampf hinzu. Was das Tagesgeschäft angeht, hoffe ich einfach, dass die Ergebnisse wieder positiver werden.

Sie waren dieses Jahr oft mehr als Schlichter denn als Gestalter gefragt.

Ärgerlich ist einfach Arbeit, die einen nicht weiterbringt und die aufgrund von Fehlverhalten entstanden ist.

Wie meinen Sie das?

Leider hat sich in Plettenberg etwas sehr stark entwickelt: dieses „entweder ich kriege das, was ich möchte, oder ich werfe alles hin“. Das ist zur Standardreaktion geworden. Konflikte auszudiskutieren und Kompromisse zu finden ist immer schwieriger geworden.

Würden Sie sagen, 2019 war das schwierigste Jahr für Sie als Bürgermeister?

Na ja, vorher war es auch anstrengend. Ich habe nächtelang nicht geschlafen, als es um den Verkauf des Krankenhauses an Radprax ging, weil ich mir nicht sicher war, ob es die richtige Entscheidung ist. Aber immerhin gab es seinerzeit eine Zielrichtung. Ebenso war es letztes Jahr mit dem Modepark Röther. Die Politik stand dahinter, Herr Röther stand dahinter, wir hatten ein gemeinsames Ziel.

Warum haben Sie sich trotz der anstrengenden Zeit dazu entschlossen, noch einmal als Bürgermeisterkandidat anzutreten?

Ich bin äußerst strapazierfähig. Und es war ja nicht alles schlecht. Ich liebe diesen Job. Ich kann vieles bewegen. Der Umzug der Firma Hagen F. Lothes in dieser Woche zum Beispiel ist etwas Positives. Oder die Verpachtung der Oesterhalle, die über viele Jahre im Dornröschenschlaf gelegen hat. Ich bin froh, dass es Menschen gibt wie einen Andrea Saladdino, der sich jetzt für die Oesterhalle den Hintern aufreißt.

Haben Sie zwischendurch überlegt, nicht mehr anzutreten?

Es gab Phasen, in denen es auf der Kippe stand, in denen ich mich gefragt habe: Bin ich vielleicht doch nicht der Richtige für dieses Amt? Ich finde, jeder Mensch sollte sich und sein Handeln zu gegebener Zeit hinterfragen.

Wie muss man sich so einen Entscheidungsprozess vorstellen?

Man geht hin und grübelt. Und dann geht man zu seiner Ehefrau, bespricht alles und fällt eine Entscheidung.

Die CDU hat angekündigt, für die Kommunalwahl erneut einen Gegenkandidaten zu stellen. Wäre Ihnen ein Wahlkampf ohne Gegenkandidaten lieber gewesen?

Wenn es keinen Gegenkandidaten geben würde, wäre das natürlich für die Bevölkerung deutlich schlechter. Andererseits wäre es für mich natürlich deutlich planbarer. Denn ich weiß ja auch gar nicht, wie die Bürgerschaft mich sieht.

Wie ist eigentlich Ihr Verhältnis zur CDU? Ihr Vater war schließlich über viele Jahre CDU-Ratsmitglied und Sie selbst haben in der Ratssitzung noch davon erzählt, wie Sie als Kind CDU-Flyer verteilt haben.

Ich habe kein Parteibuch, deshalb kann ich offen auf die CDU zugehen. Ich pflege da auch privat gute Verhältnisse.

Wie erklären Sie sich dann, dass Sie nicht von der CDU unterstützt werden?

Das ist eine Entscheidung der CDU. Wenn sie mich weiterhin als SPD-Bürgermeister sehen, dann muss ich das so akzeptieren.

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